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Dallgow-Döberitz Mieter bibbern in Haus ohne Heizung – und die Gemeinde will nicht sanieren
Lokales Havelland Dallgow-Döberitz Mieter bibbern in Haus ohne Heizung – und die Gemeinde will nicht sanieren
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16:53 14.03.2019
Detlev Conrad wohnt seit 1991 im dem gemeindeeigenen Gebäude und möchte auch seinen Lebensabend in dem Haus verbringen. Quelle: Danilo Hafer
Dallgow-Döberitz

Eine Heizungsanlage gibt es nicht, wer es warm haben möchte, muss Kohlen und Holz schleppen. Badezimmer und Toiletten befinden sich im unbeheizten Keller. Im Treppenhaus blättert der Putz von der Wand.

Schlechter Zustand

In dem Haus in der Dallgower Charlottenstraße 6, das sich im Besitz der Gemeinde Dallgow-Döberitz befindet, scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, im negativen Sinn. Dies ist vor allem für die Mieter eine Belastung.

Leere Wohnungen

„Ich kämpfe schon seit Jahren dafür, dass hier mal was passiert“, sagt Detlev Conrad. Der 68-Jährige wohnt schon seit 1991 in dem Altbau. Von den ursprünglich sechs Mietparteien sind heute nur noch Conrad und ein weiterer Mieter geblieben. Die restlichen Wohnungen stehen leer. „Nebenan in dem Haus, das auch der Gemeinde gehört, wohnt noch eine junge Familie, unter ähnlichen Umständen“, sagt Conrad.

Der Dallgower hat in den vergangenen Jahren immer wieder selbst Hand angelegt an seiner Wohnung und auf dem Grundstück, um es ein Stück lebenswerter zu gestalten.

Kalte Küche

„Ich habe mir in der Küche einen Bereich für Dusche und WC geschaffen, damit ich nicht immer in den kalten Keller runtergehen muss“, sagt er. Die Decke in der Küche hat er zudem abgehängt, um etwas weniger Fläche heizen zu müssen. „Im Winter waren es manchmal nur fünf Grad in der Küche, das war ja kein Zustand.“ Den Kohleherd hat er gegen einen Gasbetriebenen ausgetauscht.

In Conrads Wohnzimmerschrank steht ein dicker Ordner mit Briefen, die er immer wieder an die Hausverwaltung geschrieben hat. Einige stammen noch aus den 90er Jahren. „Damals ging es vor allem darum die Jauchegruben anzuschließen und den Hof von Gerümpel zu befreien“, berichtet er.

Auch die MAZ hatte seinerzeit schon über die Zustände berichtet, wie Conrad mit ausgeschnitten Zeitungsartikeln belegt. Geändert habe sich nichts. Dabei gilt für den Mieter: „Es heißt doch: Eigentum verpflichtet“, so Conrad.

Teure Sanierung

Eigentlich hatte die Gemeinde Dallgow-Döberitz geplant, das Haus für rund 670 000 Euro zu sanieren. Die Mieter hätten während der Sanierung im Haus bleiben können. Dies wurde von der Gemeindevertretung im Februar jedoch abgelehnt.

Debatte über Verkauf

Die Kosten seien schlichtweg zu hoch für das zu erwartende Ergebnis. Aus Sicht vieler Gemeindevertreter wäre es nur eine teure Renovierung, aber keine wirkliche Sanierung nach heutigen Standards gewesen. Nun geht es um die Frage, ob das Haus verkauft werden soll.

Der Hauptausschuss sollte dazu Mittwochabend eigentlich eine Empfehlung geben. „Das Ergebnis war jedoch ausgeglichen, es gab keine Einigkeit“, erklärte Bürgermeister Jürgen Hemberger (FWG). Nun müsse die Sitzung der Gemeindevertreter am 27. März abgewartet werden.

„Es muss einfach eine Entscheidung getroffen werden, ob hier Geld investiert werden soll oder nicht. Gar nichts zu machen, das ist keine Alternative“, so Hemberger.

Auch Detlev Conrad wünscht sich, dass endlich etwas passiert. „Ich möchte hier gerne meinen Lebensabend verbringen“, sagt er. Dafür müsse das Haus auch gar nicht Luxussaniert werden. Es bräuchte ein neues Dach und die groben Mängel sollten behoben werden. „Eine richtige Heizung wäre schon ein Fortschritt.“

Von Danilo Hafer

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