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Blick hinter die Kulissen beim Denkmaltag

Havelland Blick hinter die Kulissen beim Denkmaltag

Zum Tag des offenen Denkmals waren im Havelland historische Bauten, Denkmale, Parks und archäologische Stätten zu besichtigen, die sonst nicht oder nur teilweise zugänglich sind. Groß war der Andrang im Funkamt Nauen. In Elstal wurden erstmals Teile der Ortschronik präsentiert. Und in Wansdorf zeigte der Förderverein einen ganz besonderen Schatz.

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Fachwerkführung mit Dietmar Schramm (weiß) in Nauen.

Quelle: Philip Häfner

Havelland. Die ersten Neugierigen kamen um kurz vor halb zehn, eine halbe Stunde vor der offiziellen Eröffnung. Eine Viertelstunde später standen dann schon zwei Dutzend Autos vor dem Tor zum Funkamt Nauen, doch dieses blieb weiterhin fest verschlossen. „Dieses Jahr machen sie es aber spannend“, rief ein Mann, und ein anderer meinte mit Blick auf die Überwachungskameras: „Wahrscheinlich haben sie die Massen an Menschen gesehen und es sich doch anders überlegt.“

Anstehen als Ereignis: Das kennt man sonst nur aus Berlin. Zum Tag des offenen Denkmals war dieses Phänomen am Sonntag aber auch am Funkamt Nauen zu erleben. Das Gebäude wird nach wie vor gewerblich genutzt, nur einmal im Jahr haben Interessierte daher die Gelegenheit einen Blick in den prächtigen Muthesius-Bau zu werfen. Entsprechend groß war der Andrang: Aus ganz Brandenburg waren die Besucher angereist, einige sogar aus Hannover und Köln. Wolfgang Johl von den Nauener Heimatfreunden führte durch das Haus und hatte sich dafür extra fein gemacht – mit Schlips, Kragen und Melone. „So hat man früher dort gearbeitet“, sagte er.

Das Funkamt gleiche einer Kathedrale, so Johl; es sollte beeindrucken, auch die zahlreichen Staatsgäste, die regelmäßig vorbeischauten. 1906 zum Funkenkongress schmuggelte sich aber auch ein Schuhmacher aus Berlin auf das Gelände, der wenig später die preußische Obrigkeit als „Hauptmann von Köpenick“ verkleidet noch ein weiteres Mal zum Narren halten sollte: Wilhelm Voigt. „Einerseits sind wir ganz froh, dass er das Nauener Rathaus verschont hat“, sagte Wolfgang Johl. „Aber andererseits ist es auch irgendwie schade. Ich hätte Ihnen gerne mehr darüber erzählt.“

Den Tag des offenen Denkmals gibt es seit 1993. Ziel ist es, die Öffentlichkeit für die Bedeutung des kulturellen Erbes zu sensibilisieren und Interesse für die Belange der Denkmalpflege zu wecken. Bundesweit beteiligen sich mittlerweile über 7700 historische Bauten, Denkmale, Parks und archäologische Stätten, die sonst nicht oder nur teilweise zugänglich sind – im Havelland waren es knapp zwei Dutzend. An vielen Orten gab es Musik, Ausstellungen oder Lesungen, so auch in Elstal, wo am Sonntag erstmals Teile der neuen Ortschronik präsentiert wurden.

In Wansdorf enthüllte der Förderverein am späten Nachmittag die restaurierte Ostwand der Dorfkirche. Gegenüber im Schloss führte Eigentümer Daniel Claus durch die Gemächer. „Wundern Sie sich nicht über das Mobiliar, hier wird gerade ein Film gedreht“, sagte er. Für den Kinderfilm „Hanni und Nanni“ ist das Schloss Wansdorf einer der Drehorte. In der Vergangenheit war dort bereits eine Folge des „Polizeiruf 110“ entstanden.

Daniel Claus hatte das Schloss 2009 vom Land Berlin erworben, seitdem ist er regelmäßig beim Tag des offenen Denkmals dabei. Nur im vergangenen Jahr musste er aussetzen, weil gerade die Decke saniert wurde. Die meisten Ausbesserungsarbeiten übernimmt Claus selbst. „Die Restaurierung ist ein Hobby von mir“, sagte er. „Andere haben eine Modelleisenbahn.“ Dabei hatte der Berliner noch Glück, weil sich das Gebäude in relativ gutem Zustand befand. „Den meisten Schaden hat eigentlich der Leerstand von 2000 bis 2009 angerichtet“, berichtete er. In jener Zeit brach im Keller ein Feuer aus, dabei wurde die historische Küche zerstört.

Irgendwann möchte Claus ganz in das Schloss umziehen. „Wahrscheinlich bin ich bis dahin schon alt“, sagte er. Eine Besucherin wurde hellhörig, sie hatte offenbar Gefallen am alten Schloss gefunden: „Wenn Sie eine Senioren-WG eröffnen wollen, sagen Sie bitte Bescheid.“

In ein paar Jahren wollen auch Dietmar Schramm, seine Lebensgefährtin Martina Dube und deren Sohn Gabriel in das alte Fachwerkhaus in der Holzmarktstraße 6 in Nauen einziehen, das sie kürzlich erworben haben. Das Gebäude in der Altstadt sollte eigentlich abgerissen werden, doch auf die dringende Bitte von Yvonne Prochnow vom Stadtkontor kauften Schramm und Dube das Haus, um es zu sanieren. „Erst wollten wir nicht, weil wir in der Goethestraße gerade schon ein anderes Haus restaurieren“, erzählte sie, „aber dann sah es so hübsch aus.“ Vor allem der kleine Innenhof hatte es ihnen angetan.

Der schlechte Zustand schreckte Martina Dube und Dietmar Schramm nicht ab. „Unten war alles weggefault“, erinnert sie sich. „Das Haus hing eigentlich nur noch am Giebel.“ Doch sie ließen sich nicht abschrecken und machten sich an die Arbeit. In vier Jahren wollen sie fertig sein. Die Besucher des Denkmaltags staunten nicht schlecht, wie viel Aufwand in einem solchen Gebäude steckt. Und sie hatten erste Ideen, was man mit dem Innenhof machen könnte. Eine Frau meinte: „Ich könnte mir gut vorstellen, hier abends bei einem Gläschen Wein zu sitzen.“

Von Philip Häfner

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