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Blinde orientieren auf Fernseher mit Sprachhilfe

Rathenow Blinde orientieren auf Fernseher mit Sprachhilfe

Der Blinden- und Sehbehindertenverband hat sich zum Tag der Sehbehinderten am 6. Juni an die Öffentlichkeit gewandt. Dass es Fernseher mit Sprachunterstützung gibt, die Sehbehinderten die Benutzung der Geräte erheblich erleichtern, ist den Verkäufern im Fachhandel viel zu wenig bekannt. Auch der blinde Heinz Bräsecke aus Rathenow hat die Erfahrungen gemacht.

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Der blinde Heinz Bräsecke mit seiner Frau Margot am neuen Fernseher, der eine Sprachausgabe hat.

Quelle: Bernd Geske

Rathenow. Der Rathenower Heinz Bräsecke (77 Jahre) von der Regionalgruppe Westhavelland des Blinden- und Sehbehindertenverbandes hat die Probe aufs Exempel gemacht. Selbst zu 100 Prozent erblindet, war er in zwei Rathenower Heimelektronikgeschäften und fragte nach, ob es dort Fernsehgeräte mit Sprachunterstützung gibt. „Mir wurde erklärt“, berichtet er, „dass es solche Geräte geben solle, in diesem Geschäft aber keine vorhanden seien.“ Ein Irrtum der Verkäufer, wie sich einige Zeit später herausstellen sollte.

Fernseher mit Sprachunterstützung sind besonders gut geeignet für blinde und sehbehinderte Menschen. Beim Zappen durch die Kanäle sagen sie die Sender an, welcher Beitrag gerade läuft und wie lange der dauert. Wird die Lautstärke verändert, teilt das Gerät die angewählten Stufen mit. Das wohl wichtigste Element solcher Fernseher ist die Audiodeskription. Sehbehinderte Menschen können bei Filmen die Handlungen gut verfolgen, wenn die Schauspieler reden. Allerdings gibt es bekanntermaßen bei Filmen immer wieder auch Szenen, in denen die Akteure nichts sagen, mit ihrem Minenspiel arbeiten oder sich nur bedeutsam bewegen. Damit Blinde auch an diesen Passagen teilhaben können, ist die Audiodeskription erfunden worden. Aus dem Off erklärt eine Stimme, was in den sprachlosen Phasen passiert, wie die Örtlichkeit aussieht und ähnliche Dinge.

Blindenverband hat Fachhandel zu einer Service-Offensive aufgefordert

Zum 6. Juni, dem Tag der Sehbehinderten, hat der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) in einer bundesweiten Aktion den Fernsehfachhandel zu einer Service-Offensive aufgefordert. „Leider werden sehbehinderte Menschen bei der Entwicklung von Haushalts- und Unterhaltungselektronik, insbesondere im Hinblick der Bedienbarkeit, immer wieder übersehen“, teilt der DBSV mit. Viele Fernseher seien deshalb nicht barrierefrei bedienbar. Sehbehinderte Menschen benötigten oft Unterstützung bei der Einstellung der Geräte und kompetente Beratung beim Kauf eines Apparates. Die Erfahrung des Verbandes habe gezeigt, dass es bei den Verkäufern in dieser Hinsicht hapert.

Eben das hat sich für Heinz Bräsecke jetzt auch bestätigt. Weil er in Rathenow nur ablehnende Auskünfte bekam, bat er seinen Sohn um Hilfe, der in Hof an der Saale wohnt. Der machte sich kundig im Internet und stellte fest, dass die Firma Panasonic seit 2013 Fernseher mit Sprachunterstützung produziert und dass es derzeit davon 14 verschiedene Geräte gibt. Nachdem der Sohn in Hof in einem Geschäft eine abschlägige Antwort bekommen hatte, stellte er dort bei eigenen Versuchen mit ausgestellten Apparaten fest, dass einer die gewünschte Sprachunterstützung besaß. In der Bedienungsanleitung habe es keinen Hinweis darauf gegeben. In zwei Rathenower Fachgeschäften machten Vater und Sohn Bräsecke etwas später vergleichbare Feststellungen.

Hinweis aus Audiodeskription

Tag der Sehbehinderten ist jedes Jahr am 6. Juni.

Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) macht an diesem Tag auf die Situation und Probleme von Sehbehinderten aufmerksam.

Auf Audiodeskription weist der DBSV in diesem Jahr besonders hin.

Bei diesem Verfahren wird durch gesprochene Erklärungen kurz mitgeteilt, was bei Fernsehsendungen geschieht.

„Es ist wichtig, die Öffentlichkeit auf die Fernsehgeräte mit Sprachhilfe aufmerksam zu machen“, fordert Heinz Bräsecke. „Sie lassen sich nicht nur von Blinden und Sehbehinderten gut bedienen, sondern auch von anderen Personen, die mit der Bedienung von Fernsehern Probleme haben.“ Sein Sohn habe ihn nun mit dem gewünschten Gerät versorgt, teilt er mit. Es würden alle Funktionen angesagt und er könne sich gut im Menü orientieren. Auf den Tasten der Fernbedienung gebe es viele Punkte, an denen er sich mit dem Tastsinn gut zurechtfinden könne.

Der Fernseher bleibe in der Regel für sehbehinderte Menschen das wichtigste Informationsmedium, teilt der DBSV mit. Wie Heinz Bräsecke erklärt, ist die Vielfalt der Angebote mit dem Radio überhaupt nicht zu vergleichen. Die öffentlichen-rechtlichen Sender, ihre Ableger und die dritten Programme bieten in großem Umfang zu vielen Beiträgen die Audiodeskription an. Auch deren Mediatheken seien reichlich damit ausgestattet. Er könne sogar selbstständig auf externen Festplatten Aufnahmen programmieren und die gespeicherten Sendungen abspielen lassen. „Das hört sich alles kompliziert an“, findet Heinz Bräsecke, „aber das ist es gar nicht.“

Von Bernd Geske

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