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Bismarcks Laufbahn begann 1849 in Rathenow

Stadtjubiläum Bismarcks Laufbahn begann 1849 in Rathenow

Die politische Laufbahn Otto von Bismarcks, der als Vater des deutschen Nationalstaats in die Geschichte einging, begann einst in Rathenow. Im Juli 1849, damals Deichhauptmann in seinem Geburtsort Schönhausen, ist er erstmals in den Preußischen Landtag gewählt worden. Entscheidend waren damals die Stimmen der Rathenower Wahlmänner.

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Otto von Bismarck auf einer historischen Aufnahme.

Quelle: dpa

Rathenow. In der Vortragsreihe „8 aus 800“, die den 800-Jahr-Feierlichkeiten Rathenows gewidmet ist, hat vor wenigen Tagen Jürgen Angelow von der Universität Potsdam einen Vortrag über Otto von Bismarck gehalten. Der „Eiserne Kanzler“ ist Ehrenbürger der Stadt und seine politische Karriere sollte einst ihren Ausgangspunkt in Rathenow gehabt haben. Jürgen Angelow hat dazu keine Aussagen gemacht. Die Rathenowerin Eva Lehmann hat aber Material über Bismarck und Rathenow gesammelt und es dieser Zeitung zur Verfügung gestellt.

In seinen „Blättern für Heimatkunde“ aus dem Jahr 1908 hat der Historiker Walther Specht Bismarcks Beziehungen zu Rathenow ein Kapitel gewidmet. In der Tat ist dort zu lesen, dass Otto von Bismarck, damals Deichgraf in seinem Geburtsort Schönhausen, es „vor allen den Rathenowern zu danken“ hatte, dass er am 28. Juli 1849 für den Wahlbezirk Westhavelland in den Preußischen Landtag gewählt worden ist. Das genaue Stimmenverhältnis ist nicht überliefert, Walther Specht schreibt von „geringer Majorität“. Einen großen Vorsprung hatte Bismarck also nicht. Das ist insofern beachtlich, weil er es noch bei der Landtagswahl am 5. Februar 1849 nicht geschafft hatte. Von den 22 Rathenower Wahlmännern hatten noch 21 gegen ihn gestimmt.

Nach einer Wahlkampfrede in Rathenow mit Steinen beworfen

Walther Specht zitiert dazu aus einer damaligen Bismarck-Monografie von Ed Heyck. „Die Stadt Rathenow hat vielleicht das Verdienst, dass er damals nicht von der politischen Bildfläche wieder verschwunden ist, jedenfalls den Ruhm, ihn in den Sattel des neuen konstitutionellen Preußen gesetzt zu haben.“

Zumindest einige Rathenower hatten Otto von Bismarck damals gar nicht gemocht. Walther Specht berichtet, dass sich „neugierige und böswillige Volkshaufen“ damals vor dem Rathenower Wirtshaus Nose versammelt hatten, in dem Otto von Bismarck eine Wahlkampfrede hielt. Als er später nach draußen getreten sei, um eine Kutsche zu besteigen, habe „der Zudrang und das Lärmen“ noch zugenommen. Mehrere Steine seien über seinen Kopf hinweg geflogen. Einer sei in den Wagen hinein geflogen und habe ihn am linken Arm verwundet. „Im ersten Schmerz und voll Unwillens hob Bismarck den Stein auf“, schreibt Walther Specht, „...und schleuderte das demokratische Geschoss verächtlich unter die Menge zurück.“

Am 30. Mai 1871 herzliche Begrüßung auf dem Rathenower Bahnhof

Das Verdeck das Wagens soll damals von Steinen vollständig durchlöchert gewesen sein. Gelegentlich eines Besuchs von Rathenower Herren in Schönhausen soll Bismarck im Jahr 1890 gesagt haben: „Ich meine die Schmerzen noch jetzt öfter hier am Knochen zu spüren.“ Er zeigte dabei auf seinen linken Oberarm.

Nach der Reichsgründung im Januar 1871 sah die Stimmung in Rathenow aber schon ganz anders aus. „30. Mai 1871 ... hatte die Einwohnerschaft von Rathenow die große Freude, Seine Durchlaucht den Fürsten Bismarck bei Gelegenheit seiner Durchreise von Schönhausen nach Berlin auf dem hiesigen Bahnhofe begrüßen zu können“, zitiert Walther Specht aus dem Kreisblatt für das Westhavelland. Der Bahnhof hatte sich mit einer zahlreichen Menge „aus allen Ständen“ gefüllt. Die Schützengilde nahm Aufstellung. Landrat Graf von Bredow, Bürgermeister Große, die Mitglieder des Magistrats und der Stadtverordnetenvorsteher hatten sich eingefunden. Der Zug, der gegen 15.30 Uhr eintraf, wurde mit Willkommensrufen begrüßt. Der Landrat begrüßte den Kanzler und hielt eine Ehrenrede. „Seine Durchlaucht“ betrat dann den Bahnsteig und bekam in einem Pokal einen Trunk gereicht. Er habe daran erinnert, „wie er einst hier im Westhavellande den Anfang seiner politischen Tätigkeit gemacht“ hatte. Nach einer Viertelstunde setzte er die Reise fort.

Otto von Bismarck, 1815 bis 1898

Geboren wurde Otto von Bismarck am 1. April 1815 in Schönhausen an der Elbe.

Gestorben ist er am 30. Juli 1998 in Friedrichsruh bei Hamburg.

Höhepunkt seiner politischen Laufbahn war am 18. Januar 1871 die „Kaiserproklamation“ im Spiegelsaal von Versailles, die auch die Gründung des Deutschen Kaiserreichs markiert.

Als Kanzler bestimmte er die Politik des neuen Reiches, im Volksmund wurde er auch „Eiserner Kanzler“ genannt.

Als Kanzler entlassen wurde Otto von Bismarck 1890 nach Meinungsverschiedenheiten mit dem Kaiser Wilhelm II.

Erstmals in den Preußischen Landtag gewählt wurde Bismarck im Juli 1849.

Entscheidend waren dabei die Stimmen der Rathenower Wahlmänner.

Mit einer Urkunde vom 15. Juni 1875 ist Otto von Bismarck zum Ehrenbürger der Stadt Rathenow ernannt worden. Das Datum hatten die Stadtväter bewusst gewählt. 100 Jahre zuvor hatte der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm die Stadt von der Besetzung durch schwedische Truppen befreit. Auch im Ehrenbürgerbrief, der aus heutiger Sicht sehr schwülstig formuliert worden ist, nimmt die Stadt Rathenow darauf Bezug, dass Bismarck dort „die Pforten zu Seiner glorreichen Laufbahn und Seiner segensreichen Tätigkeit eröffnet wurden“. Weil der Kanzler in jenen Tagen zur Kur war, konnte er das Dokument nicht entgegennehmen. Eine „Deputation“ aus Rathenow überreichte es ihm am 11. Dezember in Berlin.

Wie Eva Lehmann berichtet, bekam Otto von Bismarck zu seinem 70. Geburtstag 1885 vom Rathenower Magistrat zwei edel geprägte Ledersessel für sich und seine Frau geschenkt. Beide Sessel könnten noch heute in Schönhausen angeschaut werden. Nach dem Tod Bismarcks begann 1898 in Rathenow eine Spendensammlung, um ein Denkmal für ihn bauen zu können. Am 24. Juni 1914 wurde dann der Bismarckturm auf dem Weinberg eingeweiht. Mitten im Turm stand damals eine metallene Bismarck-Skulptur. Diese ist im Zweiten Weltkrieg für militärische Zwecke eingeschmolzen worden.

Von Bernd Geske

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