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Havelland Das tiefste Loch ist in Ketzin
Lokales Havelland Das tiefste Loch ist in Ketzin
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18:43 12.08.2014
 Das Bohrloch unter diesem Turm auf dem Forschungsgelände in Ketzin ist knapp 700 Meter tief. Quelle: Konrad Radon
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Havelland

Über der Erde auf dem Gelände des Geoforschungszentrums Potsdam (GFZ) in Ketzin-Knoblauch sind noch vier etwa zwei Meter hohe Türme aus Stahl zu sehen. Kaum etwas deutet darauf hin, dass die darunter liegenden Bohrlöcher bis zu 660 Meter tief sind. Durch spezielle Rohre wurden dort zwischen 2008 und 2013 rund 67000 Tonnen Kohlendioxid in die tiefen Sandsteinschichten gepresst, um herauszufinden, wie sich das Gas dort unter der Oberfläche ausbreitet und ob es möglicherweise wieder aufsteigt.

Forschungen in Ketzin dauern noch bis 2017 an

Selbst die Experten vom Geoforschungszentrum in Potsdam waren überrascht zu hören, dass ihre Löcher in Ketzin aktuell zwar die tiefsten im Landkreis Havelland sind, es aber vor 40 Jahren noch viel tiefere gab. Zu DDR-Zeiten wurde nämlich auch in Brandenburg viel gebohrt, wie Ramon Conrad vom Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe mit Sitz in Cottbus sagt: „Damals versuchte beispielsweise der VEB UGS Mittenwalde zu erkunden, ob Erdöl oder Erdgas in wirtschaftlich gewinnbaren Mengen vorhanden waren.“ Dazu bohrte man erstmals 1955 in Pessin 388 Meter tief. Vier Jahre später erreichten die Bohrlöcher in Rhinow und Friesack schon 2086 und 2189 Meter. In den 70er-Jahren liefen die Bohrbetriebe zur Höchstform auf: In Nauen kam man 4144 Meter tief, in Friesack im Jahre 1972 sogar 4638 Meter. Den Rekord aber hält Kotzen im heutigen Westhavelland. 

Bohrung in Kotzen im Jahr 1974 endete 5469 Meter unter der Erde

Ähnlich wie derzeit in Ketzin auch habe man schon damals die Bohrungen teleskopartig aufgebaut, so Roman Conrad. „Angefangen wurde mit Bohrdurchmessern von etwa 50 Zentimetern. In diesen ersten Bohrlochabschnitt wurden Stahlrohre mit kleinerem Durchmesser, etwa 30 bis 40 Zentimeter, eingebaut und einzementiert. Anschließend wurde mit einem dementsprechend kleineren Bohrwerkzeug (25 bis 35 cm) weitergebohrt. Das wiederholte sich, bis man an einer möglichen Lagerstätte ankam.“

Doch alle Mühe war vergeblich. Kein Erdöl und kein Erdgas, das es sich lohnen würde, nach oben zu holen. „Aber man hat Erkenntnisse über den geologischen Aufbau des Norddeutschen Beckens gewonnen“, weiß Ramon Conrad. Alle Bohrlöcher aus DDR-Zeiten sind unmittelbar nach den Bohrungen mit Zement oder Tonschlamm verfüllt und abgedichtet worden.

Wichtige Erkenntnisse über geologischen Aufbau des Norddeutschen Beckens

Nach der Wende habe es in Brandenburg kaum noch Bohraktivitäten gegeben. Eine große Ausnahme im Landkreis Havelland ist eben das in Ketzin laufende Forschungsprojekt zur Speicherung von Kohlendioxid. Auch dort ist bereits das erste der insgesamt fünf Bohrlöcher mit Beton verfüllt worden. Das erfolgte aus Forschungszwecken. „Über dem Beton haben wir einen Sensor angebracht. Der misst, ob das Kohlendioxid aufsteigt oder nicht“, erklärt Fabian Möller vom GFZ. Täglich werde das mit Hilfe eines Computerprogrammes überwacht. Bisher ist alles Gas unten geblieben. In zwei Jahren werden auch die anderen vier Löcher mit Zement abgedichtet.

Gas ist bisher unten geblieben

Dann endet das inzwischen mehr als 50 Millionen Euro teure Forschungsvorhaben in Ketzin-Knoblauch. Wie in den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts bleiben an der Erdoberfläche keine Spuren zurück. Alles wird wieder so hergerichtet wie zu Beginn der Arbeiten.

Unabhängig vom Ausgang des Forschungsprojektes – gewonnen hat in jedem Fall die Stadt Ketzin/Havel. Gab es beim Start noch einzelne Skeptiker, die sich wegen des Kohlendioxids Sorgen machten, überwiegt inzwischen das Positive: „Ich bin froh, dass sich das GFZ für diesen Standort entschieden hat“, ließ Bürgermeister Bernd Lück mehrfach wissen. Und das erklärt er auch: „Ich brauche unsere Stadt bei Treffen außerhalb der Region nicht mehr vorstellen. Heute kennt man Ketzin, vor allem wegen dieses CO2-Projektes.“

Tiefstes Bohrloch ist in Ketzin/Havel

Brandenburgs ehemaliger Staatssekretär Gerd Harms war sich schon 2007 sicher: „Ketzin hat sich in der wissenschaftlichen Weltliteratur einen Namen gemacht.“

Sommerserie

Heute startet die MAZ-Lokalredaktion „Der Havelländer“ mit einer neuen Sommerserie.
Nachdem wir im vergangenen Jahr über Besonderheiten in den Gartensparten des Osthavellands berichtet hatten, soll es dieses Mal um Rekorde gehen.
Zweimal wöchentlich werden die Geschichten erscheinen. Unter anderem geht es um den höchsten Punkt, die älteste Kirche, das höchste Gebäude, die älteste Feuerwehr, den größten See und den dicksten Baum.

Von Jens Wegener

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