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Berliner Kabarett begeistert in Rathenow

Kulturzentrum Berliner Kabarett begeistert in Rathenow

Rund 350 Gäste wurde am Mittwochabend Zeuge eines ganz besonderen Spektakels: Bundeskanzlerin Angela Merkel im Tanzwettstreit mit Barack Obama und Vladimir Putin auf der Bühne des Theatersaals im Rathenower Kulturzentrum.

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Grandioses Finale: Sebastian Wirnitzer (l.) macht den Obama. Dagmar Jaeger als Angie und Michael Nitzel als Putin.

Quelle: Foto: Christin Schmidt

Rathenow. Während sich die beiden Herren Putin und Obama in Machomanier mit Kasatschok und James Browns „Sex Machine“ in Rage tanzten, trällerte Angie versöhnlich zu einer Nena Melodie „Ihr macht so lang bis einer weint“, um am Ende als strahlende Siegerin die Arme in die Luft zu reißen. Es war das grandiose Finale eines gelungenen Abends, denen das Berliner Kabarett-Theater Distel dem Rathenower Publikum bescherte. Aber von vorn:

Während am Mittwoch um 19.30 Uhr noch die Abendsonne auf den Märkischen Platz strahlte, leuchtete auf der Bühne im Theatersaal das Bild einer riesigen Tomate. Vogelgezwitscher suggerierte den Gästen, die sich in Hemd und Bluse für den Kulturabend geworfen hatten, eine heile Welt. Die Tomate, das erfuhr das Publikum erst später, symbolisiert die kalte Welt da draußen. Und die spiegelte sich komprimiert im Mikokosmus der Pizzeria „Fast Food Fuzzies“ wieder. Die pralle rote Frucht ist nämlich das Logo des Pizzahauses, in dem die bemitleidenswerten Angestellten Regina (Dagmar Jaeger), Speedy alias Andreas (Michael Nitzel) und Tobias (Sebastian Wirnitzer) rackern.

Schweinbraten für Neuankömmlinge

Das bunte Pizza-Trio schlüpfte für das 138. Programm der Distel – „Einmal Deutschland für alle“ – in die unterschiedlichsten Rollen und brachte damit auf unterhaltsame Weise den Zustand dieses Landes auf die Bühne. Mal waren sie die Flüchtlinge, die in einem Boot auf dem Mittelmeer über Europa, das Leben und das „gelobte Land“ sinnieren. Mal mimten sie die „Gutmenschen“, die Neuankömmlinge mit Schweinebraten die deutsche Leitkultur aufzwingen wollen. Auch das Klischee der hippen Schwaben, die im Prenzlauer Berg den Nachwuchs zu lactoseintoleranten, mit Fremdsprachen gequälten, veganen Mitmenschen erziehen, fehlte nicht.

Dagmar Jaeger wusste Angela Merkel gekonnt als Marionette zu mimen und erntete Lachen und Bedauern für ihre Rolle als hoch qualifizierte, aber für den Arbeitsmarkt zu alte Bewerberin. Michael Nitzel glänzte als 100-Jährige, die den Hype um gesunde Ernährung mit einem Lächeln und Weinbrandbohnen wegwischt. Und Sebastian Wirnitzer, der dem US-Präsidenten ohnehin sehr ähnelt, mimte den perfekten Obama mit Zahnpastalächeln und dem typischen Gang des Präsidenten, lässig und etwas schluffig den Kameras zuwinkend.

Musik, Wortwitz und Gesellschaftskritik

Mit Musik, Gesang und jeder Menge Wortwitz unterhielten die Schauspieler gemeinsam mit den Musiker Matthias Felix Lauschus und Fred Symann das Publikum. Dabei hallte aber nicht permanent schallendes Gelächter durch den Saal. Vor allem die als Schattenspiel dargestellte Szene auf dem Mittelmeer sorgte dafür, dass einem das Lachen im Halse stecken blieb. „Flucht ist doch kein Verbrechen“, stellte der eine fest. So gleich wurde er von seinem Leidensgenossen eines Besseren belehrt: „Wir wollen nach Europa um zu überleben, das ist schon Verbrechen genug.“ Zwei Worte müsse man sich als Flüchtling in Deutschland unbedingt merken: Pegida bedeutet Beine in die Hand nehmen und rennen. Fällt das Wort Residenzpflicht heißt das, bleib da, wo du bist.

Kabarett soll Spaß machen, soll die Lachmuskel strapazieren, aber auch das Nachdenken nicht vernachlässigen. Im besten Fall ist es gesellschaftskritisch und komisch-unterhaltend zugleich. Genauso lässt sich der Abend im Kulturzentrum beschreiben, der nach mehr als zwei Stunden mit kräftigem Applaus endete.

Von Christin Schmidt

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