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Besucher feiern Theaterpremiere

Don Karlos ganz nah Besucher feiern Theaterpremiere

Das kleine Theater Falkensee griff für seine aktuelle Produktion zu Schillers „Don Karlos“. Es zeigte das historische Stück ganz nah – mit seinen Irrungen und Intrigen, mit Korruption und Machtkampf und mit dem Streben nach Freiheit.

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Der Marquis von Posa (Christoph Birke, links) streitet sich mit König Philipp (Sebastian Maihs) über Toleranz und Freiheit.
 

Quelle: Hans-Peter Theurich

Falkensee.  Das Kleine Theater Falkensee traute sich an schwere Kost – „Don Karlos“ von Friedrich Schiller hatte am Freitag im Kulturhaus „Johannes R. Becher“ Premiere. Vor ausverkauften Reihen bot das semiprofessionelle Ensemble einen eindrucksvollen Abend.

Tragödie im Kulturhaus

Schillers Tragödie dreht sich um die Ereignisse am spanischen Hof im 16. Jahrhundert. Don Karlos, ausdrucksstark gespielt von Phileas Heim, ist untröstlich, er hat die Geliebte an den Vater verloren: „Mir starb eine Braut in der Mutter!“ König Philipp II. von Spanien (Sebastian Maihs, der sich auch um die Dramaturgie kümmerte), heiratete Elisabeth von Valois, dramatisch und glamourös gegeben von Katharina Kusch.

Don Karlos’` Freund, der Marquis von Posa, leidenschaftlich gespielt von Christoph Birke, kommt aus den spanisch besetzten Niederlanden und schlägt dem Prinzen vor, als Schlichter eines Konflikts in den nördlichen Provinzen zu wirken.

Ein Fest im spanischen Sommersitz Aranjuez: Damen in großen Roben lümmeln sich auf halbnackten Jünglingen und füttern sie lasziv mit Leckereien. Danach hat Posa ein heimliches Treffen zwischen Königin und Kronprinz arrangiert. Elisabeth überzeugt Karlos, ein politisches Amt zu übernehmen. Doch König Philipp traut dem Sohn die Arbeit des Statthalters von Flandern nicht zu. Er zieht den korrupten Herzog von Alba (mit schneidiger Eitelkeit: Joseph Birke) vor.

Verwicklungen und Missverständnisse

Verwicklungen um einen Liebesbrief, Missverständnisse auf Seiten des Prinzen ebenso wie bei der Prinzessin von Eboli (beachtlich: Steffi Schieferdecker) führen zu einem dramatischen Dialog. An dessen Ende sinnt die verschmähte Frau auf Rache. Sie bildet mit Domingo, dem Beichtvater des Königs (wunderbar schlangenhaft: Anke Gutendorf), und Herzog von Alba ein unheilvolles Trio. Die Prinzessin von Eboli verrät dem König die Liebe zwischen Elisabeth und Karlos. Der fiese Priester Domingo wird zum Postillion des Teufels, als er Karlos’ Liebesbriefe an Elisabeth stiehlt und dem König zuspielt. Philipp ist untröstlich und gibt sich dem Suff hin – hat er doch ganz klassisch als Ehemann den Betrug als Letzter erfahren. Ein weiterer Höhepunkt des Abends ist der große Dialog zwischen Philipp und Posa mit dessen Ausruf „Geben Sie Gedankenfreiheit!“. Darin gipfelt Schillers idealistisches Drama um Freiheit und Toleranz.

Ungewohnte Sprache

Das Kleine Theater Falkensee wählte „Don Karlos“, denn das Stück ist heute aktuell in Zeiten der Korruption und des Neides. Der zweite Grund war praktischer Natur: „Unsere Damen spielen auch Politiker, da ist das Geschlecht nicht festgelegt“, sagte Brigitte Roemer. Sie gab den Grafen Lerma und kümmert sich um die Pressearbeit der Truppe. Anfangs fremdelten die Schauspieler etwas mit der ungewohnten Sprache Schillers, aber das hatte sich bald gelegt.

Christina Sellenthin spielte die Gräfin Olivarez und entwarf schöne Kostüme in Schwarz, Weiß und Grau. Ein Verweis auf das berühmte spanische Zeremoniell, das jahrhundertelang für steife Etikette an europäischen Höfen sorgte. Sebastian Eggers führte Regie und inszenierte „Don Karlos“ aus dem 18. Jahrhundert als spannende Tragödie. Das Publikum erlebte einen großen Theaterabend und applaudierte begeistert.

Am nächsten Wochenende gibt es weitere Aufführungen.

Von Judith Meisner

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