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Havelland Stolpersteine in Brieselang verlegt
Lokales Havelland Stolpersteine in Brieselang verlegt
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17:25 29.03.2015
Verlegung des Stolpersteins für Helmut Riedel in der Brieselanger Fichtestraße. Quelle: Wolfgang Balzer
Brieselang/Falkensee

Oft gestalte sich die Spurensuche schwierig und das Schicksal Betroffener könne recht unterschiedlich sein, sagte Ines Oberling von der Vorbereitungsgruppe. So auch in Brieselang: Der vom Initiator, Künstler und Gestalter Gunter Demnig vor dem Haus in der Fichtestraße 80 verlegte Stolperstein erinnert an das Schicksal von Helmut Riedel, Jahrgang 1907, der zu einem nicht bekannten Zeitpunkt in die Heil- und Pflegeanstalt Neuruppin eingewiesen und später in die Landesanstalt Bernburg "verlegt" wurde. Dort ist der gelernte Graveur am 26.Mai 1941 im Alter von 33 Jahren ermordet worden. Die damals in dem Haus wohnenden Eltern beklagten sich in einem Brief an den Neuruppiner Anstaltsdirektor bitter über die Verfahrensweise.

Paul Scholtyssek lebt seit dem Jahre 2003 in der Fichtestraße 80. "Es freut uns, wenn die Geschichte Brieselangs nicht vergessen und konkret auch direkt an unserem Haus an das Geschehen in der Zeit des Nationalsozialismus erinnert wird", sagte er, während Gunter Demnig mit letzten Handgriffen den Erinnerungsstein in das Pflaster einließ.

Bürgermeister Wilhelm Garn (CDU) bezeichnete die Verlegung der ersten Stolpersteine in Brieselang als ein wichtiges Ereignis. Er merkte zugleich an, dass die Geschichte in Brieselang eher totgeschwiegen wird. Es werde zwar versucht, die Ortsgeschichte aufzuarbeiten, doch es sei wenig Material dafür vorhanden. Eher zufällig wurden bei einem Hausabriss eingemauerte Protokolle aus der Gründerzeit 1925 bis 1932 gefunden - was fehlt, sind Dokumente aus der Zeit danach.

Spuren aus dieser Zeit hat die Vorbereitungsgruppe Stolpersteine bei ihrer Aufarbeitung des Schicksals von Elisabeth Bethke entdeckt. Die Berliner Sekretärin, Jahrgang 1905, war seit 1926 in der Kommunistischen Jugendbewegung aktiv. Ihrer Verhaftung durch die Gestapo folgte die Anklage und Verurteilung wegen Hochverrat. Wegen ihrer schweren Erkrankungen an Lungenentzündung und Tuberkulose aus der Haft entlassen, zog sie sich in ihr Gartenhaus in der Kameruner Straße zurück und starb dort 38-jährig an den Haftfolgen. Seit dem Jahre 2005 erinnert der Straßenname Elisabeth-Bethke-Straße an ihr Schicksal und seit Sonnabend nun auch ein Stolperstein vor der Hausnummer2. "Diese Art der Erinnerung ist auch für mich ein Herzensbedürfnis. Wir dürfen nie vergessen, was damals in Deutschland geschah, damit sich Gleiches nicht wiederholen kann", so der Brieselanger Gemeindevertreter Joachim Steirat.

Ein weiterer in Falkensee verlegter Erinnerungsstein ist dem Schicksal von Karl Friedrich Otto Karthun gewidmet, der im Ortsteil Waldheim wohnte. Auch hier gestaltete sich die Spurensuche schwierig. "Wir sind die ganze Straße An der Rehwiese abgelaufen, aber niemand kannte ihn", berichtete Ines Oberling. In Falkensee hätte es nur den Hinweis gegeben, dass da jemand manchmal in Frauenkleider herumlief und dann plötzlich weg war. Nachforschungen in Waldheim führten schließlich zu dem ehemaligen Kellner Karl Karthun. Er wurde am 19.Juni 1941 im Alter von 63 Jahren in der Landesanstalt Bernburg ermordet. "Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist", bemerkte Gunter Demnig anlässlich der Verlegung der Steine der Erinnerung.

22 Stolpersteine im Osthavelland

  • Die ersten Stolpersteine im Osthavelland wurden im Jahre 2006 für Olga Philipp und Herrmann Schiff in Nauen verlegt.Initiator und Gestalter des Projektes Stolpersteine ist Gunter Demnig, der diese Steine der Erinnerung bundesweit auch persönlich verlegt.
  • Die ersten Stolpersteine im Osthavelland wurden im Jahre 2006 für Olga Philipp und Herrmann Schiff in Nauen verlegt.
  • Initiator und Gestalter des Projektes Stolpersteine ist Gunter Demnig, der diese Steine der Erinnerung bundesweit auch persönlich verlegt.
  • Im Osthavelland wurden bislang insgesamt 22 dieser Steine verlegt: in Nauen, Falkensee, Ribbeck, Dallgow-Döberitz und auch in Brieselang.
  • Ein Stein kostet 120 Euro. Die Finanzierung ist nur durch Spenden möglich.
  • Die Spenden für die Stolpersteine gehen an den Förderverein LA21 Falkensee.

Von Wolfgang Balzer

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