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Havelland Das Westhavelland rückt nach rechts
Lokales Havelland Das Westhavelland rückt nach rechts
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00:19 29.09.2017
Gruppenbild mit Kandidat: die SPD hat keinen Grund zum Jubel. Quelle: Bernd Geske
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Rathenow

Den ersten Nadelstich setzte die AfD am Sonntag nach 18 Uhr mit den Einzelergebnis aus dem Wahllokal im Rathenower Ortsteil Böhne. Mit 27 Prozent der Erststimmen holte AfD-Bewerber Klaus Riedelsdorf aus Brandenburg an der Havel – den in Böhne niemand kennen dürfte – ein Ergebnis, das ebenso gut war, wie das der späteren Erststimmensiegerin Dietlind Tiemann (CDU). Bei den Zweitstimmen wurde die AfD in Böhne stärkste Partei.

Noch ein Beispiel

Ein anderes Beispiel: Nitzahn im Milower Land. 41,6 Prozent der Erststimmen holte Klaus Riedelsdorf, Dietlind Tiemann bekam nur 25,7 Prozent der Stimmen. Der AfD-Mann weit in Führung. Das gilt auch für die Zweitstimme. 36 Prozent der Wahlberechtigten in Nitzahn wählten die AfD.

In einigen Wahllokalen musste man anstehen. Quelle: Uwe Hoffmann wort+bild

Auch, wenn das besondere Zahlen sind. Ergebnisse zwischen 20 und 30 Prozent waren für die AfD am Sonntag in den westhavelländischen Wahllokalen keine Seltenheit. Oft ließ die Partei nicht nur die SPD sondern auch die Linken hinter sich.

Was ist passiert?

Was ist da schief gelaufen? Ist das sehr gute Ergebnis für die AfD doch ein Resultat aus den vielen Demonstrationen Anfang dieses Jahres und Ende letzten Jahres in Rathenow, bei denen bis zu 1000 Rathenower auf die Straße gingen, weil ein Bündnis, ähnlich der Pegidabewegung, dazu aufgerufen hatte? Zwar treffen sich zu den Kundgebungen auf dem Märkischen Platz nur noch 25 bis 30 Personen. Aber war das ein Fingerzeig der „schweigenden Mehrheit?“

Felix Menzel will mit den Menschen ins Gespräch kommen. Quelle: Christin Schmidt

Felix Menzel ist Sozialdemokrat und Bürgermeister in der Gemeinde, deren Ortsteil Nitzahn dieses AfD-Rekordergebnis brachte: „Ich bin erschrocken“, sagte er am Montag. „Ich hätte nicht gedacht, dass so viele Leute die AfD wählen.“ Er werde versuchen mit den Leuten in der Gemeinde zu reden. „Einige haben AfD gewählt, weil sie die Rente mit 70 nicht wollen – dabei hat die AfD in ihrem Wahlprogramm auch ein Renteneintrittsalter von 70 und älter stehen.“ Es sei wohl für viele Leute eine Gelegenheit gewesen, einen Denkzettel zu geben.

Denkzettel für die SPD

Die CDU im Havelland sieht zurzeit keinen Grund, besonders traurig zu sein. „Auch wenn das Ergebnis nicht zufriedenstellend sein kann, bleibt doch festzuhalten, dass die Union einen Regierungsauftrag hat“, sagte am Montag der Kreisvorsitzende der CDU Havelland, Dieter Dombrowski. Der Vizepräsident des brandenburgischen Landtages verwies auf die Erfolge in den Wahlkreisen, wo mit Uwe Feiler, Sebastian Steineke und Dietlind Tiemann jeweils der CDU-Bewerber gewonnen hat. Was die Nachwehen betrifft, deutet Dombrowski auf die Sozialdemokraten: „Die SPD wäre gut beraten, woran es liegt, dass sie mit 17,3 Prozent nur noch Platz drei der Wählergunst belegt.“

Die CDU sieht sich als Sieger. Quelle: Bernd Geske

Ausgesprochen nachdenklich zeigt sich Christian Görke (Linke). Er glaubt, dass die guten Wahlergebnisse der AfD in einigen Dörfern mit dem Gefühl der Menschen zu tun haben, es kümmere sich niemand um sie. „Wir müssen uns auf eine Politik besinnen, die die Menschen in den Randregionen einbezieht. Das betrifft Verkehrsanbindungen, Kitas, Beitragsfeiheit bei der Kitaerziehung und vieles mehr.“

Christian Görke (Linke) gibt sich besonders nachdenklich). Quelle: Tanja M. Marotzke

Das sei der Ansatz, den er wähle, um sich dieser Leute anzunehmen. „Darüber ist zu reden.“ Zur Wahrheit, so Görke, gehöre aber auch: „80 Prozent der Wähler haben die AfD nicht gewählt – landes- und bundesweit.“

Doch kein Grundsatztrend

Einen grundsätzlichen Trend hin zur AfD vermag auch der Unterbezirksvorsitzende der SPD Havelland nicht erkennen. „Es gibt viele Gründe, weshalb die AfD gewählt wurde.“ Gorholt räumt ein, dass es einige Regionen gebe, wo die AfD „überproportional“ zugelegt habe. Die Havelland-SPD habe im Vergleich mit anderen Unterbezirken immer noch besser abgeschnitten, als viele andere Kreise im Land. „Aber das tröstet nun nicht“, sagte er. Die SPD wolle das Ergebnis erst gründlich analysieren, bevor Schlüsse und Konsequenzen gezogen werden. Der Unterbezirksvorstand war bereits zu Montagabend eingeladen.

Von Joachim Wilisch

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