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20 Jahre Leonardo-da-Vinci-Campus

Irene Petrovic-Wettstädt über den aufregenden Start, Vorurteile und eine Vision 20 Jahre Leonardo-da-Vinci-Campus

Vor 20 Jahren gründeten sieben Enthusiasten einen Verein, der das Freie Gymnasium Nauen initiierte und betrieb. Daraus ist mit der Zeit ein 4,5 Hektar großer Campus mit mehreren Schulen, einer Kita und einem Internat entstanden. 1100 Kinder und Jugendliche lernen beziehungsweise werden dort betreut.

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Irene Petrovic-Wettstädt hat den Campus initiiert.

Quelle: Andreas Kaatz

Nauen. Dr. Irene Petrovic-Wettstädt (55) ist geschäftsführende Gesellschafterin der Da-Vinci-Campus Nauen gGmbH. Vor mehr als 20 Jahren initiierte Sie die Gründung des Campus an der Straße zu den Luchbergen. Am 26. Juni wird das Jubiläum mit vielen Gästen gefeiert.

MAZ: Frau Petrovic-Wettstädt, mit einem Freien Gymnasium hat es begonnen.  Hätten Sie geglaubt, dass es sich mal so entwickelt, zu einem Campus mit 1100 Schülern und Kita-Kindern?

Irene Petrovic-Wettstädt: Natürlich nicht. 1993/94 haben sich sieben Enthusiasten zusammengefunden, um über Pädagogik zu diskutieren. Das war der Anfang und er war ein besonderer, weil wir als Vertreter aus den neuen und alten Bundesländern  gemeinsam einen Verein gegründet haben mit der Idee, gute Ansätze aus der Bildung der DDR mit hinüberzunehmen und diese zu verbinden mit reformpädagogischen Ansätzen aus den alten Bundesländern.

Von wem stammte die Idee?

Petrovic-Wettstädt: Die Idee, dieses Schulprojekt zu machen, kam von mir.  Ich schrieb dazu mehrere Landerziehungsheime an, weil die Pädagogik dort eine ist, die  immer das Praktische mit dem Theoretischen sehr stark verbunden und den Schüler  als Ganzes im Mittelpunkt gesehen hat. Aus Marienau/Niedersachsen erhielt ich dann ein Schreiben von Wolf-Dieter Hasenclever, der Interesse hatte, in den neuen Bundesländern etwas  Alternatives zu machen. Hinzu kamen Kollegen von der Humboldt-Universität, wo ich bis kurz nach der Wende gearbeitet habe, sowie mein Mann. Wir gründeten einen Verein, der ab 1995 das Freie Gymnasium betrieb.

War Nauen als Standort vorbestimmt?

Petrovic-Wettstädt: Nein, wir hatten uns im Land Brandenburg in verschiedenen Ecken umgesehen. So wurden Standorte bei Königs Wusterhausen, Jüterbog und Vogelsang geprüft. Letztlich mussten wir aber feststellen, dass 1995 wegen der schwierigen Besitzverhältnisse eine schnelle Umnutzung unmöglich war. Herr Hasenclever hatte bereits ein Grundstück mit wenigen 1000 Quadratmetern im Gewerbegebiet Ost erworben. Nur dort war es realistisch, das Schulprojekt schnell umzusetzen. So kamen wir auf Nauen.

Zur Person

Irene Petrovic-Wettstädt stammt aus Königs Wusterhausen. Nach dem Lehrerstudium hat sie an der Humboldt –Universität promoviert, wo sie bis 1992 als wissenschaftliche Assistentin gearbeitet hat. Als Deutsch-Lektorin war sie bis 1990 im Ausland, ab 1992 Referentin im Landtag, bevor sie sich mit  Gründung des Freien Gymnasiums selbstständig gemacht hat.

Auf dem Gelände des Campus arbeiten 200 Angestellte, davon sind 150 Lehrer und Erzieher. Hinzu kommen 50 Angestellte im technischen Bereich.

Rund 1100 Kinder und Jugendliche werden auf dem Campus-Gelände unterrichtet beziehungsweise in der Kita betreut, die über 110 Plätze verfügt.

Das Gelände ist insgesamt 4,5 Hektar groß, wurde im Laufe der Zeit durch mehrere Grundstückskäufe erweitert. Elf Gebäude stehen auf dem Campus. Zuletzt wurden die Gebäude der benachbarten Wirtschaftsschule erworben.

Der Campus verfügt über eine Grundschule, eine Gesamtschule und ein Gymnasium. Es gibt eine Kita, einen Hort und ein Internat sowie einen Sportplatz und eine Sternwarte.

Am 26. Juni wird der Campus das 20-jährige Bestehen mit einem Fest mit vielen Gästen feiern. Es gibt unter anderem Kolloquien und Ausstellungen sowie ein Bühnenprogramm, das die 4 Profile „Ästhetik und Kunst“, „ Wirtschaft und Nachhaltigkeit“, „ Luft- und Raumfahrttechnik“ und „Sprachen mit dem International Baccalaureate“ vorstellt.

Wie war die Resonanz bei den Eltern zu Anfang, Sie fingen ja bei Null an?

Petrovic-Wettstädt:  Das ist richtig. Wir mussten ja schon im September 1994 den Schulantrag einreichen und als wir danach um Schüler geworben haben, stand noch nichts auf dem Gelände. Außer ein paar warmen Worten hatte ich für Schüler und Eltern nichts. Trotzdem haben sie sich überzeugen lassen.  

Warum?

Petrovic-Wettstädt: Für uns war von Vorteil, dass es noch nicht genügend gymnasiale Plätze gab. Und wir hatten von Anfang an ein Ganztagskonzept. Mit 45 Schülern in jeweils einer 7., 8. und 9. Klasse sowie mit fünf Lehrern ging es los.

Wie gelang es, den Zeitplan zu halten?

Petrovic-Wettstädt: Wir haben 1995 das Holzhaus in drei Monaten auf das Fundament montiert. Danach kam das zweite Haus fürs Gymnasium,  Anfang der 2000er gründeten wir dann die Grundschule. Parallel dazu hat sich das Internat entwickelt, 2005 kam der Hort, 2009 die Kita und danach die  Oberschule, die jetzt in eine Gesamtschule umgewandelt wurde.

Wie viele Gebäude stehen  auf dem Gelände?

Petrovic-Wettstädt:  Elf Häuser, von denen wir sieben selbst gebaut, eins umgebaut und zwei gekauft haben. Insgesamt wurden seit Beginn 12 Millionen Euro investiert.

Das hört sich nach einem großen finanziellen Wagnis an.

Petrovic-Wettstädt:  Es war ein Riesenwagnis angesichts der Wahrnehmung von freien Schulen in den neuen Bundesländern und es ist bis heute ein Risiko. Ich bürge für die Kredite mit meiner Person und garantiere der Bank, dass eine Refinanzierung der Kredite erfolgt. Den ersten  gab es erst 2002, nachdem die Bank gesehen hat: Das entwickelt sich toll. Aber es gab viele durchwachte Nächte und auch Zeiten, in denen wir uns Sorgen machen mussten.

Woher kommen Ihre Schüler?

Petrovic-Wettstädt: Viele kommen aus Berlin, aber auch aus Falkensee, Brieselang, Oranienburg oder Potsdam. Aber es gibt auch immer mehr Nauener. Wir bieten eine Rundumversorgung. Die Eltern wissen ihr Kind hier gut und sicher aufgehoben von 7 bis 18 Uhr. Dafür bezahlen sie auch Schulgeld.

Es gibt das Vorurteil, private Schulen können sich nur betuchte Eltern leisten….

Petrovic-Wettstädt: Das ist ein Vorurteil, das Menschen mit sich herumtragen, die sich mit dem Grundgesetz nicht auskennen. Jeder kann hierher kommen und wird sehen, dass wir auch viele Kinder von Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern bei uns haben, die wir genauso unterstützen wie Kinder von Eltern, die Vollzahler sind. Wir haben ein einkommensabhängiges Schulgeld.

Wird es weitere Bautätigkeiten auf dem Campus geben?

Petrovic-Wettstädt: Wir haben alles, was wir brauchen. Das einzige, was uns Sorgen macht, ist der Sportplatz. Den würden wir gerne größer machen und rekonstruieren. Dazu benötigen wir 850 000 Euro.  Das schaffen wir aber allein nicht.

Wie wurde es damals in Nauen gesehen, dass sich eine private Schule ansiedelt?

Petrovic-Wettstädt:  Es war generell für die Bürger in den neuen Bundesländern etwas komplett Neues, dass man für Schule Geld bezahlen soll. Es war wie ein kleiner Donnerschlag. Allerdings bin ich in Nauen damals auf Bürgermeister Appel gestoßen, der sich offen zeigte. Da hatte ich das Gefühl,  da ist man offen für reformpädagogische Gedanken. Er hat es auch sehr positiv begleitet und uns unterstützt.

Und wie sieht’s heute aus?

Petrovic-Wettstädt: Man kann bis heute in Nauen spüren, dass einige Nauener noch ein wenig fremdeln. Ich habe nicht immer den Eindruck, dass unser Campus zu Nauen gehört. Es gibt Bürger, die nicht wissen, dass es den Campus gibt, was ich zutiefst bedaure. Wir tun sehr viel dafür, uns zu öffnen und für die Stadt etwas zu leisten. Ich kann gar nicht nachvollziehen, dass es ein so langer Weg ist. Ich bin überzeugt, das wird der Generationenwechsel bringen. Wie sich die Stadt zu uns stellt, muss sie selbst beziehungsweise müssen die Stadtverordneten entscheiden. Eine lebendige Bildungslandschaft bereichert Nauen als prosperierendes Mittelzentrum auf jeden Fall. Und da haben wir als gemeinnützige Gesellschaft die Vision, dass in 5 Jahren unser homogener Schulcampus mit seinen 4 inhaltlichen Profilen als Modellprojekt für das Land Brandenburg Nauen zu einer Bildungsmetropole mit besonderem Ruf werden lässt.

Von Andreas Kaatz

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