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Havelland Dallgow punktet mit viel Grün
Lokales Havelland Dallgow punktet mit viel Grün
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12:33 05.04.2016
Beliebtes Naherholungsgebiet: Der alte Egelpfuhl wurde nach der Wende wieder freigelegt. Quelle: Tanja M. Marotzke
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Dallgow-Döberitz

Karl May hatte bekanntlich viel Fantasie. Die führte ihn nach Amerika, aber auch nach Dallgow. In seinen „Historischen Erzählungen“ geht er mit seinen Lesern ins Jahr 1413 und lässt Raubritter Kaspar Gans zu Putlitz in Dallgow „im besten Haus des Dorfes“ absteigen. Während des Mittagmahls wird dieser von seinen Feinden aufgespürt, Hans von Röder verhaftet den Putlitz, einen wichtigen Verbündeten der von Quitzows und ein Gegner des Kurfürsten Friedrich I. von Hohenzollern. Die Gefangennahme verlief wohl recht friedlich, Putlitz durfte noch sein Mittagsmahl beenden. Andreas Krüger kennt die Geschichte genau. Er interessiert sich für historische Belange und ist so etwas wie der Nachfolger von Manfred Kluger geworden, wenn es um die Ortsgeschichte geht. Aber nicht die Historie hatte Krüger nach Dallgow-Döberitz geführt, sondern die Suche nach einem Wohnort im Grünen. „Wenn man aus Berlin rauskommt und man gleich hinter der Stadtgrenze links und rechts die Felder sieht, dann ist das wie ein Aufatmen“, beschreibt er seine Pendlererfahrungen.

Ein Ort mit markanten Bauten und grünen Oasen

Mit seiner Freude am Grün steht er nicht allein da. „Es ist das Argument Nummer 1, wenn Leute hier eine Wohnung suchen“, hat Kay-Uwe Romoth ausgemacht. Er arbeitet für die SEND, die Stadtentwicklungsgesellschaft Neu-Döberitz. „Die Natur, die Verkehrsanbindung nach Berlin und die Infrastruktur mit Schulen und Kitas machen Dallgow-Döberitz so attraktiv.“ Die Gesellschaft war 1994 gegründet worden, um aus der Garnison Dallgow einen Wohnstandtort zu machen. Das Areal zwischen Wasserturm und Rohrbeck wurde komplett umgegraben, um alle Altlasten aus dem Jahrzehntelang militärisch genutzten Gelände zu bekommen. Ein großer Aufwand, den der Standort aber anders wieder wettmachte: Die vorhandenen Baumalleen geben dem Gelände einen besonderen Charme, den keine neue Siedlung auf dem flachen Feld erreichen kann. „Die Topographie hat uns etwas Schönes vorgegeben“, beschreibt Kay-Uwe Romoth die Lage zwischen Schwanengraben und Egelpfuhl. 720 Grundstücke sind bereits verkauft, für 120 weitere gibt es noch Planungen. „Und weit mehr Interessenten als Angebote“, sagt der Send-Mitarbeiter zum aktuellen Kaufinteresse.

Laufen in der Döberitzer Heide

„Man staunt, was alles entstanden ist“, sagt Peter Weiß. Er ist vor fast 30 Jahren nach Dallgow gezogen. Gleich 1990 hat er sich selbstständig gemacht, hatte im Havelpark ein Küchenstudio und 2004 im Gewerbegebiet Sperlingshof sein eigenes Geschäft gebaut. Er verfolgt genau, was in seinem Wohnort passiert. „Dallgow kann sich nicht beschweren, der Ort hat sich positiv entwickelt“, sagt er, „wir haben alles. Es ist ein Top-Standort zum Wohnen.“ Dabei denkt er auch an die Döberitzer Heide. Er selbst ist begeisterter Läufer und hat im vergangenen Jahr dazu beigetragen, mit dem Sportverein den Heidelauf wieder Leben einzuhauchen. In diesem Jahr wird wieder gelaufen. Am 18. Juni ist Kondition gefragt. „Die Heide ist herrlich“, sagt Peter Weiß, „für Läufer, für Wandersleute, für sportliche Radfahrer.“

Sportlich hat die Gemeinde überhaupt viel zu bieten. Der 1947 gegründete SV Dallgow hat mehr als eintausend Mitglieder, muss sogar Wartelisten führen, mehr geben die Sportplätze nicht her.

Im Vergleich dazu sieht es kulturell eher dürftig aus. Eine Bibliothek und eine Galerie werden mit viel Engagement geführt, aber Raum für Veranstaltungen gibt es kaum. Vor Jahren hat der Verein Gukda mit enormen Kraftaufwand Veranstaltungen auf die Beine gestellt. In den stattlichen Villen am Bahnhof und im alten Ortskern von Dallgow haben Kulturschaffende des Ortes gezeigt, welches kreative Potenzial in der Gemeinde steckt. Aber diese Aktionen und der vergebliche Kampf für den Erhalt des denkmalgeschützten Casinos haben Kräfte gekostet. Der Verein ist etwas eingeschlafen, die meisten Mitglieder sind berufstätig und haben Familie. „Aber es gibt uns noch und wir wollen weiter wirken“, sagt die Vereinsvorsitzende Stefanie Herrmann, so wollen die Gukda-Leute beim Bibliotheksfest Ende Mai mitmachen und wieder in Erscheinung treten.

Für die Sängerin Stefanie Herrmann war 2007 die Entscheidung gefallen, Berlin hinter sich zu lassen und nach Dallgow zu ziehen. „Vor allem wegen der Kinder und des Grüns“, sagt sie. Bereut hat sie die Entscheidung auf keinen Fall. Damit ist so etwas wie der Prototyp des Neu-Dallgowers. Nämlich raus aus der Hauptstadt, rein ins Grüne. So ist es auch Ralf Böttcher gegangen. „Wir wollten die hektische, auch mal aggressive Großstadt verlassen“, sagt der ehemalige Polizist. Und erzählt gern die Geschichte, als der Westberliner 1988 mit den Kinder auf dem Fort Hahneberg zum Drachensteigen war. „Meine Frau und ich schauten rüber nach Seeburg und sagten: Wenn man so im Grünen leben könnte.“ Später hat er in Neu-Döberitz gebaut. „Wir wollten raus ins Grüne, auch in der Hoffnung, dass der Flugzeuge mal verschwinden.“ Das mit den Flugzeugen hat nicht geklappt, trotzdem sagt Böttcher: „Wir sind total zufrieden.“ Selbst seine Kinder sind mit ihren Familien nach Dallgow gezogen.

Dörflicher Charme und urbaner Charakter

Die Zufriedenheit hat bei Ralf Böttcher auch eine andere Quelle. Er fühlt sich als Teil der Gemeinde. Vor einigen Jahren ist er mit seinem Nachbarn mal wegen eines Problemes in den Bauausschuss gegangen. „Da habe ich gestaunt: Das ist ja total interessant, was die da machen“, erinnert er sich. Wenig später kandidierte er selbst für die Gemeindevertretung. Ralf Böttcher kommt mit den Leuten schnell ins Gespräch, er hat Freude dran zu sehen, wie der Ort wächst und gestaltet wird. „Ich mag die Mischung aus dörflichem Charme und urbanem Charakter.“ Das soll erhalten bleiben, findet er. Spannend ist deshalb für ihn auch die Gestaltung der neuen Mitte der Gemeinde.

Die neue Mitte wächst um den alten Bahnhof. Der liegt kurioserweise weder bei Dallgow, noch bei Rohrbeck, sondern genau in der Mitte. Als 1871 die Bahnstrecke Berlin-Lehrte gebaut wurde, wollen die Dörfler keine Bahnhof in der Nähe. Lehrer Maschkewitz hatte damals aufgeschrieben warum, der Halt so mittendrin lag: „weil beide Dörfer aus Furcht von Funkenflug, Lärm, Erschütterungen und insbesondere weniger Milchleistung der Kühe gegen das Eisenbahnprojekt votierten.“ Schöner hätte es Karl May auch nicht aufschreiben können.

Von Marlies Schnaibel

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