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Havelland Dallgow stolpert über Stolperstein
Lokales Havelland Dallgow stolpert über Stolperstein
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10:03 17.02.2015
2013 kam Gunter Demnig ins Havelland und verlegte Stolpersteine in Ribbeck und Falkensee. Quelle: Marlies Schnaibel
Havelland

Rüdiger Schäfer hat alles versucht, seit mehr als sechs Jahren gehört er zu denen, die sich in Dallgow-Döberitz um die Verlegung eines Stolpersteins bemühen. Damit soll an das jüdische Ehepaar Katz erinnert werden, das in der Nauener Straße wohnte. Im jüngsten Sozialausschuss war das Thema erneut besprochen und dann erneut vorschoben worden. „Man will noch mal die Leute hören, die jetzt in dem Haus wohnen“, erklärte Rüdiger Schäfer enttäuscht angesichts der weiteren Verzögerung. Denn die Meinungen seien doch alle bekannt, die dort wohnende Frau hatte sich gegen einen solchen Stein ausgesprochen, er würde sie täglich an das eigene Leid erinnern, ihr Vater war 1945 von den Russen ins Internierungslager Fünfeichen gebracht worden, wo er starb.

Richard Katz aus Dallgow. Das Bild hat Rüdiger Schäfer aus Amerika besorgt. Quelle: Repro Marlies Schnaibel

Dallgow hat eine Spezifik

Dallgow hat eine Spezifik“, sagte Thomas Lenkitsch von der Falkenseer Arbeitsgruppe Stolpersteine über die dortige Blockade. 19 Steine sind seit 2006 in Nauen, Falkensee und in Ribbeck verlegt worden. „Nie gab es solche Diskussionen oder Widerstände wie in Dallgow“, sagte Lenkitsch. Etwa bei den drei Steinen, die am 28. März verlegt werden sollen.

Zum ersten Mal wird dann in Brieselang mit einem Stolperstein ehemaliger Nachbarn gedacht. „Wir wollen an das Verfolgtenschicksal erinnern“, sagte Ines Oberling von der Arbeitsgemeinschaft. „Das Schicksal kann ganz unterschiedlich sein.“ Das zeigen die Brieselanger Beispiele. So soll an Elisabeth Bethge erinnert werden, die in ihrer Jugend kommunistisch aktiv war und wegen Hochverrates ins Frauengefängnis Leipzig kam. Dort erkrankte sie so schwer, dass sie nach ihrer Entlassung 1943 starb. „Über die Frau war relativ viel bekannt, zu ihrem 100. Geburtstag ist die Straße in Brieselang nach ihr benannt worden“, erzählte Ines Oberling.

Am Anfang stand nur ein Satz

Bei anderen ist die Spurensuche schwieriger. „Oft haben wir nur einen Namen oder eine vage Erinnerung: Da soll mal ein Jude gelebt haben, der war dann weg“, beschrieb die Historikerin die Ausgangslage. Bei Helmut Riedel aus Brieselang war es ein Buch, dort war ein Brief seiner Mutter an den Direktor der Anstalt Neuruppin abgedruckt. Dorthin war ihr Sohn gebracht worden, ehe er in die Landesanstalt Bernburg verlegt und 1941 ermordet wurde. „Wir sind die ganze Straße abgelaufen, aber keiner kannte ihn, hatte jemals von der Familie gehört“, erzählte Ines Oberling. Die Spurensuche war mühsam, aber schließlich erfolgreich. Auch in Falkensee stand am Anfang nur ein Satz: „Da soll mal jemand gelebt haben, der manchmal in Frauenkleidern rumlief und dann weg war.“ In Waldheim wurde geforscht, ehe der Name Karl Kar thun greifbar wurde. Der ehemalige Kellner war ebenfalls in der Landesanstalt Bernburg eingewiesen und ermordet worden.

Die Namen der Opfer

Marlies Schnaibel über die Schlichtheit der Stolperstein-Idee

Martin Karpinski – sein Name steht seit 2009 in Dallgow-Döberitz auf einem Stolperstein. Die kleine Messingplakette erinnert an den Schriftsteller und Pfarrer der Johannischen Kirche. Mit einem weiteren Stolperstein, der an das jüdische Ehepaar Katz erinnern soll, tun sich die Dallgower schwer und vermengen die Diskussion über Opfer der NS-Zeit mit denen, die nach 1945 starben. Damit wird man beiden nicht gerecht. Es gibt kein Aufrechnen mit einer Opferskala. An jeden Menschen soll erinnert werden können. Die Stolperstein-Idee besticht ja gerade durch ihre Schlichtheit. Ein kleiner Stein gibt den Opfern einen Namen. Stück für Stück wird daran erinnert, was Menschen ihren Mitmenschen angetan haben. So ein Stolperstein ist eine kleine, aber bestimmte Aufforderung, eben nicht wegzuschauen und nicht zu vergessen. Die Steine werden schnell zum Alltag, wie Falkenseer Beispiele zeigen, wo Schüler zu so einem Gedenkort gehen oder wo der Gertrud-Kolmar-Stein schnell im Internet als Geocaching-Punkt angegeben wurde.

Die Mitglieder der Arbeitsgruppe arbeiten ehrenamtlich, zahlen viel, was bei dem Recherchaufwand anfällt, selbst. „Das Geld für die Steinverlegung kommt über Spenden zusammen“, sagte Thomas Lenkitsch. Zusätzliches Geld soll nun eingeworben werden, um in einer Broschüre an die Verfolgtenschicksale zu erinnern. An diejenigen, die mit einem Stein geehrt wurden, und an die, die auch verfolgt, aber nicht „steinwürdig“ waren. „Manchmal reichen die Kenntnisse nicht für eine Würdigung“, sagte Ines Oberling. Oft gibt es auch heftige Diskussionen, so wie mit NSdAP-Mitgliedern umgegangen wird, die in der Endphase des Regimes selbst zum Opfer wurden.

Kontakt: Die AG Stolpersteine trifft sich wieder am 26. Februar um 19 Uhr im Haus am Anger von Falkensee.

Von Marlies Schnaibel

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