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Buchpremiere mit Zickenkrieg

Falkensee Buchpremiere mit Zickenkrieg

Lesung in Falkensee: Der Falkenseer Autor und Satiriker Robert Niemann stellte seine neuesten Satiren in der Stadtbibliothek vor – die war an dem Abend ausverkauft und gutgelaunt gefüllt.

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Robert Niemann bei seiner Lesung in Falkensee.

Quelle: Hans-Peter Theurich

Falkensee. Christiane Radon, Leiterin der Stadtbibliothek Falkensee, freute sich, erstmals eine Buchpremiere in ihren Räumen zu veranstalten: Robert Niemann, Falkenseer Autor und Satiriker, stellte am Freitag sein zweites Buch vor. Der Titel war Programm: „Niemannsland – Willkommen in der 30er Zone“.

Nein, es geht nicht um Geschwindigkeitsbegrenzungen in großstädtischen Straßen. Die Geschichten kreisen vielmehr um die Wirren des Erwachsenenlebens der 30- bis 50-Jährigen. Wenn man viel erreicht und alles angeschafft hat, nur noch die Kinder erziehen muss. Oder sich ein seriöses Hobby sucht, so etwas Sinnloses wie Bergsteigen vielleicht. Darüber lässt sich der Autor zur Freude eines jeden Flachlandtirolers aus.

Die Veranstaltung in Falkensee war nicht nur ausverkauft, sie begann auch verheißungsvoll, als Robert Niemann aus dem Nähkästchen plauderte: „Als ich mich nach einer Lesung erkundigte, sagte Frau Radon: Toll, ich habe noch nie von Ihnen gehört. Das ist doch ein vielversprechender Anfang.“

Gut bekannt ist Robert Niemann allen Scherzkeksen, die Titanic und Eulenspiegel auf dem Nachttisch liegen haben oder die „Tageszeitung“ lesen. In diesen Blättern sind die Satiren des studierten Juristen regelmäßig zu finden. Nun, nach dem Erstling mit dem zauberhaften Titel „Lieber ein Vorurteil als gar keine Meinung“ erscheint ebenfalls im Eulenspiegel-Verlag das „Niemannsland“. Das hat der Autor übrigens gerade verlassen – er ist Jahrgang 1966. Das Publikum dagegen befand sich mehrheitlich noch mitten drin, weshalb es genau wusste, wovon die Rede war und sich köstlich amüsierte. Über bissfeste Satire zuweilen auch über die Schmerzgrenze hinaus, aber das will man ja genauso haben. Herrliche Absurditäten mit logischer Konsequenz bis zum letzten Satz. Niemann las perfekt, mit Pausen in genau der richtigen Länge.

In einer der Geschichten treffen zwei Navigationsgeräte im Auto des Schriftstellers aufeinander, und nach anfänglichem Zickenkrieg verbündet sich Else I aus dem Kofferraum mit Else II gegen den armen Fahrer. Der kann dann zu Fuß weitergehen – oder so ähnlich.

Auch strukturschwache Gegenden weit hinter dem Speckgürtel bekommen ihr Fett weg. In solchen Landstrichen entsteht dann laut Autor Robert Niemann eine synthetische Südsee wie Tropical Island oder ein Komma-Museum. Zuweilen erhob sich Gemurmel im Saal, bei allzu gewagten Sätzen, wie diesen: „Ich könnte von Zinsen leben, wäre einer meiner Großeltern darauf gekommen, im Mai ’45 Oberhemden mit ,Ich war’s nicht!’ (…) auf den Markt zu bringen.“ Doch der Autor servierte ungebremst weiter den Kakao, durch den er seine Zuhörer bereits gezogen hatte: Die Pause kündigte er an mit „Ich liebe den direkten Kontakt mit Publikum, nach der Pause möchte ich es gern richtig schön beleidigen!“

Fast so viel Spaß wie zuhören macht selber lesen: Robert Niemann „Niemannsland – Willkommen in der 30er Zone“, Eulenspiegel-Verlag, für 9,99 Euro und natürlich, Altersgruppen kompatibel, auch als E-Book erhältlich.

Von Judith Meisner

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