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Havelland Dallgow: Gesprächsforum mit Matthias Platzeck
Lokales Havelland Dallgow: Gesprächsforum mit Matthias Platzeck
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16:20 23.03.2016
Matthias Platzeck kritisierte die Flüchtlingspolitik. Quelle: Foto: Peter-Paul Weiler
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Dallgow-Döberitz

Mit der Hoffnung auf Antworten waren rund 80 Besucher am Dienstagabend in die Dallgower Tanzschule Alround gekommen. Auf eine kontroverse Diskussion zum Thema Zuwanderung warteten sie bei dem von der Sozialdemokratischen Gesellschaft für Politik und Kultur organisierten Gesprächsforum jedoch vergebens.

Herausforderung wurde gemeistert

„Wir schaffen das“ – um diesen in der Vergangenheit scharf kritisierten Satz von Bundeskanzlerin Angela Merkel drehte sich der mit Spannung erwartete Abend mit Matthias Platzeck (SPD), dem langjährigen Ministerpräsidenten von Brandenburg, Martin Gorholt, dem SPD-Landratskandidaten, Militärhistoriker Harald Potempa und dem Dallgower Bürger Christian Thamm. In einem waren sich alle einig: Zu lange wurden die Bilder aus Lampedusa und die Hilferufe aus Italien ignoriert, wichtige Grundlagen, wie ein Einwanderungsgesetz, nicht geschaffen. Zu ungeregelt, zu unplanmäßig sei das vergangene Jahr abgelaufen. „Es war eine große Herausforderung, die nur dank der vielen ehrenamtlichen Helfer gemeistert werden konnte“, so Platzeck, der jedoch mit großem Bedauern erlebt habe, dass viele Menschen in so kurzer Zeit politisch nach rechts gerückt seien. „Wie wird erst gewählt, wenn wir uns in einer wirtschaftlichen Notlage befinden? Das macht mir Angst“, so der ehemalige Ministerpräsident.

Ausgrenzung vorbeugen

„Viele fühlen sich von der Gesellschaft ausgegrenzt, sind arbeitslos und sehen keine Perspektive. Wir müssen etwas tun, nicht nur psychologisch, sondern auch materiell, um sie nicht den Rechten auszuliefern – das wäre schädlich fürs Havelland“, bekräftigte Martin Gorholt. „Schon jetzt gibt es im Havelland jedoch einen großen Mangel an Arbeitskräften. Die Flüchtlinge sind in Zeiten des demografischen Wandels eine große Chance nichts an unserer Wirtschaftskraft einzubüßen.“ Ein Einwanderungsgesetz sei dafür dringend notwendig. 200 000 Arbeitskräfte würden in Brandenburg gebraucht – in der Pflege oder als Facharbeiter. Die Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt zu integrieren sei allerdings noch ein langer Weg. 30 Millionen Euro seien allein für 300 neue Lehrkräfte in Brandenburg vorgesehen. An Räumlichkeiten und qualifiziertem Personal mangele es jedoch, so Gorholt.

Unmut und Bedenken

Konkrete Fragen aus dem Publikum zur Flüchtlingssituation im Havelland gab es am Dienstagabend nur wenige. Zu oft wichen Forum und Zuschauer vom eigentlichen Thema ab. Die Gemeindegebietsreform, perspektivlose Jugendliche oder auch die Situation behinderter Menschen im Landkreis nahmen der Diskussion immer wieder den Wind aus den Segeln. Unmut über die derzeitige Flüchtlingssituation war im Raum jedoch deutlich spürbar, das Publikum enttäuscht über offensichtlich unzureichende Antworten. So recht äußern wollte sich aber kaum jemand. Mangelnde Information, die Angst vor Radikalisierung in Flüchtlingsunterkünften oder vor dem Unwillen zur Integration, aber auch fehlende Schulplätze und Beschäftigungsangebote für Flüchtlinge wurden angesprochen. Mit den aufgezeigten Lösungsansätzen war ein Großteil der Zuschauer nicht zufrieden – sie blieben skeptisch.

Von Laura Sander

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