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„Blaue Stunde“ in der Marien-Andreas-Kirche

Rathenow „Blaue Stunde“ in der Marien-Andreas-Kirche

Eine literarische Veranstaltung organisiert erstmals der Förderkreis zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow. Unter dem Titel „Die blaue Stunde“ lesen vier Vereinsmitglieder am 24. Juli ab 16 Uhr aus dem vierbändigen Roman „Joseph und seine Brüder“ von Thomas Mann. Anschließend diskutieren sie darüber.

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Peter Kurth wird einer der vier Akteure der „Blauen Stunde“ in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche sein.

Quelle: Bernd Geske

Rathenow. Der Förderkreis zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow plant eine literarische Veranstaltung unter dem Titel „Die blaue Stunde“. Am Sonntag, dem 24. Juli, soll es ab 16 Uhr im Chorraum der Kirche eine Lesung der Romantetralogie „Joseph und seine Brüder“ von Thomas Mann geben, die mit einer Diskussion verbunden wird. Jeweils eines von vier Mitgliedern des Förderkreises liest eine markante Passage aus einem Teil des vier Bände umfassenden Werkes und stellt den jeweiligen Teil in kurzen Ausführungen vor. Das sind in dieser Reihenfolge Wiltrud Weber, Peter Kurth, Heinz-Walter Knackmuß und Rainer Lehmann. Es soll von Anfang an auch darum gehen, die Inhalte zu diskutieren.

Wie Heinz-Walter Knackmuß, der Vorsitzende des Förderkreises, bestätigt, ist es das erste Mal, dass der Verein eine Veranstaltung dieser Art organisiert. Das sei ein weiterer Beitrag zu den 800-Jahr-Feierlichkeiten der Stadt Rathenow, erklärt er, die Romantetralogie passe sehr gut zur Kirche, weil es sich um ein biblisches Thema handele. Es sei geplant, dass jeder der vier Akteure etwa eine Viertelstunde Zeit bekommt, um „seinen“ Band vorzustellen.

Die Veranstaltung ist öffentlich. Alle Interessierten können kommen, um zuhören. Heinz-Walter Knackmuß hat aber darauf hingewiesen, dass die Diskussion allein den vier Lesenden vorbehalten bleiben soll. Es wird kein Eintritt verlangt und es soll auch nicht – wie sonst bei ähnlichen Veranstaltungen üblich – am Ende um eine Spende gebeten werden. Natürlich gebe es in der Kirche wie immer eine Gelegenheit zur Spende, betont Heinz-Walter Knackmuß, aber um Geld und Einnahmen für Kirche oder Förderkreis solle es diesmal überhaupt nicht gehen. Es werde eine Kamera mitlaufen, um die Gesprächsrunde aufzuzeichnen und den Film anschließend auf der Seite des Förderkreises ins Internet zu stellen.

Thomas Mann gehört zu den größten Schriftstellern Deutschlands und hat 1929 den Nobelpreis für Literatur erhalten, erinnert Heinz-Walter Knackmuß. Die Tetralogie „Joseph und seine Brüder“ sei dessen umfangreichster Roman und sein Hauptwerk. Es basiere auf einer der schönsten Geschichten der Bibel. Thomas Mann soll auf einer Reise durch Palästina 1926 die Idee zu dem Roman gekommen sein. Er habe die vier Teile in den Jahren von 1926 bis 1943 geschrieben. Das bedeute, in der Zeit der Verfolgung und Ermordung der Juden in Deutschland und vielen Teilen Europas habe er sich mit der Geschichte des jüdischen Volkes befasst.

Dass es durchaus um kritische Auseinandersetzung mit Stoff und Schriftsteller gehen soll, wird erkennbar, wenn Heinz-Walter Knackmuß sagt: „Thomas Mann benutzt natürlich sein schriftstellerisches Talent und korrigiert die Bibelschreiber an manchen Stellen, weil er meint, man müsse das ins rechte Licht rücken.“Jahrhundertelang sei eine völlig falsche Interpretation erfolgt, die er nun berichtigen müsse – und seine Auffassung nachvollziehbar begründe. Die Veranstaltung am 24. Juli solle den Zuhörern Lust machen, selbst den Roman in die Hand zu nehmen und sich von der schönen Sprache Thomas Manns in eine andere Welt mitnehmen zu lassen.

Ob aus der einen „Blauen Stunde“ eine ganze Reihe wird, das steht gegenwärtig noch nicht fest. Der Förderkreis will sehen, wie die erste Lesung verläuft und dann über alles Weitere entscheiden.

Von Bernd Geske

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