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Blitz-Marathon zeigt Wirkung

30 Havelländer bis zum Nachmittag zu schnell Blitz-Marathon zeigt Wirkung

Die Autofahrer sind langsamer gefahren als sonst: In Nauen, in Dallgow, in Falkensee, auch in Wansdorf und Pausin haben sie sich am Donnerstag zusammengerissen. Dennoch: In Nauen fuhr einer mit 80 Stundenkilometern durch die Stadt, andere mussten 15 Euro zahlen, weil sie zu schnell unterwegs waren.

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Polizei-Obermeister Volker Daebel hat am Donnerstag kurz vor dem Havelpark in Dallgow sein Blitzgerät aufgebaut.

Quelle: Konrad Radon

Havelland. Sie hatten wohl alle die Ankündigung des großen Blitzermarathons gelesen oder davon gehört. Die Medien hatten ausgiebig darauf hingewiesen: mehr als 500 Polizisten mit 400 Blitzgeräten waren in ganz Brandenburg im Einsatz, von morgens bis abends, immer an anderen Standorten. Natürlich haben sich trotzdem einige erwischen lassen, im Havelland wurden von der Polizei bis Donnerstagnachmittag etwa 30 Geschwindigkeitsüberschreitungen gemeldet. In Nauen raste jemand mit 80 durch die Stadt. Bei der ersten Zwischenbilanz um 16 Uhr hielt er damit den Landkreis-Rekord.

Hinter den meisten Blitz- und Lasergeräten, die an den Straßenrändern des Havellandes aufgebaut waren, standen Polizisten. Aber nicht hinter allen. Das Auto etwa, aus dem heraus der Verkehr in Pausin und Wansdorf überwacht wurde, gehört dem Verkehrsamt des Landkreises. Der Kreis hatte sich an der Aktion beteiligt und seinen Wagen in Abstimmung mit der Polizei in die Schönwalder Ortsteile abkommandiert, inklusive Bestückung: ein nagelneues Blitzgerät, ein Laptop, Ventilatoren, um die Scheiben frei zu pusten und zwei Blitzprofis, deren Job es ist, das alles zu bedienen. Der Vorteil der beiden Männer, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen wollen: Anders als Polizisten mit Laserpistolen konnten sie ihre Fotomaschine am Straßenrand aufbauen und alleine arbeiten lassen. Den einsetzenden Nieselregen betrachteten sie vom Inneren ihres geheizten Wagens aus, genau wie die Fotos, die von der Maschine direkt zum Laptop gesendet wurden.

Der Apparat hatte aber wenig zu tun. Sieben Autofahrer wurden in aller Frühe in Wansdorf erwischt, alle waren ein paar Stundenkilometer drüber, nur Verwarnungen, nichts Dramatisches. In Pausin etwas später das gleiche Bild: fünf Mann zu schnell innerhalb von zwei Stunden. Hier mal einer mit 59, hier mal einer mit 66. Macht jeweils 15 Euro für den Landkreis, zahlbar innerhalb von ein paar Wochen. Aber darum gehe es nicht, heißt es.

Der Blitz-Marathon hat einen mächtigen Behördenapparat beschäftigt, und zwar möglichst öffentlichkeitswirksam. Jedes verfügbare Messgerät der Polizei sollte eingesetzt werden, und der Plan wurde auch durchgezogen, trotz der schlechten Witterung. "Unsere Geräte sind zwar empfindlich, aber ein bisschen Niesel vertragen sie ‒ und bei den Beamten ist das genauso", sagte Polizeisprecher Mario Heinemann. Viele kommunale Ordnungsämter waren eingebunden und ließen ihre Mitarbeiter auch an den vorher bekannt gemachten Stellen auf Autofahrer lauern, die verträumt ihr Gaspedal zu weit durchtraten, oder die von der groß angelegten Aktion nichts mitbekommen hatten. Das sei aber eigentlich unmöglich, sagt einer der Männer vom Landkreis. "Wir haben im Auto sogar Klassikradio eingestellt, weil wir die Warnungen nicht mehr hören konnten, und selbst da haben sie jede Viertelstunde auf die Blitzer hingewiesen." Er finde es gut, sagt er. "Weil die Autofahrer mal wieder ein Gefühl dafür bekommen, wie schnell man eigentlich fahren darf."

Das haben die Verkehrsteilnehmer im Havelland offenbar auch verstanden. "Die Autos sind grundsätzlich langsamer unterwegs", sagt Mario Heinemann. Die Abschlussbilanz wird allerdings erst heute veröffentlicht. Darin sind dann auch die Zahlen von der B5 enthalten, die gestern Nachmittag noch nicht erfasst waren.

Kommentar: Transparente Offensive

Behörden wird oft mangelnde Transparenz vorgeworfen. Den gestrigen Blitz-Marathon hätte die Polizei allerdings kaum transparenter machen können. Alle Standorte waren bekannt, überall wurde vor den Blitzern gewarnt – eine gute Herangehensweise. Die Organisatoren sind so über den Abzockevorwurf erhaben, die Autofahrer sind zurückhaltend gefahren. Das hat die Straßen für einen Tag sicherer gemacht. Bei einigen dürfte die Erfahrung der Langsamkeit sogar noch einige Tage nachwirken. Dass sich notorische Raser durch solche Aktion umerziehen lassen, darf freilich niemand erwarten. Das glaubt auch die Polizei nicht.

Von Oliver Fischer

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Der Blitzmarathon war in Brandenburg nach Angaben der Polizei ein voller Erfolg. Die Autofahrer waren deutlich langsamer unterwegs als sonst. Rund 575 Polizisten kontrollierten an mehr als 400 Messstellen den Verkehr. Die meisten Raser wurden im Westen des Landes ertappt.

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