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Havelland "Das Festival ist meine Vision"
Lokales Havelland "Das Festival ist meine Vision"
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17:40 23.07.2013
Das Leben hat Spuren auf seinen Armen hinterlassen: Carlos Fleischmann.  Quelle: OLIVER FISCHER
Paaren im Glien

MAZ: Herr Fleischmann, Sie haben immer gesagt, das Greenville-Festival sei Ihr persönlicher Traum. Wie ging es Ihnen im vorigen Jahr nach dem Aufwachen, als das letzte Konzert gespielt und die letzte Bühne abgebaut war?

Carlos Fleischmann: Ich war erstmal relativ müde und froh, dass es vorbei war. Es hat schon ziemlich viel Arbeit gemacht.

...und Geld gekostet. Sind Sie nach der Schlussrechnung ins Grübeln gekommen, ob Sie wirklich ein zweite Auflage riskieren wollen?

Fleischmann: Nein, wir sind ja sehenden Auges da hinein gegangen. Dass das Festival im ersten Jahr ein Zuschussgeschäft werden würde, war klar. Ich sehe es aber als Investition in die Zukunft.

Am Freitag beginnt das zweite Greenville-Festival. Werden Sie diesmal eine schwarze Null schreiben?

Fleischmann: Das wäre utopisch. Wir sind aber einen großen Schritt gegangen. Unser Ziel bleibt es, im dritten Jahr keinen Verlust mehr zu machen. Da bin ich auch zuversichtlich.

Draußen beginnen gerade die Aufbauarbeiten. Fühlt es sich für Sie anders an als beim letzten Mal?

Fleischmann: Zum einen haben wir einen deutlich besseren Kartenvorverkauf, das gibt uns ein besseres Gefühl, was die wirtschaftliche Lage angeht. Zum anderen hatten wir mehr Zeit und mehr Routine. Wir sind besser vorbereitet und haben auch unser Team verkleinert.

Wozu das?

Fleischmann: Im vorigen Jahr haben rund 250 freiwillige Helfer für uns gearbeitet. Die waren zum Teil unterbeschäftigt und auch schwer zu koordinieren. Diesmal wollen wir mit 60 bis 80 auskommen, die dann auch länger arbeiten. Davon abgesehen finde ich auch, dass uns beim Programm noch einmal eine Steigerung gelungen ist.

Was müssen Künstler mitbringen, damit sie auf dem Greenville-Festival auftreten dürfen?

Fleischmann: Qualität.

Das ist relativ.

Fleischmann: Stimmt. Sie müssen mir einfach gefallen, das ist das erste Kriterium. Ich buche und bezahle sie schließlich.

Wenn Sie nur das buchen, was Ihnen gefällt, dann haben Sie einen breiten Musikgeschmack. Im vorigen Jahr sind auch die Techno-Haudraufs von Scooter aufgetreten. Gefallen Ihnen die auch?

Fleischmann: Ich breche seit Jahren eine Lanze für Scooter. Die machen eine Wahnsinnsshow. Zuweilen höre ich das auch im Auto.

Auf solche extremen stilistischen Ausreißer haben Sie diesmal aber verzichtet.

Fleischmann: Am Sonntag treten Scala und Kolacny Brothers auf, ein Frauenchor. Auch nicht unbedingt typisch für ein Rockfestival.

Fragen Sie die Bands an oder kommen die Künstler auf Sie zu?

Fleischmann: Sowohl als auch. Frittenbude haben wir einen Tag nach Ende des letzten Festivals gebucht. Sie hatten angefragt. Sie mochten, was wir auf die Beine gestellt haben. Nick Cave hat auch selbst angefragt. Auf andere bin ich zugegangen. Wir hatten gute Presse, so dass es einfach war, die Künstler zusammenzubekommen. Ich mache das ja aber auch nicht erst seit gestern.

Welche Künstler, die Sie jetzt nicht bekommen haben, wollen sie noch beim Greenville sehen?

Fleischmann: David Bowie fände ich gut, oder Rammstein. Wir sind da in Gesprächen, ich bin zuversichtlich.

Und auf welche Bands freuen Sie sich diesmal ganz besonders?

Fleischmann: Alle. Die meisten kenne ich ja auch, weil ich mit ihnen schon länger zusammenarbeite. Aber Katzenjammer habe ich selbst noch nie gebucht. Da bin ich gespannt.

Wirklich anschauen können Sie sich das Festival aber nicht, oder?

Fleischmann: Keine Chance. Ich sehe hier und da mal ein, zwei Songs, mehr geht nicht, dafür ist zu viel zu tun.

Für einen großen Traum, den Sie sich erfüllt haben, sind ein, zwei Songs hier und da ganz schon wenig.

Fleischmann: Es geht für mich eher darum, meinen Weg geradlinig zu gehen. Das Festival ist meine Vision, und diese Vision verfolge ich. Dafür muss man einiges tun, aber die Reaktionen beim letzten Mal haben gezeigt, dass die Richtung die richtige ist.

Welche Änderungen wird es für die Besucher geben.

Fleischmann: Schnelleres und besseres Bier. Das ist wahrscheinlich das Wichtigste. Wir werden diesmal einen kleinen Supermarkt auf dem Gelände haben. Der Shuttle fährt nicht nur von Brieselang, sondern nachts auch nach Spandau, so dass Besucher auf jeden Fall noch nach Berlin kommen.

Apropos Brieselang. Dort hatten sich im vorigen Jahr Anwohner über zu viel Lärm beschwert. Ist das geklärt?

Fleischmann: Wir drehen die Boxen jetzt etwas anders. Aber das war auch keine große Sache. Die Klagen gab es nur am Sonntag. Bei Dizzy Rascal war der Bass etwas laut, so dass er zwölf Kilometer über den Wald gerauscht ist.

Und die Paarener?

Fleischmann: Die haben wieder freien Eintritt. Am Donnerstag machen wir einen Tag der offenen Tür. Ich hoffe, dass viele kommen. Dort können sie sich dann akkreditieren, kommen auf die Gästeliste, sie bekommen dann ihr Bändchen und werden behandelt wie jeder andere Besucher auch.

Von Oliver Fischer

ZUM FESTIVAL

Das Greenville beginnt am Freitag um 16 Uhr auf dem MAFZ-Gelände in Paaren im Glien. Es treten unter anderem auf:

Am Freitag Ohrbooten, Thees Uhlmann, Fall out Boy, Bloodhound Gang, La Brass Banda, Westbam

Am Sonnabend Gentleman, Katzenjammer, Wu-Tang Clan

Am Sonntag Tocotronic, Kaiser Chiefs, Scala & Kolacny Brothers, Nick Cave & The Bad Seeds. ver

* * * * * * *

ZUR PERSON

Carlos Fleischmann, 42, stammt aus Bremen, wo er in einer Rockabillyband spielte und für diese Ende der Achtzigerjahre auch die ersten Konzerte buchte. Daraus entwickelte sich eine Geschäft. Sein Unternehmen Creative Talent
sitzt heute in Berlin und hat zwölf Beschäftigte. Fleischmann hat inzwischen Konzerte für viele bekannte Rock- und Popkünstler gebucht, darunter die Rolling Stones, Rod Stewart, Kylie Minogue, Amy Whinehouse und Scooter. Seit 2004 arbeitet er außerdem als Spielervermittler im Profifußball. ver

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