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Bewährungsstrafe für Beihilfe zu Brandanschlag

Pkw in Nauen angezündet Bewährungsstrafe für Beihilfe zu Brandanschlag

Wegen Beihilfe zur Brandstiftung wurde eine 23-jährige Frau aus Nauen im Havelland zu einer Freiheitsstraße von einem Jahr, ausgesetzt zur Bewährung verurteilt. Sie hatte den Brandbeschleuniger besorgt, mit dem ein inzwischen verurteilter Neonazi im Mai 2015 in Nauen einen polnischen Pkw in Brand gesetzte hatte.

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Der abgebrannte Pkw.

Quelle: Julian Stähle

Nauen. Die Stimmung war aufgeheizt am Abend des 17. Mai 2015 im Karl-Bernau-Ring in Nauen. In mehreren Gruppen standen Anwohner und Fremde auf der Straße. Bis zu 20 Personen sollen es gewesen sein. Über einen Zeitraum von vielen Stunden, wie sich im Nachgang herausstellte. Nach 22 Uhr stand dann ein Auto mit polnischen Kennzeichen in Flammen, brannte komplett aus, ohne dass auch nur einer der Menschen aus den Gruppen etwas unternommen hatte, schilderte der Staatsanwalt am Montag im Nauener Gerichtssaal.

Angeklagt war mit der 23-jährigen Sophie Frank (Name geändert) die junge Frau, die den Spiritus für diese Brandstiftungstat besorgt hat. Das Auto letztlich angezündet hatte der Nauener Dennis W.einer der verurteilten Täter im Prozess gegen NPD-Mann Maik Schneider und seine Helfer wegen der Brandstiftung an der Turnhalle am Nauener Oberstufenzentrum.

Wilde Gerüchte im Internet

Gleich zu Beginn der Verhandlung räumte die Angeklagte ihre Tat ein. Sie habe sich von der allgemein angespannten Situation an dem Abend anstecken lassen und bereue heute, was sie getan hat. „Ich war einfach zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort“, erklärte Sophie Frank. Sie habe zuvor von den Gerüchten gehört, dass das Auto mit dem polnischen Kennzeichen einem Mann gehören soll, der kleine Kinder angesprochen und aufgefordert haben soll, mit ihm zu kommen. Offenbar kursierten in den sozialen Netzwerken die wildesten Nachrichten von einem Kinderschänder, „was sich aber im Laufe der Ermittlungen als völlig haltlos erwies“, so der Staatsanwalt. Es handele sich also um einen Akt von Selbstjustiz.

Kein offensichtlicher Kontakt zu Neonazis

Obwohl die Angeklagte den späteren Täter „nur flüchtig kannte“ ließ sie sich von ihm dazu überreden, „irgendwas Brennbares zu holen“, wie Sophie Frank es ausdrückte. Bereits eine gute Stunde vorher hatte die Angeklagte, wie alle anderen Zaungäste im Karl-Bernau-Ring, beobachtet, wie ein vermummter Mann mit einer Axt die Fensterscheiben des polnischen Autos eingeschlagen hatte. Wie sich inzwischen in einem anderen Verfahren herausstellte, war das der Nauener Maik Schneider.

„Aber weder Maik Schneider noch Dennis W. habe ich näher gekannt. Ich war auch nicht auf irgendwelchen Demos gegen Asylbewerber in Nauen“, erklärte die Angeklagte. Einen Kontakt zur rechten Szene in Nauen konnte ihr nicht nachgewiesen werden.

Sehr wohl klar sei der Angeklagten gewesen, als sie den Spiritus holte, was anschließend damit passieren sollte. „Ihr war bewusst, dass damit nicht der Grill angeworfen wird“, erklärte der Verteidiger. Untermauert wurde das durch eine Aussage von Sophie Frank selbst: „Wir haben noch mit Händen und Füßen einen Russen davon überzeugt, sein Auto, das neben dem polnischen Auto geparkt war, weg zu fahren.“

Das wiederum lasse eine geplante Handlung erkennen, so der Richter. „Gleichzeitig ist damit unzweifelhaft festzustellen, dass es der Angeklagten nicht um eine Tat gegen Ausländer oder Asylbewerber ging“, ergänzte der Staatsanwalt.

Beihilfe zur Brandstiftung

Schließlich folgte das Gericht der Forderung des Staatsanwaltes und verurteilte Sophie Frank wegen Beihilfe zur Brandstiftung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr, ausgesetzt zur Bewährung. Außerdem muss sie 200 gemeinnützige Arbeitsstunden verrichten. Die Bewährungszeit wurde auf drei Jahre festgelegt, wobei der jungen Frau für einen Zeitraum von zwei Jahren eine Bewährungshelferin an die Seite gestellt wird. „Die soll Ihnen helfen, beruflich weiter zu kommen“, sagte der Richter.

Die 23-Jährige, die über einen Realschulabschluss verfügt, ist seit einem Jahr arbeitslos, lebt von Hartz IV. Eine Lehrausbildung zur Sport- und Fitnesskauffrau hatte sie nach einem Jahr abgebrochen. Zwischenzeitlich hielt sie sich mit Aushilfsjobs und Praktika finanziell über Wasser.

Von Jens Wegener

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