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Das Leben ist ein Ponyhof

Schönwalde-Glien Das Leben ist ein Ponyhof

Peter und Heidi hatten ihre Besitzer einfach stehengelassen, als sie wegzogen; Pony Pedro konnte nach Jahren in einem winzigen Stall kaum noch laufen; und Scarlett, ein einjähriges Fohlen, war völlig traumatisiert und verängstigt. Drei schlimme Schicksale. Dank Christian Schuldt und Pamela Boujra haben aber alle aber ein gutes Ende gefunden.

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Ein Herz für Tiere: Pamela Boujra und Christian Schuldt.

Quelle: Philip Häfner

Schönwalde-Siedlung. Peter und Heidi hatten ihre Besitzer einfach stehengelassen, als sie in eine andere Stadt zogen. Pony Pedro konnte nach Jahren in einem viel zu kleinem Stall kaum noch laufen, für den Transport musste er von vier Männern in den Anhänger getragen werden. Und Scarlett, ein einjähriges Fohlen, gehörte früher einem Rentner, der mit ihrer Pflege, Haltung und Fütterung jedoch völlig überfordert war. Sie hatte Würmer, so dick wie ein Finger, war traumatisiert, apathisch und extrem verängstigt. Kurz bevor sie zum Schlachter sollte, wurde sie gerettet.

Drei Schicksale, die berühren

Drei Schicksale, die berühren. Drei Leidensgeschichten, die aber glücklicherweise ein gutes Ende gefunden haben. Peter und Heidi, Pedro und Scarlett leben heute auf dem Gnadenhof von Christian Schuldt und Pamela Boujra in Schönwalde-Siedlung. Aktuell halten die beiden dort zwölf Pferde und zwei Ziegen, die es sich auf dem neun Hektar großen Areal im ehemaligen Grenzstreifen, ganz in der Nähe der Steinernen Brücke, gut gehen lassen.

Seit sechs Jahren gibt es den Betrieb, der vom Veterinäramt des Landkreises mittlerweile als tierheimähnliche Anlage eingestuft wird. Angefangen hatte alles einst mit einem Reitpony für Pamela Boujras Tochter – erst mit der Zeit entwickelte sich das Ganze dann in Richtung eines Gnadenhofs. Mittlerweile melden sich Privatleute und Veterinärämter aus ganz Berlin und Brandenburg mit Fällen vernachlässigter Tiere.

Zehn Prozent Freude, 90 Prozent Arbeit

„Tierhaltung ist zu zehn Prozent Freude und zu 90 Prozent Arbeit“, sagt Boujra. Dessen seien sich viele nicht bewusst – bis ihnen die Sache irgendwann über den Kopf wächst. „Diese Fälle kommen dann zu uns“, sagt die 51-Jährige. Sie betont: „Wir sind keine Sammler, keine Tiermessis. Wir sind eine Notstation. Wir nehmen die meisten Tiere nur kurzfristig auf, päppeln sie wieder auf und suchen dann ein neues Zuhause für sie. Anders geht es auch gar nicht, sonst würden wir überlaufen.“

All das kostet Geld. „Meine Rente geht ausschließlich für den Hof drauf“, sagt Christian Schuldt. Als zusätzliche Einnahmequelle veranstaltet der Pferdehof deshalb Ponyreiten, außerdem verkauft Christian Schuldt das kräuterreiche Heu von seinen Wiesen als Futtermittel.

„Anders wäre es gar nicht zu finanzieren“, sagt er. Für die Kinder gibt es im Sommer an mehreren Wochenenden Aktionstage. „Mit dem verantwortungsvollen Umgang mit unseren Tieren wollen wir das praktische und das emotionale Lernen unserer Kinder fördern“, so Schuldt. Einige Schönwalder helfen ehrenamtlich mit, andere spenden regelmäßig Geld. In der Firma von Pamela Boujra sammeln die Kollegen altes Brot als Futter für die Tiere.

Keine finanzielle Unterstützung

Finanzielle Unterstützung von der Gemeinde Schönwalde-Glien oder vom Landkreis Havelland gibt es keine, auch wenn diese von mehreren Bürgern gefordert wird. Im Gegenteil: Nachdem Christian Schuldt früher die Wiese am Kindergarten in der Siedlung mähen und das Heu behalten durfte, hat ihm die Gemeinde das dieses Jahr nicht mehr erlaubt.

Trotzdem machen der 51-Jährige und seine Partnerin weiter wie gehabt. „Ich brauche das einfach, mit den Tieren zusammen zu sein“, sagt Schuldt. „Pferde haben mir einst über meine Krisen hinweggeholfen – nun möchte ich den Tieren etwas zurückgeben.“ In Zukunft soll der Hof sogar noch wachsen: Geplant ist ein so genannter Aktivstall, in dem die Pferde in keine Box eingesperrt sind, sondern sich frei bewegen können. „Aus meiner Sicht ist das die natürlichste Form der Pferdehaltung, denn Pferde sind ja Lauftiere“, sagt Pamela Boujra. Künftig soll der Gnadenhof zudem um eine Vogelvoliere und eine Kleintierabteilung für Hasen und Meerschweinchen erweitert werden. Bald soll es auch Kurse im gebisslosen Reiten, einer besonderen Form des Reitens; außerdem arbeitet man ab 2017 mit dem Verein Sterntaler zusammen, der Kindern aus schweren familiären Verhältnissen hilft. „Ihnen wollen wir mit unseren Tieren ein Lächeln in die Gesichter zaubern und ein paar unvergessene Momente schenken“, sagt Christian Schuldt.

Der neue Name ist „Hof Schlehenaue“

Einen neuen Namen für die Anlage gibt es auch schon: Hof Schlehenaue – benannt nach einer Pflanze, die auf dem Gelände üppig sprießt. Ein schönes, aber auch wehrhaftes Gewächs, in der Mythologie ein populäres Symbol für Durchhaltevermögen. „Es ist eine Metapher. Darin haben wir uns wiedererkannt“, sagt Pamela Boujra.

Von Philip Häfner

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