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Dallgower Bürgerbus auf Tour

Nahverkehr Dallgower Bürgerbus auf Tour

Seit Ende 2013 rollt der Bürgerbus in Dallgow-Döberitz. Mehr als 6000 Fahrgäste wurden im vergangenen Jahr gezählt. Möglich machen das 14 ehrenamtlich Männer und eine Frau. Sylvia Stolze ist die einzige Frau am Bürgerbus-Steuer.

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Sylvia Stolze gehört zum Fahrerteam des Dallgower Bürgerbusses.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Dallgow-Döberitz. Die roten Mützen sind neu. „Die sollen wir jetzt tragen“, sagt Sylvia Stolze und stülpt die Mütze auf ihr Kurzhaarfrisur. Aber auch ohne die Kopfbedeckung wären die Dallgower Bürgerbusfahrer nicht zu übersehen. Der rote Kleinbus ist zu einem Markenzeichen geworden.

Sylvia Stolze ist die einzige Frau in dem Dutzend Dallgower Bürger, die den Bus regelmäßig steuern. Das Konzept „Bürger bewegen Bürger“ funktioniert seit mehr als zwei Jahren. Und es funktioniert gut. Auch wenn die Gemeinde und Busunternehmen die Idee unterstützen – ohne das große Ehrenamt der Busfahrer wäre so eine Idee nicht umzusetzen. Bei Sylvia Stolze war es der Mann, der davon in der Zeitung las und sagte: „Die suchen Fahrer, willst’e nicht mitmachen?“ Die sportliche 62-Jährige überlegte damals nicht lange. Sie hatte Fahrerlaubnis und auch den nötigen kleinen Personenbeförderungsschein in der Tasche. Eigentlich hatte sie mal technische Zeichnerin gelernt, sich dann aber schon zu DDR-Zeiten als Meister in Glas- und Gebäudereinigung selbstständig gemacht. Und in der Bürgerbus-Truppe hat sie sich gleich wohl gefühlt.

Regelmäßig drehen sie ihre Runden, fahren nach einem festen Fahrplan. Die Grundregel lautet: „Lieber zu spät als zu früh.“ Es sind eben meist Ältere, die den Bus nutzen. Da wird eher noch mal gewartet, wenn ein Fahrgast nicht einsteigebereit dasteht. „Es gibt nichts Schöneres, als wenn die Leute sagen: ,Ach da sind Sie ja wieder’ oder ,Ich freue mich, dass Sie uns fahren’“, erzählt Sylvia Stolze. Sie kommt mit jedem ins Gespräch, wobei das manchmal nicht schwer ist, denn der Bus ist wie eine Sozialstube oder wie eine rollende Dorfzeitung. „Man erfährt immer was Neues“, sagt Jörg Mathis. „Man kann sich austauschen, wenn man will.“ Mit Sylvia Schulze spricht der ehemalige Koch manchmal übers Kochen.

Aber Mathis ist in der Minderheit. Meist fahren ältere Frauen mit. „Das ist eine ganze Generation, die oft gar keine Fahrerlaubnis hat und wo die Männer inzwischen gestorben sind“, hat Sylvia Stolze beobachtet. Für diese Frauen ist der Bus, der kreuz und quer durch die Gemeinde fährt, ein Segen. „Man will ja nicht immer die Kinder fragen“, sagt Brigitte Schmidt. Sie wohnt seit fast 60 Jahren im Ort und steigt in Rohrbeck zu. Heute will sie am Bahnhof zum Einkaufen, manchmal fährt sie auch bis zum Havelpark, wo Tochter und Schwiegersohn arbeiten.

Der Havelpark ist auch das Ziel von Anna Böttcher. Sie hat eine Monatskarte und hat an der Bushaltestelle eine Bekannte getroffen. Gemeinsam geht es zum Einkaufszentrum. „Unser Vergnügungspark“, lacht die 85-Jährige herzhaft. Dort wird zwei Stunden rumgeschlendert, vielleicht ein Kaffee getrunken, dann geht es mit dem Bürgerbus zurück. „Immer freundlich, immer pünktlich“, lobt Anna Böttcher.

Naja, immer pünktlich vielleicht nicht, winkt Sylvia Stolze ab. Manchmal ist es schwer, in den engen Straßen bei Gegenverkehr durchzukommen. „Die Müllfahrzeuge lassen uns nicht durch, da müssen wir warten“, sagt sie. Aber viele sind rücksichtsvoll und kennen den Bus. Von der Straße wird gewunken. Es geht persönlich zu in dem roten Acht-Sitzer. Und das in einer Gemeinde mit fast 10000 Einwohnern.

Viele Fahrgäste kennt man mit den Jahren ganz gut, sagt Sylvia Stolze, und denkt da zum Beispiel an eine 90-jährige Dame, die mit dem Bus zum Bahnhof fährt, um von dort nach Marzahn zum Computerkurs zu gelangen. Auch manche Krankengeschichte wird erzählt. „Einige fahren aber gar nicht zum Einkaufen oder zum Arzt, die fahren einfach nur eine Runde, um zu sehen, was sich getan hat“, erzählt die Frau am Steuer. Da wird dann geguckt: Ist das Storchennest in Rohrbeck schon bewohnt? Ach, die Bar am Sperlingshof hat geschlossen. Und hier am Bahnhof entsteht ein neues italienisches Restaurant? Warum sind denn die Bäume alle abgeholzt? Und wenn Sylvia Stolze oder die anderen Fahrer des Bürgerbusvereins keine Antwort wissen, dann weiß sie vielleicht einer der Fahrgäste. Und das waren im vergangenen Jahr 6075. Der Februar brachte in diesem Jahr mit 603 einen Fahrgastrekord für den Dallgower Bürgerbus. Der sichert den Fahrplan mit den ehrenamtlicher Fahrer ab.

Der Tourenplan kam die vergangenen Tage etwas durcheinander, weil die Bahnhofstraße gesperrt war. Ab Montag rollt der Bürgerbus wieder auf der gewohnten Tour.

Kontakt : zum Verein über www.bürgerbus-dallgow-döberitz.de

Von Marlies Schnaibel

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