Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Havelland Bewegte Jahre in Falkensee
Lokales Havelland Bewegte Jahre in Falkensee
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:44 29.02.2016
Ein Familienfoto: Ignatius, Eva-Maria Bachman, Cyprian, Gisela Schröder und Maria (v.l.) mit einem Priester. Quelle: Privat
Falkensee

Ein Eichhörnchen schlüpft durchs Gartentor, Weinranken bedecken die Fassade des urigen Häuschens in der Falkenseer Feuerbachstraße. Nur das Gezwitscher der Vögel durchbricht die vormittägliche Ruhe. Wo früher Konzerte und Gesellschaften stattfanden und im Sommer bis tief in die Nacht die Schreibmaschine auf der großen Terrasse klapperte, stapeln sich heute Bücher auf den eleganten Holzmöbeln und dem großen Flügel. Eine Katze schleicht sich auf leisen Sohlen heran und streicht Gisela Schröder um die Beine. Seit nunmehr 50 Jahren ist die gebürtige Stendalerin in der Gartenstadt Zuhause.

Durch einen Zufall nach Falkensee

Eher durch Zufall landete die studierte Theologin Mitte der 60er Jahre in der Feuerbachstraße. „Während meines Studiums in Berlin lernte ich Eva-Maria Bachmann kennen. Ihren Eltern gehörte das Haus, in dem ich heute noch lebe“, so die 75-Jährige. Bachmann hatte in ihrer Jugend einige Jahre in Russland gelebt und war sowohl mit der russischen Sprache, als auch mit dem russisch-orthodoxem Glauben vertraut, für den sich auch Schröder immer schon interessierte. Man verstand sich auf Anhieb und arbeitete gemeinsam an Übersetzungen theologischer Literatur. „Nach dem Tod von Frau Doktor Bachmanns Mutter kam es für sie nicht in Frage das Haus zu verkaufen. Alleine hätte sie nicht hier leben dürfen, also zog ich kurzerhand ein“, erzählt Schröder, die zu der Zeit in Greifswald an ihrer Doktorarbeit über Buße und Beichte in der orthodoxen Kirche arbeitete. „Ich bin zwischen Greifswald und Falkenseegependelt. Vor allem im Winter war das kein Vergnügen.“

Gisela Schröder in ihrem Zuhause in der Falkenseer Feuerbachstraße. Quelle: Sander

Heimliche Andachten für Querschnittgelähmte

Mit ihrer Affinität zur russisch-orthodoxen Kirche war es für Gisela Schröder in der damaligen DDR nicht immer einfach. Die atheistische Staatsideologie der DDR sah es vor, den Einfluss der Kirchen immer weiter zurückzudrängen. Zwar blieben die Kirchen weitgehend eigenständig, dennoch wurde vom Staat versucht, vor allem junge Menschen kirchlichem Einfluss zu entziehen. „Als Hilfspflegerin habe ich anderthalb Jahre lang heimlich Andachten für die Patienten der Station für Querschnittsgelähmte in Berlin-Buch abgehalten. Das war natürlich etwas knifflig, aber ich wollte es einfach“, so die 75-Jährige. Von 1965 bis zur Wende übersetzte die Theologin für die Stimme der Orthodoxie, ein Journal des Exarchats der russisch-orthodoxen Kirche in Karlshorst. Nach dem Mauerfall forschte Schröder bis 2001 am Ostkircheninstitut in Münster, arbeitete unter anderem in Archiven in Moskau. Bis vor einigen Jahren war die Falkenseerin aktiv in den orthodoxen Gemeinden in Berlin und Potsdam, organisiert noch heute Treffen des Bunds für evangelisch-katholische Einheit. „Und das, obwohl ich nicht einmal Mitglied bin“, lacht die 75-Jährige.

Vier Adoptivkinder wuchsen bei Schröder und Bachmann auf

Gemeinsam mit Eva-Maria Bachmann, die 2006 im Alter von 80 Jahren verstarb, erzog Schröder vier Kinder, die in Falkensee aufwuchsen und zur Schule gingen.„1966 besuchte Frau Doktor Bachmann das Kinderheim in Berlin-Johannisthal. Acht Tage später kam Ignatius, ein sechs Monate alter, farbiger Junge zu uns“, erinnert sich Schröder. Vier Jahre später holten die Falkenseerinnen Cyprian, einen zwei Monate alten Araber und kurze Zeit später Maria zu sich. 1979 komplettierte der kleine Cyrill, dessen Vater aus Guinea stammte, die Familie. „Es war immer etwas los bei uns. Wir haben oft zusammen musiziert – Cyrill hatte das absolute Gehör und konnte bereits mit sechs Jahren eigenständig seine Geige stimmen“, so die 75-Jährige voller Stolz. Mittlerweile haben die Adoptivkinder eigene Familien und leben in Hamburg, Wien und Berlin. „Wir kommen immer gerne zu Familientreffen zusammen“, schwärmt Schröder und präsentiert die vielen Familienfotos.

Und auch im Tierschutz waren die beiden Frauen aktiv. Immer wieder fanden heimatlose Katzen in der Feuerbachstraße Zuflucht. „Manchmal hatten wir bis zu 14 Katzen im Haus, die wir immer wieder weitervermittelt haben.“ Mit der Gründung des Tierschutzvereins Falkensee Osthavelland, als dessen Schriftführerin sich die 75-Jährige noch heute engagiert, sei es weniger geworden. „Manchmal nehme ich noch ein paar Streuner auf, meist schwer vermittelbare. Derzeit leben sechs Katzen hier im Haus“, so Schröder und zeigt auf Schüsselchen und Näpfe am Boden. „Ich denke nicht, dass wir Ungewöhnliches geleistet haben. Es hat sich alles einfach so ergeben, wir waren einfach ein gutes Team“, sagt die Falkenseerin. „Ich bin immer mit Glauben durchs Leben gegangen. Das ist alles.“

Von Laura Sander

Havelland Havelland: Polizeibericht vom 29. Februar - Bus gerät nach Motorschaden in Brand

Der Bus eines Reiseunternehmens aus dem Havelland geriet am frühen Montagmorgen plötzlich in Brand, als er auf der Kreisstraße 6323 durch die Ortslage Parey-Hohennauen fuhr. Nach ersten Erkenntnissen befand sich der Bus auf einer Leerfahrt, als es zu einem Motorschaden kam. Auslaufendes Öl entzündete sich plötzlich.

29.02.2016
Havelland Gedanken eines Pfarrers zum März - Kreuz und quer gedacht in Schönwalde

Kreuze sind im Alltag überall zu sehen. Doch was bedeutet dieses uralte Symbol, älter als das Christentum, eigentlich?

Jetzt, in der Passionszeit, erinnert es wieder an die Hinrichtung von Jesus Christus durch römische Machthaber. Aber eigentlich ist das Kreuz etwas Schönes und ein Bekreuzigen eine gute Geste. Passion – das heißt Leiden und auch Leidenschaft.

29.02.2016
Havelland Junger Mann mit Liebe zur Geschichte - Kai Fritz ist Ortschronist in Brädikow

Pure Leidenschaft entwickelt der junge Mann für das Historische. Kai Fritz ist Ortschronist von Brädikow. Er wälzt historische Aufzeichnungen, geht in Archive und spricht mit den älteren Einwohnern im Dorf. Er möchte wissen, wie einst das Leben war in Brädikow, wovon die Menschen lebten , wie sich das Dorf in seiner Jahrhunderte währender Geschichte entwickelte

29.02.2016