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Belgischer Autor in der Villa am See

Premnitz Belgischer Autor in der Villa am See

Der Belgier Stefan Hertmans zählt zu den großen Schriftstellern der europäischen Literatur. Am 13. Juni wird er in der Premnitzer Villa am See seinen neuen Roman vorstellen. In dem beschreibt er ein tragisches Frauenschicksal zur Zeit der Kreuzzüge.

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Der belgische Schriftsteller Stefan Hertmans.

Quelle: Michiel Hendryckx

Premnitz. Als Stefan Hertmans vor vier Jahren den Roman „Der Himmel meines Großvaters“ veröffentlichte, da wurde der belgische Schriftsteller, der in seinem Heimatland längst zu den prägenden Stimmen der zeitgenössischen Literatur zählte, auch in der internationalen Kulturszene ein Begriff. Das Buch, in dem der 66-Jährige über das Leben seines Großvaters schreibt, der den unbeschreiblichen Schrecken des 1. Weltkrieg überlebte, wurde mit Preisen überhäuft. Die amerikanische Übersetzung des Romans wurde 2016 von der New York Times zu einem der fünf wichtigsten Bücher des Jahres gekürt.

Man kann Hertmans also mit Fug und Recht als Schwergewicht der internationalen Literaturszene bezeichnen. Und dieses Schwergewicht kommt am Dienstag, den 13. Juni, ins Havelland. In der Premnitzer Villa am See wird er sein neues Buch vorstellen.

Auch „Die Fremde“ spielt vor einem realen historischen Hintergrund. Allerdings handelt es sich bei diesem nicht um das Flandern des beginnenden 20. Jahrhunderts. Die Ereignisse, die Hertmans beschreibt, ereigneten sich fast 1000 Jahre früher. Es ist das beginnende Zeitalter der Kreuzritter, in dem eine junge Frau am eigenen Leibe erlebt, wie religiöser Eifer und Fanatismus ein Leben, nein mehrere Leben, zerstören können.

Zentraler Ort des Geschehens ist ein Bergdorf in der Provence. Monieux heißt der Ort, und der hat es nicht von ungefähr auf die literarische Weltbühne geschafft. Stefan Hertmans selbst lebt dort. Und stößt bei Recherchen über seinen Wohnsitz auf eine Geschichte, die ihn über Jahre beschäftigen wird: In historischen Quellen ist belegt, dass das Bergdorf am Fuße des Mont Ventoux im Jahr 1096 Schauplatz eines furchtbaren Massakers wird. Ein Heer von Kreuzrittern, das auf dem Weg ins Heilige Land in dem Ort Station macht, zerstört in einem wahren Gewaltrausch die Synagoge im Ort und richtet unter der jüdischen Bevölkerung ein Blutbad an. Die Quelle belegt, dass eine Frau das Grauen überlebte.

Diese historisch verbürgte Figur lässt den belgischen Autor nicht mehr los, er tastet sich erzählend an ihr Leben heran. Vigdis nennt er die Frau, die aus einer angesehenen christlichen Familie aus dem nordfranzösischen Rouen stammt. In ihrer Heimatstadt verliebt sie sich unsterblich in den Sohn des Rabbi und setzt mit dieser alle Grenzen überschreitenden Liebe ihre Existenz aufs Spiel. Hertmans beschreibt eindrucksvoll, wie das junge Paar trotz unglaublicher Schwierigkeiten an seiner Liebe festhält; wie es in einer Odysee durch Europa Zuflucht in einem abgelegenen Ort Südfrankreichs sucht; wie das Schicksal diesen Schutzort in eine Gefahrenzone verwandelt und das Glück des Paares für immer zerstört wird.

Zwei knappe Schriftstücke sind es, die dem Autor den Stoff liefern für ein 300 Seiten starkes Buch. „Mit seiner grandiosen literarischen Rekonstruktion dieser Geschichte von Liebe, Gewalt und religiöser Verfolgung ist Hertmans ein erschreckend gegenwärtiger Roman gelungen“, heißt es in der Ankündigung des Verlags. Und wer das Buch gelesen hat, kann dem nur zustimmen. Das Schicksal dieser Frau, die im Lauf ihres Lebens alles verliert, was ihr lieb und teuer ist, lässt einen nicht mehr los. Das Besondere ist, dass Hertmans seine Recherche zum Teil der Handlung macht.

Die Lesung mit Stefan Hertmans in der Villa am See am Dienstag, dem 13. Juni, wird veranstaltet vom Brandenburgischen Literaturbüro in Kooperation mit der Konrad-Adenauer Stiftung. Sie beginnt um 19 Uhr. Moderiert wird sie von der bekannten österreichischen Literaturkritikerin Sigrid Löffler.

Karten zum Preis von 10 Euro können telefonisch bestellt werden unter der Nummer 03386/2139680.

Von Markus Kniebeler

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