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Bewegendes Einheitsfest in Staaken

Ökomenischer Gottesdienst im ehemaligen Todesstreifen Bewegendes Einheitsfest in Staaken

An der Finkenkruger Straße in Staaken verlief früher die Grenze zwischen Ost und West. Dort stand die Kirche Sankt Franziskus von Assisi, die 1987 abgerissen wurde. Auf dem heutigen Wiesengrundstück feierten am 3. Oktober mehrere Gemeinden der Region ein bewegendes Einheitsfest.

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Zwei zusammensteckbare Kreuze sollten die Einheit symbolisieren.

Quelle: Hans-Peter Theurich

Spandau. Zum Gedächtnis an das katholische Gotteshaus Sankt Franziskus gestalteten mehrere havelländische Kirchengemeinden ein bewegendes Fest am Tag der deutschen Einheit. Die Staakener Sankt-Franziskus-Kirche wurde 1987 abgerissen, weil sie auf dem Todesstreifen hinter der Mauer am Finkenkruger Weg stand.

Auf dem heutigen Wiesengrundstück feierten Pfarrer der Kirchen Sankt Markus und Sankt Franziskus von Assisi sowie der Evangelischen Gemeinde zu Staaken einen ökumenischen Gottesdienst. Nach einem Sternmarsch von mehreren Kirchen der Umgebung versammelten sich Gläubige aus Staaken, Falkensee und Dallgow-Döberitz vor einem provisorischen Altar. Sie hatten Erinnerungsstücke mitgebracht, etwa ein altes Ortsschild von Spandau. Pfarrerin Heike Ewerth von der Evangelischen Gemeinde zu Staaken nahm sogar ein doppeltes Holzkreuz der Gemeinde Sankt Franziskus und Sankt Markus in Empfang. Es war zusammensteckbar als Zeichen für die einst getrennte und nun seit 25 Jahren wieder vereinte Gemeinde.

In seiner Predigt wies Pfarrer Bernhard Gewers (Sankt Markus) auf die verschlungene Geschichte dieser katholischen Gemeinde hin. „Auf unserem Gelände war die Nahtstelle der Blöcke, die Europa, Deutschland und Berlin zerschnitten“, sagte er. Helmut Kleebank (SPD), Bürgermeister von Spandau, erinnerte an den britischen Stadtkommandanten Robert J. S. Corbett, der dieser Tage Spandau besucht und seine Zeit in Berlin bis 1990 als intensivste seines Lebens beschrieben habe. An den Gesprächen zum Zwei-plus-Vier-Vertrag war er als Berater beteiligt gewesen.

Eine sehr emotionale Rede hielt Falkensees Bürgermeister Heiko Müller (SPD). Er berichtete, wie er als Zweijähriger mit seiner Familie am 12. August 1961 in Albrechtshof verhaftet wurde und in der DDR bleiben musste. Nach langem Ringen hatte sich die Familie einen Tag vor dem Mauerbau zur Flucht in den Westen entschlossen. „Nur ein paar Stunden haben über mein Leben entschieden“, sagte Müller. „Ich glaube, es gab keine Alternative zur deutschen Einheit.“

Dallgows Bürgermeister Jürgen Hemberger (Freie Wähler) erinnerte an den polnischen Papst Johannes Paul XXIII., der im Oktober 1978 gewählt wurde. Er habe großen Anteil an der demokratischen Bewegung in Polen gehabt und damit zur Auflösung der Blöcke in Ost und West beigetragen. Ein Bläser des Posaunenchors, Lutz Gümbel aus Eichwalde, regte an, Papst Franziskus eine Grußadresse nach Rom zu übermitteln, verbunden mit einer Einladung, damit der Papst sich von der Situation in Staaken überzeugen könne.

An der Finkenkruger Straße verlief früher die Grenze. Auf dem Todesstreifen stand die Kirche Sankt Franziskus von Assisi. Da die Grenze an dieser Stelle schon 1952 geschlossen wurde, konnten die Gemeindemitglieder aus West-Berlin ihre Kirche nicht mehr besuchen. Die Gläubigen aus West-Staaken (DDR) brauchten Passierscheine für den Gottesdienst. Erst 1987 erhielt die West-Gemeinde einen Ersatz am Breddiner Weg.

Von Judith Meisner

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