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Berufsfeuerwehren „viel besser abgesichert“

Brieselang Berufsfeuerwehren „viel besser abgesichert“

Der Brieselanger Gemeindewehrführer Marco Robitzsch fordert nach dem tragischen Unfall auf der A2, bei dem zwei Feuerwehrmänner ums Leben kamen die Gleichstellung der ehrenamtlichen Einsatzkräfte. Bei Invalidität, Berufsunfähigkeit oder Tod bekommen verbeamtete Feuerwehrleute oder ihre Familien deutlich höhere Leistungen.

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Die Brieslanger Feuerwehr muss immer häufiger zu Einsätzen auf der Autobahn ausrücken.

Quelle: Julian Stähle

Brieslang. Es war ein Horror-Unfall, der vor gut einer Woche durch die Nachrichten ging. Auf der A2 bei Brandenburg rauschte ein Sattelschlepper in eine schon gesicherte Unfallstelle. Ein Feuerwehrfahrzeug kippte um und begrub zwei Kameraden unter sich. Beide starben noch am Unfallort. „Das geht einem schon sehr nahe“, sagt Marco Robitzsch, Gemeindewehrführer in Brieslang und in der Verwaltung zuständig für Brand- und Katastrophenschutz. Beim regulären Dienst der Brieselanger Feuerwehr am gleichen Abend hat es eine kurze Ansprache und eine Schweigeminute für die toten Kameraden gegeben. „Das alles ist ja nur 50 Kilometer von uns entfernt passiert. Unter Umständen kennt man sich von gemeinsamen Lehrgängen an der Landesschule“, sagt Robitzsch. Kein Wunder, dass die Betroffenheit da groß ist, auch weil die Frage im Raum steht: Hätte das auch uns passieren können?!

Zum Einsatzgebiet der Stützpunktfeuerwehr Brieselang gehört nicht nur die Gemeinde mit einigen Gewerbegebieten und dort ansässigen Firmen wie Amazon, Zalando und Rigips. Die Feuerwehr ist auch für den Autobahnabschnitt der A10 zwischen dem Dreieck Havelland und Potsdam Nord zuständig. Durchschnittlich 16 Mal im Jahr müssen die Brieselanger zur Autobahn ausrücken. Tendenz steigend.

„Der Abschnitt ist zum Glück nur zweispurig. Außerdem gibt es eine Geschwindigkeitsbegrenzung“, sagt Robitzsch. Das verringert die Gefahr schon mal deutlich. Wenn sich der Verkehr an der Unfallstelle von zwei auf eine Spur verengt, kommt es fast automatisch zum Stau und mit der verringerten Geschwindigkeit sinkt auch das Risiko für die Rettungskräfte vor Ort.

Nachts ist das anders. Da gibt es für einen Stau zu wenig Autos. Und die Fahrer, die unterwegs sind, haben vielleicht mit Müdigkeit und Konzentrationsschwäche zu kämpfen. „Unfälle passieren. Das kann man nie zu 100 Prozent ausschließen. Aber wir tun alles dafür, um uns selbst bestmöglich zu schützen“, sagt Robitzsch. Zum Beispiel in die Ausrüstung investieren: Bei den beiden neuesten Fahrzeugen der Feuerwehr wurde besonderer Wert auf die gute Sichtbarkeit bei Nacht gelegt. Das eine Fahrzeug wurde mit einer Extrabeladung Absperrmaterial ausgestattet, das Tanklöschfahrzeug zusätzlich mit einem Lichtmast inklusive weit sichtbarem Blaulicht und einer Reihe von Warnleuchten. Das Löschfahrzeug ist vergleichsweise schwer und bildet deshalb meist den Abschluss der Fahrzeugkolonne am Einsatzort. Mit großem Abstand nach vorne – und dann auch ohne Besatzung. Falls ein Lkw auf die Unfallstelle auffährt, wirkt das Einsatzfahrzeug wie ein Puffer, der die vorderen Kräfte schützt.

Auch in anderen Bereichen investiert die Gemeinde Brieslang mehr in die Ausrüstung, als sie eigentlich müsste: Die Atemluftflaschen der Atemschutzgeräte sind aus Composite, somit extra leicht und deshalb im Einsatz weniger belastend. Die Geräte sind außerdem mit sogenannten Totmannwarnern ausgestattet. Die kleinen Anlagen schlagen Alarm, wenn sich der Träger über einen längeren Zeitraum nicht bewegt. Im Ernstfall kann so ein bewusstloser Kamerad im dichten Rauch schnell gefunden werden. Es gibt auch ausreichend Wärmebildkameras, zur Orientierung in verrauchten Gebäuden, um alle vorgehenden Einsatzkräfte damit auszurüsten.

Neben der Sicherheit der Feuerwehrleute im Einsatz ist die Nachbetreuung ein wichtiges Thema: Jeder Feuerwehrmann wird irgendwann mit Schwerverletzten oder Toten konfrontiert. Dann fällt es manchmal schwer, die schlimmen Bilder wieder loszuwerden. „Wir sprechen immer ganz ausführlich über die absolvierten Einsätze, gerade, wenn es heftiger war“, sagt Robitzsch. Meist hilft das schon. Manchmal geht der Wehrführer auch direkt auf junge, unerfahrene Kameraden zu, fragt nach, ob alles in Ordnung ist. Das reicht meistens. Wenn es nicht reicht, wenn einen die Bilder der Toten oder Verletzten bis ans Bett verfolgen und nicht schlafen lassen, kann ein Notfallseelsorger weiter helfen. „Das kann jedem passieren, dass der Speicher voll ist und man nichts mehr verarbeiten kann“, sagt Robitzsch. Ein grundsätzlich offener Umgang mit dem Thema hilft in jedem Fall bei der Verarbeitung.

Durch den schlimmen Unfall auf der A2 ist Robitzsch auf eine Ungleichbehandlung aufmerksam geworden, die dringend behoben werden muss: „Wenn was passiert, sind die Berufsfeuerwehren viel besser abgesichert als wir Ehrenamtler.“ Die ehrenamtlichen Wehrleute sind zwar über die Feuerwehr-Unfallkasse versichert. Verbeamtete Feuerwehrleute und ihre Familien erhalten bei Invalidität, Berufsunfähigkeit oder Tod aber deutliche höhere Leistungen. „Da müssen wir Ehrenamtlichen so schnell wie möglich gleichgestellt werden“, sagt Robitzsch, der auf Dauer sonst Probleme bei der Nachwuchsgewinnung fürchtet.

Von Ralf Stork

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