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Dallgow hat historischen Boden

Archäologie Dallgow hat historischen Boden

Der Verein für Unterwasserarchäologie Berlin-Brandenburg hat seinen Sitz im eher wasserarmen Dallgow-Döberitz. Hier wohnt Vereinsvorsitzende Dietgard Kühnholz. Und die kennt sich auf dem historischen Boden ihres Wohnorts ebenso aus wie auf dem Grund der Brandenburger Seen.

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Im Schwimmbad: Unter-Wasser-Schreiben und Zeichnen muss gelernt werden.

Quelle: Verein

Dallgow-Döberitz. Der Verein für Unterwasserarchäologie Berlin-Brandenburg hat seinen Sitz in Dallgow-Döberitz. Der Ort zeichnet sich mit Schwanengraben und Egelpfuhl nicht gerade als besonders wasserreich aus. Die Fäden der Unterwasserarchäologie laufen trotzdem hier zusammen, weil die Präsidentin des Vereins in Dallgow lebt. Dietgard Kühnholz führt von hier aus den kleinen Verein, der Archäologen, Sporttaucher und interessierte Laien vereint.

Dietgard Kühnholz stammt aus Westfalen, hatte in Kiel und Berlin Archäologie studiert. „Berlin war nicht meins“, sagt sie, also nicht zum Wohnen. Deshalb zog sie mit Familie vor einigen Jahren ins grüne Dallgow.

Dietgard KühnholZ

Dietgard KühnholZ: Dallgow ist schon immer ein bevorzugter Siedlungsort.

Quelle: Marlies Schnaibel

„Dallgow war schon immer ein Ort, der gerne aufgesucht wurde“, sagt sie. Und sie sagt es als Fachfrau. Einen siedlungsgünstigen Raum nennen die Archäologen das. Ob Eisenzeit, römischen Kaiserzeit und frühen Völkerwanderungszeit, ob mittel- und spätslawische und frühdeutschen Periode – in Dallgow sind die Archäologen fündig geworden. Bei der Erweiterung der B5 war vor mehr als 20 Jahren eine große germanische Siedlung freigelegt worden. 27 Brunnen und 100 Gebäude konnten nachgewiesen werden. Dietgard Kühnholz hatte im Ort einige Grabungen begleitet. „Fundplatz 23“, nennt sie, „am Dallgower Dorfanger wurden Belege für frühdeutsche Besiedlung gefunden, aber darunter Spuren von früheren Siedlungen bis zur Eisenzeit.“ An der Bahnhofstraße finden sich weitere Fundplätze. „Da gab es spektakuläre Funde“, schwärmt die Expertin. „Die Dallgower können stolz sein.“

Das Spektakuläre im Schlamm

Sie weiß, dass das „Spektakuläre“ sich dem Laien oft nicht leicht erschließt. Das sind eben keine Goldschnallen oder farbige Tongefäße, sondern die Fachleute schauen nach Bodenverfärbungen, kommen da zu Holzresten und können Schlüsse ziehen. „Wichtiger als der Fund ist der Befund“, sagt Dietgard Kühnholz, also das Umfeld des gefundenen Objektes, das eine Zuordnung und Interpretation zulässt. „Aus dem Zusammenhang von Fund und Befund spricht die Geschichte zu uns.“ Und das archäologische Prinzip ist unter Wasser nicht anders. Die Arbeit hat allerdings einige Besonderheiten. „Sie ist körperlich anstrengend, es ist kalt, die Zeit ist knapp. Und meistens sieht man nichts“, erzählt sie. Schnell ist der Boden aufgewühlt. „Wenn man seine Hände noch sieht, sieht man viel“, sagt sie. Deshalb gehört zu den ersten Übungen auf dem Weg zum Unterwasserarchäologe das Ruhig-im-Wasser-Schweben - wie ein Hecht im Wasser stehen, bloß nichts aufwirbeln. Die nächste Übung: das Unter-Wasser-Schreiben.

Trainiert wird im Schwimmbad

Die Vereinsmitglieder treffen sich regelmäßig, trainiert wird in der Schwimmhalle, getaucht wird in Brandenburger Seen. Auch beim Ausbau des Wustermarker Hafens waren Vereinsmitglieder im Einsatz.

Netzsenker, Gefäßreste, Eisengaben, Tonpfeifen – alles wurde schon gefunden. Und Holzreste, die im Sediment recht gut konserviert sind, die Jahrhunderte überdauert haben und vor allem von slawischer Besiedlung künden. Der Verein hat sich das Ziel gesetzt, die Funde zu dokumentieren und zu schützen. Sie werden vermessen, gezeichnet, fotografiert und analysiert. Wer dazu mehr wissen oder mitmachen will, ist zu den monatlichen Treffs des Vereins eingeladen.

Von Marlies Schnaibel

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