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Blinde fertigen eigenhändig Teekannen

Rathenow/Rheinsberg Blinde fertigen eigenhändig Teekannen

In einem mehrtägigen Kurs der Keramik Manufaktur Dornbusch in Rheinsberg haben 26 Mitglieder der Bezirksgruppe Westhavelland des Blinden- und Sehbehindertenverbandes sich unter Anleitung eigenhändig Teekannen hergestellt. Sie haben den Ton in Formen gegossen, die Kanten geglättet und die Kannen auch selbst bemalt.

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Die Sehbehinderten sind bei der Arbeit einfühlsam vom Personal der Werkstatt angeleitet worden.
 

Quelle: Hans-Jürgen Naundorf

Rathenow.  Die Stadt Rheinsberg hat das ganze Pfingstwochenende über unter dem Motto „Guten Morgen Keramik“ das seit Jahrhunderten dort beheimatete Kunsthandwerk gefeiert. Unter den vielen Erzeugnissen, die aus diesem Anlass dort für die Besucher ausgestellt wurden, sind auch 41 besondere Teekannen gewesen. Sie sind hergestellt worden von Mitgliedern der Bezirksgruppe Rathenow/Westhavelland des Blinden- und Sehbehindertenverbandes. 26 Sehbehinderte oder Begleitpersonen dieser Gruppe hatten im April in Rheinsberg an einem mehrtägigen Kurs der Keramik Manufaktur Dornbusch teilgenommen und dort unter Anleitung eigenhändig Teekannen hergestellt.

„Das war ein tolles Erlebnis“, sagt Marcell Feldmann, stellvertretender Vorsitzender der Bezirksgruppe. „Einige unserer Mitglieder waren am Anfang skeptisch, ob sie das schaffen würden. Aber die Beschäftigten der Manufaktur haben uns die Arbeitsschritte so bildhaft erklärt und einigen Teilnehmern manchmal sogar die Hand geführt, so dass die Teekannen am Ende wirklich sehr schön geworden sind.“ Die Reisegruppe hatte von Mittwoch bis Sonnabend die Stadt Rheinsberg besucht und sich auch ein kleines Rahmenprogramm gegönnt. Hauptattraktion war aber der Keramikkurs am Donnerstag und Freitag in der Werkstatt. Am Sonnabend fand das Auswertungsgespräch statt.

Einige der Teekannen, die Mitglieder der Bezirksgruppe Westhavelland hergestellt haben

Einige der Teekannen, die Mitglieder der Bezirksgruppe Westhavelland hergestellt haben.

Quelle: Hans-Jürgen Naundorf

Wie Christina Naundorf von der Manufaktur berichtet, hat die Firma erstmals einen Kurs für Sehbehinderte organisiert. Die gesamte Belegschaft habe dabei mitgeholfen. Gearbeitet worden sei von 8 bis 16 Uhr. Um die Teilnehmer aber nicht zu überlasten, seien sie in kleinere Gruppen eingeteilt worden, die auch entsprechende Pausen einlegen konnten. Grundsätzlich sollten alle Blinden und Sehbehinderten unter Anleitung alle Arbeitsgänge selbst erledigen, die da wären: Eingießen des flüssigen Tons in Gipsformen für Kanne und Deckel, Aufstellen der Formen zum Trocknen, Herausnehmen von Kanne und Deckel aus der Form sowie Verputzen und Verschwämmen der Keramikteile. Der für viele wohl schwierigste Arbeitsgang war dabei das individuelle Bemalen der Teekannen, wobei sich einige Blinde von den Fachkräften der Manufaktur die Hand führen lassen mussten.

Die Manufaktur will ein solches Angebot weiterhin unterbreiten

Das abschließende Glasieren und Brennen der Erzeugnisse haben die Angestellten der Firma dann allein erledigt, als die Gruppe wieder abgereist war. Auf den Boden jeder Kanne war gleich zu Beginn eine Zahl geschrieben worden, damit sie immer wieder genau zugeordnet werden konnten. „Wir wussten ja am Anfang nicht, wie die sehbehinderten Teilnehmerinnen und Teilnehmer reagieren“, blickt Christina Naundorf zurück. „Wir haben aber schnell festgestellt, dass sie alle sehr interessiert gewesen sind. Die Kannen sind richtig schön geworden.“ Die ganze Atmosphäre habe die Beschäftigten der Manufaktur emotional sehr berührt. Es sei entschieden worden, das Angebot fortzuführen.

Wie kommt ein Handwerksbetrieb darauf, einen Kurs für Blinde anzubieten in einem Fach, wo das Sehen eine nicht unerhebliche Rolle spielt? Weil Marcell Feldmann von der Rathenower Bezirksgruppe das angeregt hat. Er kenne das Hotel „Haus Rheinsberg“ schon länger, erklärt er, weil es ein barrierefreies Hotel sei. Bei einem früheren Aufenthalt dort habe er den Chef der Keramik Manufaktur, Hans-Jürgen Naundorf, gefragt, ob er sich vorstellen könne, einmal einen Kurs für Blinde und Sehbehinderte zu veranstalten. Nach einigen Erklärungen, was bei einem solchen Teilnehmerkreis zu beachten wäre, habe dieser sich dazu bereit erklärt. Den 6. Juni, als deutschlandweiten Tag der Sehbehinderten, haben die Mitglieder der Bezirksgruppe nun genutzt, um ihre fertigen Teekannen mit einer gemeinsamen Gruppenfahrt aus Rheinsberg abzuholen. Selbstverständlich sind diese alle so hergestellt worden, dass ab sofort täglich aus ihnen getrunken werden kann.

Von Bernd Geske

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