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Havelland Das höchste Gebäude
Lokales Havelland Das höchste Gebäude
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18:43 12.08.2014
Wahrzeichen seines Dorfes: Der Perwenitzer Fernsehturm. Quelle: Oliver Fischer
Perwenitz

Man mag den Perwenitzer Fernsehturm mögen oder nicht, man mag ihn interessant oder monströs finden für ein Dorf mit nicht einmal 500 Einwohnern. Aber vorbei kommt an ihm niemand. Der Stahlbetonkoloss am Autobahnring ist das höchste Gebäude im Havelland. 135 Meter misst er vom Boden bis zur Spitze, mehr als jeder andere Turm, jedes andere Haus und jede Kirche im Landkreis.
Für die Perwenitzer ist er deshalb das Wahrzeichen und eine Landmarke, die ihr Dorf schon aus einigen Kilometern Entfernung anzeigt. Ein Symbol mit Strahlkraft über das Dorf hinaus ist er indes nie geworden. Dafür war er auch nicht gedacht. Er sollte kein keine Sehenswürdigkeit sein wie der fast dreimal so hohe Fernsehturm in Berlin. Der Turm in Perwenitz war projektiert als technisches Bauwerk, das zehn Jahre nach Kriegsende in der DDR schlicht gebraucht wurde.

Denn 1956 begann die DDR mit der Produktion eines eigenen Fernsehprogramms. Nur fürs Ausstrahlen fehlten noch die technischen Voraussetzungen. Der VEB Spezialbau Leipzig bekam deshalb den Auftrag, Türme mit Relaisstationen zu bauen, alle 100 Kilometer einen, möglichst auf Hügeln, damit viel Fläche abgedeckt werden konnte. Zehn Türme wurden damals fast zeitgleich errichtet, der zweite in Perwenitz.

Die Baustelle im Jahr 1957. Quelle: Privat

Der Bauleiter dort hieß Siegfried Jeschke. Er war 23 Jahre alt und erinnert sich heute noch, wie er am 16. Oktober 1956 im Ort ankam. Perwenitz war damals ein lebendiges Dorf mit einer LPG, einigen Gaststätten, einem Tanzsaal, Geschäften und einem Baufeld, auf dem noch nichts auf die künftige Großbaustelle hindeutete. „Da waren nur Bäume“, sagt Jeschke. Er selbst hatte damals gerade sein Ingenieursstudium hinter sich gebracht. Der Turm war sein erstes Projekt – und dann gleich so eines.

Türme aus Stahlbeton waren damals Neuland, nicht nur in der DDR. Der erste Turm dieser Art war der Fernsehturm in Stuttgart, und der war 1956 gerade fertiggestellt. Auf viel Erfahrung habe man deshalb in Perwenitz nicht zurückgreifen können, sagt Jeschke. Aber wenigstens sei die Technik auf dem neusten Stand gewesen. Mehr als zwei Jahre lang arbeiteten 35Mann auf der Baustelle, schütteten unentwegt mit der Hand Zement in die Mischer. Der flüssige Beton wurde mit Pressluft ins Herz des Turmes gepumpt, von dort ging er über eine Seilwinde nach oben, wo er in die Schalung gegossen wurde. Zeitweilig wuchs der Turm so zehn Meter pro Woche. Oben, im Korb, wurden dann vier Etagen für die Relaisstationen untergebracht. „Wir hätten gerne eine Besucherplattform gebaut, aber das wurde abgelehnt“, sagt Jeschke.

Am 1.April 1959 war der Turm fertig. Ohne Plattform. Stolz waren trotzdem alle, die Arbeiter wie die Dorfbewohner.

Das Kapitel Perwenitz war damit eigentlich für den Bauleiter abgeschlossen. Er hätte sofort bei Dresden einen weiteren Turm bauen können. Aber Siegfried Jeschke hatte sich – wie andere Turmbauleute auch – in eine Perwenitzerin verliebt. Er blieb. Seither lebt er in Sichtweite des wichtigsten Bauprojekts seines Lebens. „In den ersten Jahren hatte ich immer Angst, dass der Turm umkippt“, sagt er.
Aber der Turm steht heute noch. Nur gebraucht wird er eigentlich nicht mehr. Die Relais sind längst abgeschaltet. Über die Antenne geht heute nur noch Mobilfunk.

Die Serie

Rekorde bezeichnen laut Wikipedia einen „quantifizierbaren Wert einer Leistung, eines Gegenstandes oder eines Ereignisses, der besser ist als der entsprechende Wert aller vergleichbarer Leistungen, Gegenstände oder Ereignisse.“ Solche Rekorde gibt es natürlich unzählige im Havelland.
Die Sommerserie der MAZ konzentriert sich deshalb auf Rekorde geologischer, bautechnischer oder geschichtlicher Natur. Diese sind nachweisbar und – meistens – unstrittig.
Die Teile erscheinen zweimal wöchentlich. Am kommenden Montag geht es um die älteste Kirche.

Von Oliver Fischer

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