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Havelland „Bürgermeister sein hat eine andere Intensität“
Lokales Havelland „Bürgermeister sein hat eine andere Intensität“
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02:15 13.11.2017
Manchmal lächelt er: Heiko Müller nach der Wahl 2015. Quelle: Tanja M. Marotzke
Falkensee

Seit zehn Jahren ist Heiko Müller Bürgermeister von Falkensee, der größten Stadt des Havellandes. MAZ sprach mit ihm über den Anfang, über Erreichtes und Erreichbares.

Der Schreibtisch in Ihrem Büro sieht immer aufgeräumt aus. Da liegt wenig drauf. Wenig zu tun für einen Bürgermeister oder ist das Ihr Arbeitsstil?

Das ist meine Art zu arbeiten. Das ist eine Art, für Klarheit zu sorgen. Ich arbeite das jeden Tag ab, spätestens am Wochenende. Und im Unterschied zu meinem Vorgänger habe ich kein Regal im Büro, in dem sich Papiere der Ablage stapeln. Die Ablage wird in den Fachbereichen geführt, dort soll die ganze Akte beisammen sein. Das ist effizienter.

War das Abschaffen der Ablage im Bürgermeisterbüro Ihre erste Amtshandlung vor zehn Jahren?

Ganz so nicht, aber ich habe das früh geändert. Das erste, was ich damals gemacht haben, war natürlich das Kennenlernen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und des Hauses.

Und wie war der Eindruck?

Die Eindrücke stürzten auf mich ein. Ich traf Leute, die ich von früher kannte. Ich war beeindruckt von dem Haus, und das nicht unbedingt positiv, was den Zustand mancher Toilette oder Treppe oder elektrischen Anlage betraf.

Manches sieht heute noch so desolat aus.

Aber wir sind am Umbauen des Rathauses, um die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter zu verbessern und die Besuchsmöglichkeiten für die Bürger. Doch der Umbau musste warten, vor zehn Jahren wurden andere Prioritäten gesetzt. Sehr zu recht, wie ich finde. Da waren Schulen das absolute Dauerthema: Am LMG wurde noch gebaut, die Kantschule war sportorientiert hatte aber nicht mal einen ordentlichen Sportplatz, es ging um die Zukunft der Oberschule und heftig war die Debatte um ein zweites Gymnasium. In Schulen und Kitas sind Millionen geflossen.

Prioritäten setzen – was bedeutete das für Falkensee?

Wer Prioritäten setzt, sagt Ja zu etwas und entscheidet sich zum Nein zu anderen Projekten. Deshalb wurde erst so viel Geld in Schulen investiert und dann eine Stadthalle gebaut. Lange wurde über das Hallenbad diskutiert. Es gibt kein Thema, auf das ich öfter angesprochen werde. Jetzt ist die Kommune in der Lage, so ein Projekt umzusetzen.

Sind Schulen nicht mehr so wichtig?

Wichtig schon, aber es ist viel geschaffen und die Verdopplung der Schülerzahlen in Falkensee wurde gemeistert. Wir werden ständig in Schulen und Kitas investieren müssen, aber nicht mehr in den Dimensionen wie bisher. Bei weiterführenden Schulen ist es eng in Falkensee. Aber ich denke, dass wir auch angesichts der Bevölkerungsprognose keine weitere neue Schule bauen müssen. Gegenwärtig ist der Hort unser Problem, das war vor zehn Jahren etwas anders. Das Verhalten der Eltern hat sich deutlich geändert, die Nachfrage nach Hortbetreuung ist stark gewachsen.

Welches sind heute die Themen Nummer 1 in der Debatte?

Die Bürgerbeteiligung im politischen Raum spielt eine große Rolle, das ist deutlich anders als vor zehn Jahren. Das bringt neue Sichten und breitere Akzeptanz, kostet aber auch viel Zeit.

Welche inhaltlichen Schwerpunkte sehen Sie für die Falkenseer Kommunalpolitik?

In den vergangenen Jahren sind Anliegerstraßenbau und der Bau der Stadthalle besonders wichtige Themen gewesen. Im Anliegerstraßenbau, der oft strittig war und mit viel Kosten für die Anwohner verbunden ist, haben wir in Falkensee viel erreicht. Der Ausbau wird fortgeführt, damit die Sandpisten irgendwann der Vergangenheit angehören. Als wichtige Themen aktuell sehe ich den Bau eines Hallenbades als große Einzelmaßnahme, den Bereich Verkehr – hier vom Radweg bis zum Pendlerparkplatz – und das Wohnen.

Soll, muss oder kann Falkensee wachsen?

Die Fläche unserer Kommune können wir nicht ausdehnen, aber innerstädtisch werbe ich für eine gestaltete Entwicklung. Das Thema Wohnen hat in den letzten Jahren eine große Dynamik erhalten. Falkensee hat eine für eine Stadt untypisch Siedlungsstruktur, sie besteht zu ganz großen Teilen aus Einfamilienhäusern. Wir brauchen auch mehrgeschossigen Wohnungsbau. Etwa für junge Leute, die ihre erste Wohnung suchen, oder für Ältere, die ein großes Haus mit Garten nicht mehr bewirtschaften können. Wir brauchen also Wohnungen für Falkenseer, aber auch für Leute, die neu hierher ziehen. Wir liegen in einem Metropolenraum, da ist der Siedlungsdruck groß. Den Prozess sollten wir gestalten.

Denkbar wäre eine größere Bebauung auf der Nordseite der Spandauer Straße. Mehr Häuser, mehr Menschen – das bringt aber auch neue Probleme.

Ja, das bringt auch neue Aufgaben, was Infrastruktur und Kitas betrifft. Und natürlich muss die Spandauer Straße vom Kreisel bis zur Stadtgrenze nach Berlin flüssiger gemacht werden. Ich dränge darauf, dass das Land hier seine Pläne zügig umsetzt. Diese Straße halte ich für die wichtigste Achse der Stadt.

Sie sind SPD-Mitglied. Seit der letzten Kommunalwahl ist die SPD nicht mehr die stärkste Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung. Sie sehen sich oft einer Front aus CDU, Grüne und FDP gegenüber oder müssen mit wechselndem Stimmverhalten rechnen. Wie regiert es sich für einen Bürgermeister ohne Mehrheit im Parlament?

Koalitionen machen Arbeit, aber sie führen effizienter zum Ziel. Das war auch in Falkensee zu sehen. Jetzt mit wechselnden Mehrheiten ist es schwieriger, meist dauert es länger. Die Stringenz geht verloren, es wird sehr viel diskutiert und geredet, auch mal zerredet. Manchmal nenne ich das Brummkreiselpolitik: Wir sind permanent beschäftigt, kommen aber zu keinem Ergebnis. Die Debatte um den Verkehrsentwicklungsplan ist so ein Beispiel. Ich plädiere für den Abschluss des Verfahrens, auch wenn nicht jedes Detail bis ins kleinste ausdiskutiert ist.

Ein Bürgermeister hat irgendwie nie Feierabend. Bereuen Sie, Ihren vergleichsweise ruhigen Platz im Landtag aufgegeben zu haben?

Nein. Auf keinen Fall. Bürgermeister zu sein, das hat eine ganz andere Intensität. Als gelernter Ingenieur und Softwareentwickler fehlt mir manchmal das Technische an meiner Arbeit, technische Dinge spielen eine deutlich geringere Rolle.

Was macht ein Bürgermeister am meisten?

Mit Leuten reden. Ob in der Verwaltung, mit Bürgern, in Vereinen, Gruppierungen, Geschäftsleuten. Dann muss ich allerhand lesen. Und manchmal auch was schreiben. Aber das Wichtigste ist das Reden und die Begegnung mit Menschen.

Von Marlies Schnaibel

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