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Havelland Ende des Stillstands
Lokales Havelland Ende des Stillstands
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00:17 10.02.2016
Auf dem Zietengelände tut sich was. Quelle: Markus Kniebeler
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Rathenow

Wer mit interessiertem Blick durch die Rathenower Innenstadt geht und die lokalen Nachrichten aufmerksam verfolgt, dem wird aufgefallen sein, dass auf vielen freien Flächen im Zentrum, die jahrelang brach lagen, plötzlich Bewegung ist. Bestes Beispiel ist das Zietenareal. Zuerst wurden die Grundstücke entlang der Schopenhauerstraße bebaut, im Sommer sollen auf dem dahinter liegenden Karree neun Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 36 Wohnungen errichtet werden. (MAZ berichtete)

Doch damit nicht genug. Im vergangenen Jahr gab es nach jahrzehntelangem Stillstand die erste ernsthafte Anfrage eines Projektentwicklers, die Fielmannbrache hinter dem Rathenower Rathaus mit Leben zu füllen. Noch steckt der Plan, eine Mischung aus Gewerbe, Wohnen und Handel auf dem 30000 Quadratmeter großen Grundstück anzusiedeln, in der Anfangsphase. Aber seitdem Christian Wernicke, der Initiator des Vorhabens, seine Pläne im Bauausschuss vorgestellt hat, glauben nicht wenige, dass eine Wiederbelebung funktionieren könnte.

Für das Fielmann-Gelände hinterm Rathaus gibt es Pläne. Quelle: Markus Kniebeler

Auch das Areal Burg-/Baderstraße, das schon seit Jahren komplett erschlossen ist, aber als Parkfläche zuerst für Laga-, dann für Buga-Besucher vorgehalten wurde, soll schon bald bebaut werden. Und selbst auf dem alten Brauerei-Gelände sind nach Jahren des Verfalls Planungen zur Entwicklung aufgenommen worden. Auch wenn noch nicht klar ist, ob hier die Stadtverwaltung einziehen wird, ist dieser Planungsbeginn das Startsignal für eine Belebung des Grundstücks – wie auch immer diese am Ende ausfallen wird.

Jens Hubald, Leiter des Sachgebiets Stadtentwicklung im Rathenower Bauamt, ist froh über diese Nachrichten. Denn sie passt in das Stadtentwicklungskonzept, das die Verwaltung gemeinsam mit Bürgern der Stadt erarbeitet hat. Es gehe darum, eine Stadt, deren Einwohnerzahl seit der Wende kontinuierlich sinke, attraktiv und lebenswert zu halten. Zu diesem Zweck müsse das Zentrum gestärkt werden. Eine Verdichtung, etwa durch Wohnbebauung zentrumsnaher Brachen, schaffe zweierlei: Zum einen würden Freiflächen vor drohender Verwahrlosung bewahrt. Zum anderen sorgten die Menschen, die in die Wohnungen ziehen, für Impulse vielfältiger Art.

Das Grundstück in der Puschkinstraße wird wohl unbebaut bleiben. Quelle: Markus Kniebeler

Um deutlich zu machen, wie wichtig es ist, freie Flächen im Zentrum nicht ungenutzt zu lassen, verweist Hubald gerne auf die oft zitierte Broken-Windows-Theorie (englisch für „Theorie der zerbrochenen Fenster“). Die besagt, dass ein zerbrochenes Fenster in einem Gebäude, das nicht repariert wird, innerhalb kurzer Zeit die Zerstörung weiterer Fenster nach sich zieht. Um zu verhindern, dass diese Verwahrlosung auf umliegende Häuser übergreift und am Ende ganze Straßenzüge erfasst, muss die Kette der Zerstörung gleich am Anfang unterbrochen werden. Und am besten gelingt dies, indem man Menschen ansiedelt und so für Leben sorgt.

Natürlich gibt es bei vielen positiven Beispielen auch Ausnahmen. Das Gelände zwischen Puschkinstraße und Körgraben wird, obwohl zentral gelegen , wohl nicht wachgeküsst. Der Investor hat trotz vollmundiger Ankündigungen seine Pläne, eine Wohnsiedlung zu errichten, nicht wahr gemacht. Und wird es auch nicht mehr tun. Jens Hubald ist darüber überhaupt nicht traurig. „Wir haben diese Fläche schon vor langer Zeit als wichtigen Teil des Grünzugs definiert, der die Innenstadt vom Körgraben bis zum Stadtkanal durchzieht“, sagt er. Der B-Plan, der die Bebauung erlaubt hätte, werde Ende des Monats aufgehoben. Damit bleibe das Areal unberührt. Und wenn es irgendwann gelinge, die alten Ruinen auf dem Gelände abreißen zu lassen, dann müsse auch nicht mehr befürchtet werden, dass die Verwahrlosung auf benachbarte Gebiete übergreife.

Von Markus Kniebeler

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