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Das Zuhause in einer anderen Welt

Brieselang Das Zuhause in einer anderen Welt

Vor 20 Jahren lernten sich Subha Gora aus dem indischen Bundesstaat Andhra Pradesh und Marie Fredrich aus Brieselang beim deutsch-indischen Jugendaustausch des Humanistischen Freidenkerbunds kennen. Seither stehen sie in Kontakt, haben sich aufwachsen sehen und haben beide ein neues Zuhause am anderen Ende der Welt gefunden.

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Drei Wochen lang leben die indischen Jugendlichen in ihren deutschen Gastfamilien und unternehmen Ausflüge nach Berlin und Potsdam.

Quelle: Laura Sander

Brieselang. Die leise Melodie aus dem kleinen Rekorder erfüllt den Raum. Das Lied, das Sameera und Prasanth aus Indien dann anstimmen, versetzt die Zuhörer in eine Liebesszene à la Bollywood. Gleichzeitig duftet es im Brieselanger Jugendklub des Humanistischen Freidenkerbundes herrlich nach exotischen Gewürzen und indischen Spezialitäten.

Drei Wochen in Deutschland

Insgesamt drei Wochen sind sechs Jugendliche aus dem Atheist Centre in Vijayawada/ Andhra Pradesh in Südindien und ihre Betreuerin Subha Gora zu Gast bei deutschen Familien in Nauen, Brieselang, Falkensee, Bredow und Wagenitz. „Es ist nicht wie bei Fremden. Wir fühlen uns herzlich aufgenommen und fast schon wie Zuhause“, beschreibt Betreuerin Subha Gora den Jugendaustausch. Die 36-Jährige ist nicht das erste Mal in Deutschland. „Ich habe meine deutsche Schwester kennengelernt, als wir noch Teenager waren. Wir sind gemeinsam großgeworden und haben nie den Kontakt verloren – jetzt haben wir schon eigene Familien“, lacht Gora. Sie und Marie Fredrich, die heute in Brieselang lebt, haben sich vor genau 20 Jahren in Indien getroffen. „1996 haben wir die erste Reise organisiert. Seither findet der Austausch im jährlichen Wechsel statt“, so Fredrich. „Immer wenn Subha in Deutschland ist, wohnt sie natürlich bei mir und ich genieße die gemeinsame Zeit“, so die 38-Jährige, die drei Mal im Rahmen des Jugendaustauschs, aber auch privat nach Indien gereist ist.

Schwestern aus verschiedenen Welten

Schwestern aus verschiedenen Welten: Subha Gora aus dem indischen Bundesstaat Andhra Pradesh und Marie Fredrich aus Brieselang.

Quelle: Sander

Krieg und Frieden

„Während ihrer Zeit hier in Deutschland haben die Jugendlichen unter anderem Ausflüge nach Berlin und Potsdam unternommen. Der Besuch in der Gedenkstätte Sachsenhausen war wohl das prägendste Erlebnis – so kannten sie die deutsche Geschichte bislang nicht“, sagt Volker Mueller, der Vorsitzende des Humanistischen Freidenkerbundes. „Außerdem wurde gemeinsam mit deutschen Jugendlichen die Flüchtlingsfrage zum Thema gemacht und in Workshops über Krieg und Frieden diskutiert“, so Mueller, der in den vergangenen Jahren bereits 14 Mal zu Besuch in Indien war.

Von Heimweh keine Spur

Yaswanth Gundarapu ist das erste Mal mit dabei und mit seinen 16 Jahren der jüngste Teilnehmer. Und obwohl er das erste Mal für längere Zeit von Zuhause weg ist, kann von Heimweh keine Rede sein. „In Deutschland ist alles so grün und ganz anders, als bei uns. Ich hatte jedoch gehofft, dass es etwas kälter werden würde“, lacht der 16-Jährige. „Am meisten beeindruckt hat mich der deutsche Straßenverkehr. Alle sind so diszipliniert und halten sich an Regeln“, so Yaswanth mit großen Augen. Dass es in Indien ganz anders ist, weiß Johanna Fischer aus Falkensee. Die 26-Jährige erinnert sich noch genau an ihre erste Fahrt in Indien. „Es war so aufregend, denn Regeln gibt es nicht wirklich und trotzdem funktioniert es. Passiert ein Unfall, werden Hände geschüttelt und es geht weiter – in Deutschland undenkbar“, so die Studentin. „Das Besondere an dem Austausch ist, dass man nicht einfach ein Tourist in einem fremden Land ist, sondern durch die Familien das echte Leben kennenlernt. Bei jedem Austausch kommen neue Freunde hinzu und der Kreis wird von Jahr zu Jahr größer“, so Fischer.

Am Donnerstag heißt es für die indischen Jugendlichen Abschied nehmen. Dann geht es zurück in ihre südindische Heimat, die auch für viele Havelländer zu einem zweiten Zuhause geworden ist.

Von Laura Sander

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