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Brädikow: Ein Dorf zum Wohlfühlen

Schöne Grüße aus Brädikow Brädikow: Ein Dorf zum Wohlfühlen

Frank Donner ist eng mit der Geschichte von Brädikow verbunden. Er ist Ortsvorsteher und auch ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Wiesenaue, zu der Brädikow gehört. Schon Donners Großvater Wilhelm war nach 1945 Großvater in Brädikow. Ein Dorfporträt in der MAZ-Serie „Schöne Grüße aus...“

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Brädikow ist ein Ortsteil der Gemeinde Wiesenaue.

Brädikow. Der Apfel fällt einem alten Sprichwort zufolge nicht weit vom Stamm. Sein Opa Wilhelm war nach 1945 Bürgermeister in Brädikow. Nun schwingt der Enkel das kommunalpolitische Zepter in dem Dorf, mitten im Havelländischen Luch. Frank Donner ist Ortsvorsteher in Brädikow. Seit der Kommunalwahl im Mai 2014 ist der selbstständige Handwerker auch ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Wiesenaue, zu der Brädikow als Ortsteil gehört.

Brädikow ist für ihn Heimat und ein Ort zum Wohlfühlen. „Wenn die Jugend bleibt, hat Dorf auch eine Zukunft“, sagt Frank Donner auf dem Weg zur alten Schule, in der allerdings schon seit langer Zeit nicht mehr unterrichtet wird. Die mit einem Gerätehaus erweiterte alte Schule ist heute das Domizil der Ortsfeuerwehr. Den Schulungs- und Veranstaltungsraum nutzen Feuerwehr, Vereine und Dorfgemeinschaft gemeinsam. Die Feuerwehr mit integriertem Gemeinschaftsraum ist das gesellschaftliche Zentrum des Dorfes für Versammlungen, Feste, Vorträge, Theateraufführungen, Chorproben, Seniorentreffs und andere Veranstaltungen.

Vor dem Feuerwehrhaus blickt der Ortsvorsteher auf die Straße Unter den Linden. So heißt die Kopfsteinpflasterstraße seit nunmehr über zehn Jahren. Früher war es die Dorfstraße. Weil in der 2003 gründeten Gemeinde Wiesenaue aber alle Ortsteile eine Dorfstraße hatten, entschlossen sich die Brädikower zur Umbenennung in Straße Unter den Linden.

Dem neuen Namen Rechnung tragend wurden entlang der Straße über 40 junge Linden gepflanzt. Die jungen Bäume sorgen von Frühjahr bis Herbst für mehr Grün in dem architektonisch von sanierten Bauerngehöften und typischen DDR-Häusern geprägten Dorf. Am Ende des Dorfes, wo die Straße Unter den Linden ins Luch führt, ist der Spielplatz. Rund 30 Kinder hat Brädikow. Damit sie sich richtig austoben können, wurden neue Spielgeräte angeschafft und aufgestellt. „In diesem Jahr werden wir den Spielplatz noch einzäunen“, so der Ortsvorsteher.

Gestern & heute

Im Jahr 1390 wird Brädikow erstmals urkundlich erwähnt.

Die Schreibweise des Ortsnamens änderte sich seitdem rund 20 Mal.

2003 hat sich Brädikow gemeinsam mit den Nachbardörfern Jahnberge, Warsow und Vietznitz zur Gemeinde Wiesenaue zusammen geschlossen.

Zu Brädikow gehören die Luchsiedlung, die Kanalsiedlung und die Bergsiedlung.

Das Dorf hat derzeit 340 Einwohner. Mit 879 die höchste Einwohnerzahl hatte Brädikow im Jahr 1946. 1964 wohnten 437 Einwohner in Brädikow.

Im Jahr 1579 gab es in Brädikow einen Bauernaufstand gegen Hartwig von Brädikow wegen zu harter Erlasse und Abgaben.

Über die Ereignisse zum Ende des Zweiten Weltkrieges hat ein polnischer Offizier das Buch „Die Schlacht um Brädikow 1945“ geschrieben. Das Buch wird derzeit ins deutsche übersetzt und soll in die Ortschronik von Brädikow eingehen, die seit zwei Jahren von Kai Fritz erarbeitet wird.

Zur Geschichte von Brädikow ist ein Film in Vorbereitung, der bei einem Heimatabend vorgestellt wird.

In der Dorfmitte bietet der 1868 errichtete Kirchturm einen schon etwas ungewöhnlichen Anblick. Wie eine bauliche Majestät wirkt der Turm auf Besucher und Einwohner, weil ihm das Kirchenschiff fehlt. Bereits in den 1970er Jahren war das Kirchenschiff wegen Baufälligkeit abgerissen worden. An der Stelle wurde ein Gemeinderaum errichtet, den die Brädikower für Gottesdienste,Trauerfeiern und kirchliche Veranstaltungen nutzen. Eine Rarität sind Ehrentafeln im Kirchturm, mit den Namen im Krieg gefallener Einwohner aus der napoleonischen Zeit.
Landwirtschaft, Hähnchenmast, Handwerk, Gewerbe und fünf Kleinunternehmen sorgen heute für Beschäftigung im Dorf. Die meisten Einwohner arbeiten jedoch auswärts, wie in Nauen, Berlin, Neuruppin und anderen Städten. Die Nähe zu Berlin und eine gute Bahnverbindung vom benachbarten Paulinenaue sorgen – gepaart mit dörflicher Ruhe – und Natur für Zuzug in Brädikow. Gute Baugrundstücke sind zur Mangelware geworden, wie zu DDR- Zeiten im Konsum Bananen. „Bei uns stimmt aber auch der Gemeinschaftssinn“, erklärt Donner warum es Städter aufs Land nach Brädikow zieht. Dass bei Festen des Öfteren Besucher anzutreffen sind, die ein T-Shirt mit der Aufschrift „Wir sind die Neuen“ tragen, ist für Donner ein Zeichen, dass sich Zuzügler aufgenommen fühlen in Brädikow.

Ihre Sommerfeste feiern die Brädikower übrigens in einer zur Lehmgewinnung ausgebaggerten Kuhle. Die Einwohner nennen sie Festkuhle, in der jährlich zunehmend auch mehr Besucher aus den Nachbargemeinden kommen. Auch Naturfreunde lockt es ins Havelländische Luch nach Brädikow, besonders im Frühjahr und im Herbst, wenn auf den Flächen hinterm Dorf viele Kraniche für ein imposantes Schauspiel in freier Natur sorgen. Die Natur um das Dorf war aber schon immer ein Anziehungspunkt. So berichtet die Ortschronik von Botanikern, die bereits 1766 und 1853 auf der Suche nach seltenen Pflanzen nach Brädikow kamen und fündig wurden.

Von Norbert Stein

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