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Bunte Papierkörbe und handfeste Politik

Eine Rathenower Erfolgsgeschichte Bunte Papierkörbe und handfeste Politik

Ein Jahr vor Beginn der Landesgartenschau 2006 in Rathenow trafen sich Gewerbetreibende, die mehr aus ihrer Situation in der Stadt machen wollten. Zusammen mit Christian Klotz, einem Berater aus Bad Reichenhall, analysierten sie die Lage der Unternehmen. Aus diesem Start entstand der Verein „Unternehmer für Rathenow“. Das ist zehn Jahre her.

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Die Rathenower City hat sich in den vergangenen zehn Jahren entwickelt.

Quelle: M. Kniebeler

Rathenow. Klaus Fürstenberg und Olaf Thonke können sich noch gut erinnern. Eigentlich wollten sie 2005 – dem Jahr vor der Landesgartenschau – etwas Bewegung schaffen, damit sich Rathenow im Gartenschau-Jahr von seiner besten Seite zeigt. Also lud man kurzerhand Christian Klotz aus Reichenhall ein, ein Innenstadt-Experte.

Rathenows Unternehmer charterten einen Bus und fuhren mit Klotz durch die Stadt. Der Mann aus Bad Reichenhall analysierte schnell und stellte schon am Abend erste Ergebnisse vor. Fazit damals: Vieles ist gut und vieles kann man verbessern. Klotz hatte die Rathenower mit seinem bayerischen Charme so eingenommen, dass die Gewerbetreibenden kurz danach den Verein „Unternehmer für Rathenow“ gründeten.

Zehn Jahre – einiges wurde geschaffen

„Wir haben den Namen ganz bewusst gewählt“, sagt heute Klaus Fürstenberg, der zusammen mit Olaf Thonke das erste Vorsitzenden-Gespann im Verein bildete. „Wir wollten ein für unsere Stadt sein, wir Unternehmer wollten uns für Rathenow einsetzen.“ Christian Klotz hatte so überzeugend geredet, dass schon in den ersten Tagen nach dem öffentlichen Infoabend eine erste Bürgeraktion begann. Vereine, Parteien und Einwohner nahmen sich die Papierkörbe an den Straßenrändern vor und malten sie bunt an – in den regenbogenfarben der Landesgartenschau. Genau dieses Selbstengagement hatte Christian Klotz eingefordert.

Im Rückblick auf die vergangenen zehn Jahre haben die Unternehmer in ihrem Verein viel mehr bewirkt, als ein paar beschmierte Papierkörbe zu verschönern. Zunächst aber wollte sich der Verein selbst organisatorisch auf Linie bringen. Einmal im Monat – immer am Dienstag – trifft sich die Gruppe. Natürlich war die Euphorie am Anfang groß. Später folgten die Mühen der Ebene.

Weinfest eine der Errungenschaften

Das Weinfest – es ist gerade wieder gefeiert worden – ist eines der Ziehkinder des Unternehmervereins. Zusammen mit den Einzelhändlern wurde aus einem kleinen Straßenfest ein großes Spektakelt. „Wir wollten einfach mehr Leute in unsere Innenstadt holen“, sagt Klaus Fürstenberg. „Die Mitglieder des Vereins hatten es satt zuzusehen, wie die Rathenower den Zug zum Berlin-Einkauf nahmen.“ Es sollte ein Einkaufserlebnis geschaffen werden. Das Weinfest war ein Mosaikstein.

Ein anderer Mosaikstein waren die „Schleusenspucker“. Einige Mitglieder des Unternehmervereins und der Rotary Club griffen tief in die Kasse, um die Skulptur am Alten Hafen zu errichten. Die Schleusenspucker sind längst ein fester Bestandteil von Stadtführungen und gerade jetzt im Bundesgartenschau-Jahr hatten die Spucker viele Passanten angezogen.

Noch einmal mit Christian Klotz

Ihr Jubiläum feiern die „Unternehmer für Rathenow“ offiziell am 17. November um 18.30 Uhr im Kulturzentrum.

Gastredner ist Christian Klotz aus Bad Reichenhall. Er hat schon zur Gründung des Vereins die Stadt besucht. Nun wird er in einer Art Zweitauflage schauen, was sich veränderet hat. Der Unternehmerverein hat dazu auch alle Stadtverordneten eingeladern.

Der Berater für Einzelhandelsfrage, Christian Klotz hatte im Jahr 2005 auf Einladung einiger Rathenower Gewerbetreibender die Kreisstadt des Havellandes unter die Lupe genommen.

Eines von vielen Ergebnissen war: auf die Einwohner entfällt zu viel Einkaufsfläche. Geschuldet war das den zahlreichen Märkten vor den Toren der Stadt. Klotz appellierte an die Unternehmer, das Leben in die Stadt zu holen.

Dieses Ziel wurde auf zwei Wegen verfolgt.Einerseits sollten in der City attraktive Ereignis stattfinden, die den Gästen zeigen, dass sich ein Einkaufsbummel hier lohnt. Andererseits wurden Pläne, zum Beispiel das Einzelhandelskonzept, auf den Weg gebracht.

Neben Festen – erwähnt werden sollte das Engagement des Vereins zum Stadtfest – hatten die Mitglieder aber auch politische Ziele. „Zu Beginn ging es darum, den Gewerbesteuersatz in erträglicher Höhe zu belassen§", so Klaus Fürstenberg. Natürlich wurde immer wieder versucht, an dieser Schraube zu drehen. Schnell sahen die Unternehmer ein, dass es schwer ist, Einfluss zu nehmen ohne selbst ein Mandat zu haben. Darum bewarb sich der Unternehmerverein auch bei der Wahl zur Stadtverordnetenversammlung – mit dem Erfolg, dass ihm ein Mandat zufiel.

Zusammenarbeit mit der Stadt ist gut

Zwar steuern Klaus Fürstenberg und Olaf Thonke noch immer im Hintergrund die Vereinsbelange. An vorderer Linie haben aber inzwischen Fred Meier und Ulrich Optitz die Verantwortung übernommen. „Es war gut, dass wir diese Personalfrage so gut geklärt haben“, sagt Fürstenberg.

Die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung ist – trotz der einen oder anderen Meinungsverschiedenheit – gut. Tradition haben die Rundgänge der Unternehmer durch die Stadt. Dann werden Problemecken aufgezeigt. „Das ist ein wichtiges Thema“, sagt Fürstenberg. „Zu diesem Rundgang machen wir klar, dass wir für mehr Ordnung und Sauberkeit im Stadtbild stehen.“

Nun hat der Verein die ersten zehn Jahre hinter sich und wird das mit allen Rathenowern feiern. Am 17. November um 18.30 Uhr kommt Christian Klotz noch einmal ins Kulturzentrum. Der Mann, mit dem alles angefangen hat, will sich anschauen, was sich inzwischen verändert hat. Eines steht fest: Die City wird er kaum wiedererkennen – der Buga sei Dank.

Von Joachim Wilisch

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