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Havelland Buga-Highlight: Aus Optik-Linsen wird Kunst
Lokales Havelland Buga-Highlight: Aus Optik-Linsen wird Kunst
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02:16 17.07.2015
Eleonore Straub mit Staatssekretär Gorholt (SPD) und Bürgermeister Seeger (CDU). Quelle: Markus Kniebeler
Rathenow

Die Kinder von der Kita „Jenny Marx“ hatten am Dienstagvormittag fast prophetische Weitsicht bewiesen. Auf dem Rathenower Bahnhofsvorplatz sangen sie ihr „Regenbogenlied“. Und – welch Wunder! – irgendwann ließ die geballte Kraft des Platzregens nach und die vielen Gäste konnten sich unter den schützenden Baldachinen hervorwagen. „Wir haben den Regen weggesungen“, waren sich die musikalischen Kids einig.

Den sechs Bäumen, die seit neuestem auf dem Platz wachsen, konnte der Regen ohnehin herzlich egal sein. Ihr Wachstum ist schon längst abgeschlossen. „Poplar Opticus“ lautet der Name der Gewächse, die nicht aus Holz und Blattwerk bestehen, sondern aus Überresten der industriellen Fertigung. Genau genommen: Überschussprodukte industrieller Fertigungsprozesse. Aber die bunten Linsen für Modebrillen, die wegen irgendwelcher Mängel in der Rathenower Fielmann-Produktion aussortiert worden sind, bilden ein wunderschönes Blattwerk. Hätte sich gestern die Sonne erbarmt, wäre alles in noch intensiverem Regenbogen-Bunt erstrahlt.

Mit bunten Linsen der neuesten Generation

Wurzeln und Stämme haben die Bäume natürlich auch: Auf einem 3,5-Tonnen-Fundament ragt ein befülltes Edelstahlrohr. Die „Baumwipfel“ mit den bunten Linsen sind in Kunstharz der neuesten Generation gegossen – anfangs ein Wagnis für die Berliner Künstlerin Eleonore Straub, denn einen so großformatigen Guss hatte es bis dahin nicht gegeben. Imposante 8,40 Meter sind es bis zur Spitze; nun lassen sie sich dort oben von Rathenower Höhenluft umwehen.

„Eigentlich hätte ich sie mir noch größer vorgestellt“, gestand Bürgermeister Ronald Seeger (CDU) bei seiner Rede unterm schützenden Regendach. Kulturstaatssekretär Martin Gorholt (SPD) hob die „unermüdliche Mühe, das Geschick und den Einfallsreichtum“ der Künstlerin hervor. Als er zum ersten Mal vor zwei Jahren von ihrem Konzept hörte, sei er zunächst skeptisch gewesen, räumte er ein. „Nun aber bin ich stolz, dass wir das durchgezogen haben.“ Denn: „Eleonore Straubs Skulpturen sind spannende und beeindruckende künstlerische Auseinandersetzungen mit aktuellen Themen unserer Industriekultur, unserer Gesellschaft und der Natur.“

Starker Bezug zur Historie

Die Optik-Pappeln haben dank des Blattwerks aus Linsen einen starken Bezug zur historischen und aktuellen Bedeutung der Optischen Industrie in Rathenow. Sie sind eine Dauerleihgabe an die Stadt. Kulturministerium und Wirtschaftsministerium haben das Kunstwerk mit 18 000 Euro gefördert.

Kita-Kinder singen den Regen weg Quelle: M. Kniebeler

Ein bisschen schade ist es nur, dass Rathenows Optik-Urvater Johann Heinrich Duncker die Neuzugänge gar nicht so recht genießen kann. Seine Büste auf dem Vorplatz blickt nämlich genau in die entgegengesetzte Richtung die Bäume stehen hinter ihm.

Die Optik-Pappeln werden den Bahnhofsvorplatz erst einmal bis April 2017 zieren, es sei denn, ein Kunst-Interessierter erwirbt die Gewächse schon vorher. Verbreitungsmäßig finden sich Eleonore Straubs Pflanzen an vielen Orten auf der ganzen Welt: Von Brasilien bis Frankreich „blühen“ die zur Kunst gewordenen Produkte. Nachhaltigkeit ist Eleonore Straubs großes Thema.

Nicht nur in Rathenow gedeihen ihre Pflanzen. In der nächsten Zeit werden an zwei weiteren Buga-Standorten Skulpturen der Künstlerin eingeweiht. In Premnitz ist es „Typha Premnitz“ und in Stölln wird „Tulipa Lilienthal“ enthüllt.

Von Ildiko Röd

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