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Charme und Ruhe in Falkenhain

Falkensee Charme und Ruhe in Falkenhain

Die MAZ-Serie „Zu Hause in“ führt heute in den Falkenseer Ortsteil Falkenhain. Vom Charme der einstigen Villengegend, die ab 1989 entstand, ist viel erhalten geblieben.

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Villa und Garten in der Mainstraße beherbergen heute die Lernwerkstatt und das Kita-Museum.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Falkensee. „Die Häuser schießen wie Pilze aus dem Boden.“ Die Postfrau von Falkenhain muss es wissen. Seit 1990 trägt sie hier die Post aus. Ihren Namen will sie nicht sagen, kennt ja hier doch jeder, sie ist bekannt wie ein bunter Hund. Oder besser, wie ein gelber Hund. Denn mit ihrer gelben Jacke und ihren Postfahrrad ist sie in den Straßen von Falkenhain nicht zu übersehen. Die Arbeit macht ihr viel Spaß, außer vielleicht bei Glatteis. An ihr kommt kein Neu-Falkenhainer vorbei. Nicht jeder nimmt ein Päckchen für den Nachbarn an, das ist bei den Alt-Eingesessenen schon eher so, hat sie beobachtet.

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Impressionen aus Falkenhain

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Es gibt solche und solche, hat auch Andrea Ziesemer festgestellt. Sie betreibt einen Weinladen in der Elbeallee und ist hier aufgewachsen. „Früher kannte jeder jeden, jetzt grüßen längst nicht alle“, bedauert sie. Aber vielleicht fällt es ihr auch besonders auf, weil sie aus einem Gewerbe kommt, wo das Gespräch mit Nachbarn und Kunden Lebenselixier ist. Ihre Eltern haben hier über Jahrzehnte eine Fleischerei geführt. „1963 bin ich hierher gekommen“, sagt Hildegard Timmermann. Die Fleischerei war in dem Anbau, in dem sich heute ein Kosmetiksalon befindet. Daneben gab es ein Lebensmittelgeschäft der Familie Weber.

Zu DDR-Zeiten fanden die Kunden den Weg zum abgelegenen Geschäft, nach der Wende orientierten sie sich neu. Am Ende wurde die Fleischerei geschlossen, einige Jahre hatte die Galerie Kunstkontor im Haus ihren Sitz, seit 2009 betreibt Tochter Andrea Ziesemer dort die „Weinzone“. Zehn Jahre hatte sie in Charlottenburg in einer italienischen Weinbar gearbeitet und das Metier für sich entdeckt. Dann hat sie sich selbstständig gemacht und den charmanten Laden eingerichtet. Hier wird nicht nur Wein aus europäischen Ländern verkauft, sondern auch hin und wieder zu Lesungen oder Verkostungen eingeladen. „Viele sagen, warum gehst du nicht ins Zentrum, da wo auch Laufkundschaft kommt“, erzählt Andrea Ziesemer. Aber sie will in Falkenhain bleiben. Hier können die Leute mit den Autos vorfahren und die Ware gut einladen. Und dann hat Falkenhain ja auch einen besonderen Charme, der einen Besuch lohnt.

Stadtteil ist eine Augenweide

Der Stadtteil von Falkensee ist eine Augenweide. Die Villen stehen in ihrer Pracht den Finkenkrugern in nichts nach. Bei der Gründung von Falkenhain war das Gebiet ausdrücklich als nobel angelegt worden. Das war 1898. Damals kaufte die „Villenkolonie Falkenhain und Falkenhagener See GmbH“ Bauernland. An die Bauern wird in einigen Straßennamen erinnert: Bandelowstraße, Muselowstraße, Reinickestraße. Ab 1907 wurde Falkenhain, das mit seinen rechtwinkligen Straßen wie auf dem Reißbrett entstanden wirkt, im Süden durch die „Gartenstadt Falkenhagen-West“ ergänzt. Generalstabsmäßig war damals schon die Werbung vorangetrieben worden. Leopold Maaß komponierte den Walzer „Ein warmes Nest“, Werbetexter Felix Wolff reimte unnachahmlich: „Wenn dich die Leute einst sollten fragen, wo baust du dir dein schönes Nest, kannst du getrost dann allen sagen: in Falkenhagen West.“

Gereimtes für Kuchenfreunde

Gereimt wird in Falkenhain auch gut einhundert Jahre später noch gerne. Und zwar an der Friedrich-Engels-Allee bei der Bäckerei Ziehm. Auf einer Tafel am Wegesrand wird jeden Tag mit einem lockeren Reim für den Kauf und Verzehr von Backwaren geworben. Gestern las sich das so: „Das Spiel ist vorbei, der EM-Traum ist aus. Als Trost gibt’s Erdbeerschnitte für zu Haus.“

Die Ziehm’sche Reimkunst wird von vielen wahrgenommen, denn die Friedrich-Engels-Allee ist eine vielbefahrene Straße. In den Dreißiger Jahren war das mal anders geplant. „Da sollte das Falkenkorso wie eine große Schneise durch Falkenhain geschlagen werden“, blickt Bürgermeister Heiko Müller auf frühere Verkehrsplaner zurück. Aber der Krieg stoppte die Entwicklung, danach war aus politischen Gründen am Ausbau einer solchen Magistrale nicht mehr zu denken, der Zustrom oder Durchstrom der (West)Berliner war gekappt. Falkensee war abgeschnitten, und so wirkt auch heute noch das Falkenkorso. Die Straße war einst besonders breit angelegt worden, aber an der Mainstraße endet sie abrupt im verträumten Grün. Da ist Falkensee wieder ganz Hain, Falkenhain eben. Nur noch ein kleiner Sandstreifen schlängelt sich durch das Gehölz.

Wenn der Anliegerstraßenbau verbindet

Das wird sich im nächsten Jahr ändern, wenn der Anliegerstraßenbau auch den Sandpisten dieser Region den Garaus macht. Eine lang ersehnte, aber wegen der hohen Kosten bei den Anwohnern auch gefürchtete Baumaßnahme. „Aber das Thema hat uns nahegebracht“, erzählt Anwohnerin Sybille Dietrich. Eine IG Falkenkorso formierte sich und kämpfte darum, nicht den teuren zweispurigen Edelausbau vor die Nase gesetzt zu bekommen. Der Kampf könnte sich gelohnt haben, denn die Entwürfe gehen nun doch flexibel auf einzelne Abschnitte der Straße ein. „Die Abgeordnete Elfriede Schmidt wohnt selbst hier, sie hat viel auf den Weg gebracht“, sagt auch Familie Heflik. Das Thema hat dafür gesorgt, dass nicht nur Hundebesitzer ins Gespräch gekommen sind. „Vielleicht schaffen wir es ja, wenn die Baumaßnahme überwunden ist, das mit einem kleinen Straßenfest zu würdigen“, sagt Sybille Dietrich. Denn Falkenhain ist viel zu schön, als dass jeder nur auf seinem eigenen Grundstück sitzt.

Von Marlies Schnaibel

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