Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -2 ° Nebel

Navigation:
Bunter Abend „Luther contra Kürbis“

Reformationsfest Bunter Abend „Luther contra Kürbis“

Die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Rathenow hat am Reformationstag zu einem bunten Abend „Luther contra Kürbis“ eingeladen. Sie stellte Stefan Bodeker aus Rathenow vor, der in Brandenburg/Havel zum Bischof wurde, und berichtete darüber, wie zu Luthers Zeiten Gartenfrüchte wie der Kürbis haltbar gemacht wurden.

Voriger Artikel
Ausfahrt erstmals nicht in einem Konvoi
Nächster Artikel
Hühner, Kaninchen und Co. in Großwudicke

Johanna Schulze, Pastorin Nicole Witzemann und Wolfgang Schulze stellten zur Veranstaltung „Luther schlägt Kürbis“ den Rathenower Stephan Bodeker vor, der im 15. Jahrhundert Brandenburger Bischof war.

Quelle: Uwe Hoffmann

Rathenow. Zur abendlichen Veranstaltung „Luther contra Kürbis“ zum Reformationsfest stellte die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde einen Rathenower Bürger des Spätmittelalters vor. Stephan Bodeker (1384 bis 1459) wirkte rund ein Jahrhundert vor Martin Luther, der 1517 mit seinen 95 Thesen die Reformation einleitete. Johanna Schulze beleuchtete zunächst das Leben und Wirken des Sohnes eines Rathenower Fassbinders, der seit dem Hochmittelalter als eine von nur zwei Personen nicht adeliger Herkunft zum Brandenburger Bischof gewählt wurde. Nach seinem Studium, unter anderem Rechtswissenschaften und Theologie in Erfurt, Prag und Leipzig, wurde Stephan Bodeker 1415 nach Brandenburg zurückgerufen. Gerade wurde der Hohenzoller Friedrich I. von Kaiser Sigismund als Kurfürst der Mark Brandenburg belehnt. Dieser musste für Ordnung in der Mark sorgen. Die rund 40-jährige Herrschaft der Luxemburger, die die Mark vernachlässigten und gar verpfändeten, sowie das Wirken von Raubrittern wie der von Quitzows hinterließen ein verwahrlostes Land. In dem Prämonstratenser Bodeker, der ein großes Rechtsverständnis besaß, hatte Friedrich I. einen guten Berater. 1422 wurde Bodeker zum Bischof von Brandenburg gewählt. Als Sohn eines Handwerkers förderte er die Ausbildung der Kinder. Zu diesem Thema trug Wolfgang Schulze einige geschichtliche Hintergründe vor.

Als Bischof lehnte Bodeker aus Rathenow die Verfolgung der Juden ab

Die zum Reformationsfest 2014 als Pastorin der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde eingeführte Nicole Witzemann beleuchtete das Verhältnis zu den Juden in Bodekers Zeit. „Die Juden hatten seit dem ersten Nachweis jüdischen Lebens in Brandenburg 1244 ein wechselvolles Schicksal in der Mark und in Europa. Nachdem sie für die Pest, die auch 1348/1349 in Brandenburg grassierte, verantwortlich gemacht wurden, bestätigte Friedrich I. als Kurfürst 1420 die erste Judenverordnung in der Mark aus dem Jahr 1297 mit Schutzrechten“, sagte Nicole Witzemann. „Als Bischof lehnte Bodeker die Enteignung und Verfolgung der Juden ab.“

Stephan Bodeker gilt unter den rund 40 katholischen und den fünf folgenden evangelischen Bischöfen Brandenburgs zwischen 949 und 1571 als einer der bedeutendsten. „Der Rathenower Stephan Bodeker hat als Bischof keine herausragende Einzelleistung wie Luther mit der Begründung der Reformation vollbracht“, so Johanna Schulze. „Aber er hat als Bischof mit für seine Zeit nicht selbstverständlichen hohen Ansprüchen an sich und seine Mitmenschen bezüglich seines Verständnisses für Theologie und Recht die Entwicklung im Bistum Brandenburg sehr gefördert - und dies bereits fast 100 Jahre vor Luther.“ Bodekers Grabplatte mit seiner authentischen Darstellung im Lebensalter von 30 Jahren befindet sich an der nordöstlichen Ecke des Südchores des Domes St. Peter und Paul zu Brandenburg/Havel, seiner Bischofskirche. Bodeker hinterließ ein schuldenfreies Bistum. Als sein Nachfolger wurde 1459 Dietrich IV. von Stechow zum Bischof gewählt.

Früchte des Gartens, haltbar durch Dörren, Salzen und Eingraben

Bereits am Nachmittag des Reformationstages trafen sich Gemeindeglieder und Freunde der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde im Gemeindehaus an der Berliner Straße 29 zur „Oktober-Gartenrast“. Im Mittelpunkt standen dabei die Früchte des Gartens und die Art und Weise, wie sie zu Luthers Zeiten durch Dörren, Salzen, Räuchern, Einlegen in Honig, Säuern oder Eingraben in Erde haltbar gemacht wurden. „Viele Gäste“, so Johanna Schulze, „haben sich dabei an ihre Kindheit erinnert.“

Von Uwe Hoffmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Havelland
57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg