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Beratung von Falkenseer Arbeitslosen

Hilfe bei Hartz IV Beratung von Falkenseer Arbeitslosen

Die Falkenseer Stadtverordnete Heidemarie Hinkel berät seit zehn Jahren Arbeitslose. Manches Problem hat sich gelöst, andere Kummerbereiche sind auch nach zehn Jahren nicht besser geworden. Das Schwerverständliche der amtlichen Schreiben gehört dazu.

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Heidemarie Hinkel kennt die Falkenseer Besonderheiten der Arbeitslosigkeit.

Quelle: Danilo Hafer

Falkensee. Die Falkenseerin Heidemarie Hinkel sitzt für ihre Partei Die Linke in der Stadtverordnetenversammlung und im Kreistag. Seit zehn Jahren berät sie Arbeitslose.

Wie hat es mit der Arbeitslosenberatung der Linken in Falkensee damals begonnen?

Heidemarie Hinkel: Es war vor zehn Jahren eine Welle der Unsicherheit, Angst und Empörung, die über arbeitslose Hausbesitzer schwappte. Ausgangspunkt war die „Initiativgruppe gegen die Inanspruchnahme selbst genutzten Wohneigentums“, daraus hat sich ein regelmäßiger Arbeitslosentreff mit juristischer Beratung bei den Linken, damals PDS, entwickelt. Das Jobcenter, damals Arge, verweigerte arbeitslosen Hausbesitzern in Hartz-IV-Bezug jegliche Leistung, wenn das Grundstück zu groß war. Die Hausbesitzer waren aufgefordert, den Landkreis mittels einer Sicherungshypothek als Darlehensgeber ins Grundbuch aufzunehmen. Das sorgte für Turbulenzen, vor allem in Falkensee.

Warum vor allem in Falkensee?

Hinkel: Die Stadt ist geprägt von vielen Einzelgrundstücken und Privatbesitz. Was als „zu groß“ eingeschätzt wurde, war in jeder Gemeinde unterschiedlich. In Falkensee galten 500 Quadratmeter als angemessen, in Schönwalde waren es jedoch 800. Viele befürchteten den Verlust ihrer Häuser und damit ihrer Alterssicherung. Und hier ist nicht von großen Villen die Rede.

Konnte geholfen werden?

Hinkel: Ja, wir konnten zeigen, wie solche Angriffe abgewehrt werden können.

Wie viele Menschen haben bei der Arbeitslosenberatung der Linken seitdem um Rat gefragt?

Hinkel: Mehr als einhundert Frauen und Männer kamen zwischenzeitlich. Das waren längst nicht nur PDS-Wähler, sondern Vertreter aus fast allen Schichten. Viele wurden von den mit der Einführung von Hartz IV ein hergehenden Änderungen gewissermaßen überrollt. Der Schritt vom Arbeitsleben zu Hartz IV geht sehr schnell. Meist konnten wir mit unserer Beratung helfen und Lösungswege aufzeigen. Befördert wird die Breitenwirkung der offenen Beratung durch die Arbeit des Arbeitslosenverbandes, zu dem intensive Kontakte bestehen.

Wie helfen Sie?

Hinkel: Wir machen keine Einzelfallberatung, sondern treffen uns in einer offenen Gesprächsrunde einmal im Monat, in der wir Probleme benennen. Wer hier zu uns kommt, erkennt, dass er mit seinen Sorgen nicht allein dasteht. Das kann auch den Einzelnen aus der Sackgasse der persönlichen Isolation führen.

Eine Art Selbsthilfegruppe?

Hinkel: Nein, denn Hartz IV ist nicht heilbar. Aber die Leute gehen gestärkt aus den Gesprächen heraus. Mit unserer Beratung wollen wir der Entsolidarisierung der Gesellschaft etwas entgegensetzen.

Am Anfang ging es vor allem um Hartz IV und Wohneigentum. Haben sich die Sorgen gewandelt?

Hinkel: Manches ist geblieben. Gleichbleibend problematisch ist die schwere Lesbarkeit der Hartz-IV-Bescheide. Es wäre schön, wenn die Betroffenen verstehen könnten, was das Amt ihnen schreibt. Das wäre auch eine Form von Menschlichkeit. Fast unlösbar ist das Problem, bei dem eigene Erwerbstätigkeit und ergänzende Hartz-IV-Leistungen verquickt sind. Auch die Kosten der Unterkunft und Heizung sind ein Dauerproblem. Besonders kompliziert sind Rückforderungen bei Einkommen. Das System des SGB II ist ein kompliziertes Hin- und Hergerechne, wenn beispielsweise vertragliches Gehalt und tatsächliches Gehalt monatlich unterschiedlich sind. Dies ist besonders häufig bei Minijobs der Fall. Unsere Partei fordert seit Langem, dass das ganze System einfacher gestaltet und durch eine bedarfsgeprüfte Grundsicherung von 1050 Euro ersetzt werden muss.

Was können Sie in den Beratungen leisten?

Hinkel: Ich sag’s ganz klar: Wir geben keine Tipps zum Austricksen, sondern sagen, wo Rechte und Ansprüche der Bürgerinnen und Bürger bei Hartz IV liegen. Natürlich ist es bitter, wenn man Betroffenen erklären muss, dass beispielsweise eine Rückforderung seitens des Jobcenters berechtigt ist, die Leute aber nicht wissen, wie sie dann mit dem wenigen verbleibendem Geld über den Monat kommen sollen. Besonders schmerzlich ist das, wenn Kinder in der Familie sind.

Warum geben Sie selbst Monat für Monat mit Kollegen Rechtsanwalt Hendryk Heinecke diese Beratung?

Hinkel: Vielleicht sind es linke Ideale. Ich will, wie viele in meiner Partei, etwas verändern, ohne mir jeden Rat bezahlen zu lassen. Da leiste ich einen ganz persönlichen Beitrag. Wer sich wehrt, lebt nicht verkehrt. Und die Gespräche bringen ja auch mir etwas, für meine ehrenamtliche Tätigkeit als Abgeordnete in der Falkenseer Stadtverordnetenversammlung und im Kreistag Havelland ebenso, wie für meine Arbeit als Referentin für Arbeitsmarktpolitik in der Bundestagsfraktion der Partei Die Linke und als Rechtsanwältin.

Was bedeutet Arbeit für Sie persönlich?

Hinkel: Ach, es ist so etwas Wichtiges, Alltägliches, so wie die Luft zum Atmen. Deshalb ist es mir auch so wichtig, den Menschen zu helfen, in Arbeit zu kommen. Das muss das Ziel sein.

Interview: Marlies Schnaibel

Von Marlies Schnaibel

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