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Havelland Das schönste Wort der Welt: Semlin
Lokales Havelland Das schönste Wort der Welt: Semlin
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00:33 16.10.2015
Semliner Gesichter: Marvin Rausch, Patricia Riep und Kuno Friedrich Quelle: Foto: Martin Keune
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Semlin

Schon eine Weile geisterte die Idee, Semliner Gesichter zu fotografieren, in Martin Keunes Kopf. „Das ganze Dorf“, alle Menschen, die hier leben, ablichten – oder wenigstens die, die bei dieser Idee mitmachen – das war das Ziel des Wochenend-Semliners, der neben seiner Arbeit als Chef einer Berliner Werbeagentur, dem Schreiben von Büchern und dem Engagement für die Organisation Flüchtlingspaten seit 2010 alle drei Monate ein neues Semliner Heft herausgibt.

Keune ließ Handzettel mit dem Aufruf zum Fotoshooting in alle Briefkästen stecken, zurückgemeldet hatte sich nur Jens Aasmann, dessen Kinder im Ferienlager waren und vorab als Datei kamen. Aber sonst keiner. Und nun? „Ich war aufgeregt. Als Werbefuzzi bin ich die Fotografiererei gewöhnt, aber es gibt ja Leute, die wollen gar nicht fotografiert werden. Was, wenn zufällig 500 von denen im Dorf wohnten?“

Liana Puig kam aus Rathenow zum Shooting. Quelle: Martin Keune

Keune versuchte es trotzdem und baute an einem Samstag als die Semliner ihr Sommerfest feierten, sein „Freiluft-Fotostudio“ auf. Die Bedingungen waren suboptimal: Den ganzen Tag über zogen wilde Wolkenfetzen über den Himmel, die Sonne war mal gleißend hell, mal bedeckt. Keune sagte sich: „Augen auf und durch! Es war ja kein Fotostudio, und ich wollte die Leute hier draußen in Semlins frischer Luft neben Heike Bretts Dreißigerjahre-Holzhäuschen ablichten.“

Gestriegelt zum Fotografen

Einige „Honoratioren“ Semlins nahmen ihm die Sorge, dass niemand kommen würde: Sie kamen zuerst. Ortsvorsteher Mantau kam vorbei, versprach späteres Erscheinen, auch seine Frau kam. Rhinows Amtsdirektor Jens Aasman überragte das Equipment um Haupteslänge. Familie Zeuschner schob mit Brunhilde Strieker (85) die älteste Teilnehmerin ins Bild. Zeichner Eugen Gliege baute einen Büchertisch auf und lugte mit listigen Äuglein ins Objektiv.

Manche machten sich den „Gang zum Fotografen“ regelrecht zur Festtagsaufgabe. Ganze Familien strömten herbei, die gestriegelten Scheitel vom Sommerwind zerzaust, die karierten Kinderhemden und buntbedruckten T-Shirts wahrhaftig gebügelt – oder leger zerknautscht. Kinder mit Gel im Haar oder verträumtem Blick, Kinder, die nicht mit aufs Bild wollten oder nur dann, wenn sie gleichzeitig auf ihrer Mutter herumklettern konnten.

„Semlin ist viel jünger, als ich gedacht habe. Vielleicht, weil ich selbst schon so lange hier bin? Jedenfalls war ich erstaunt und begeistert über die Flut an jungen Menschen, die vor die Kamera geschlendert kam, ihre Selbstverständlichkeit, ihre Offenheit, – auch ihre Verschiedenartigkeit“, resümiert Keune.

Die Gesichter erzählen von der Freude am Dorfleben

Manche „Fundstücke“ sammelte er am Nachmittag, als der Andrang nachließ, eigenhändig auf dem Uferweg ein und bat sie vor’s Objektiv. Nicht alle waren da noch gebürtige Semliner oder Dauerbewohner, aber immer

Noam Fritze aus Schweden schaffte es auf den Titel des Semliner Hefts Nummer 21. Quelle: Martin Keune

häufige Besucher – wie der fünfjährige Noam Fritze, der aus Schweden ins Dorf seines Vaters kam und wegen seiner verschmitzten Lausbuben-Silhouette zum Titelmodel wurde.

Dass die Freude am Dorfleben von allen geteilt wird, zeigen die lächelnden Gesichter – denn sie sind die Reaktion auf die Standardbitte des Fotografen beim Shooting: „Und jetzt sag bitte mal das schönste Wort der Welt! – Semlin!“

166 Menschen hatte Keune in sechs Stunden fotografiert und dabei viele Gesichter mit Namen kennen gelernt. Wer alle „Semliner Gesichter“ sehen will, schaut in das aktuelle Heft Nummer 21, das es unter anderem in der Buchhandlung Tieke und in der Bioinsel in Rathenow sowie im Ferien- und Freizeithof Rausch in Semlin gibt.

Von Christin Schmidt

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