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Das Knöllchen-Kommando

MAZ begleitet Politesse in Falkensee Das Knöllchen-Kommando

Christiane Schenkewitz ist eine von drei Politessen im Ordnungsamt Falkensee. Die MAZ hat sie bei der Arbeit begleitet. Sie arbeitet seit sieben Jahren beim Ordnungsamt, sechs Jahre in Berlin-Lichtenberg, seit vergangenem Jahr in Brandenburg.

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Parken im Halteverbot oder Parkscheibe vergessen - das kann teuer werden.

Quelle: dpa

Falkensee. Bevor sie die Verwarnung ausdruckt, geht Christiane Schenkewitz nochmal auf Nummer sicher. "Gehört das Fahrzeug Ihnen?", fragt sie die Gäste in einem Café in der Bahnhofstraße, die gerade gemütlich frühstücken. "Nee, sonst wären wir schon längst aufgestanden", antwortet ein Mann, der Rest der Gäste schüttelt den Kopf. Also klemmt Sekunden später unter dem Scheibenwischer des schwarzen Citroën-Kombi der Bescheid für das Verwarngeld: Seit April macht das 10 Euro für Parken ohne Parkscheibe.

Im Verwaltungskatalog hat das Vergehen die Nummer 113300. Christiane Schenkewitz kennt sie auswendig, wie fast alle anderen Nummern auch. Sie arbeitet seit sieben Jahren beim Ordnungsamt ‒ sechs Jahre in Berlin-Lichtenberg, seit vergangenem Jahr in Falkensee. Die Unterschiede sind zu spüren. So gibt es in Falkensee keine Parkautomaten, dafür viele zeitlich begrenzte Parkplätze. "Hier geht es auch viel humaner zu. Aber manchmal haben wir auch Extremfälle. Da muss man auch mal Beschimpfungen und Beleidigungen aushalten", sagt Christiane Schenkewitz.

Um kurz nach neun Uhr tritt sie aus dem Ordnungsamt in der Poststraße, direkt davor liegt die Arbeit. Schild 314 ‒ mit dem Pfeil zur Fahrbahn ‒ weist darauf hin, dass ab hier geparkt werden darf, das Zusatzschild begrenzt die Parkzeit auf zwei Stunden. Bislang parken alle ordnungsgemäß, mit routiniertem Blick mustert sie im Vorbeigehen die Autos. Dabei kontrolliert sie auch die Tüv-Plaketten. Ist eine orange ‒ für das Jahr 2013 ‒ schaut sie genauer hin.

Weiter geht es in die Hansastraße. "Der junge Mann hat uns gesehen, der hat die Parkscheibe sicherlich reingelegt", sagt sie, als der gerade über die Straße in ein Sanitätshaus rennt. Christiane Schenkewitz redet gerne mit den Leuten, und die mit ihr. Hier ein freundliches "Guten Morgen", da ein "Im Schatten kann man es heute aushalten", manchmal ein persönliches "Helga, wie geht’s dir?" Sie sucht das Gespräch. "Wir gehören zum Stadtbild, die Leute kennen uns."

Zurück in der Poststraße ist ihre Kommunikationsfähigkeit wieder gefordert. Ein schwarzer Geländewagen hat keine Parkscheibe. Gerade als sie den Fall in ihren mobilen Computer eingeben will, kommt eine junge Frau über die Straße geeilt. "Stehe ich in der Einfahrt?", fragt sie erschrocken. "Nein, ich hätte aber gerne ihre Parkscheibe gesehen", antwortet die Frau vom Ordnungsamt. Die Autofahrerin entschuldigt sich. "Heute bleibt es bei einer mündlichen Verwarnung, aber bitte legen Sie die Scheibe nächstes Mal rein", sagt Schenkewitz. "Wenn die Verwarnung ausgedruckt ist, dann nehme ich sie nicht mehr zurück", erklärt sie später.

Der Halter eines schwarzen Opel hat weniger Glück. An der Windschutzscheibe hängt eine zerfledderte Parkscheibe, die auf 15Uhr eingestellt ist ‒ es ist erst halb zehn. Vergehen 113320, falsch eingestellte Parkscheibe. Christiane Schenkewitz fotografiert Parkscheibe, Nummernschild, Parkposition. "Wir machen die Fotos, weil viele sagen: ,Ich hatte ja eine Parkscheibe drinliegen’", erzählt sie. Dann surrt aus dem mobilen Drucker an ihrem Gürtel der kleine Zettel mit dem Bescheid: 10 Euro.

Inzwischen ist es elf Uhr, seit Dienstbeginn hat Christiane Schenkewitz neun Falschparkern ein Verwarnungsgeld ausgesprochen und weitere mit freundlichen, aber bestimmten Worten bedacht. "Es ist Urlaubszeit, das merkt man, da ist es weniger." Die Strecke bleibt für sie aber immer ähnlich, der Schrittzähler an ihrem Handy hat an einem Tag einmal über zehn Kilometer gemessen.

Von Stephan Henke

Im vergangenen Jahr wurden 14 061 KNöllchen verteilt

Die Stadt Falkensee sprach im vergangenen Jahr 14 061 Verwarnungsgelder aus. Im Haushalt wurde beim ruhenden und fließenden Verkehr mit Einnahmen von 186 200 Euro geplant. Dazu zählen auch die Verwarnungen durch den stadteigenen Blitzer.
Ein Jahr zuvor waren es 8394 Vergehen, die der Stadt insgesamt 100 069 Euro einbrachten.
Die Steigerung sei durch die Einstellung einer dritten Politesse zu erklären, teilte die Stadt mit.
Im Ordnungsamt sind 17 Mitarbeiter beschäftigt. she

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