Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
„Das war Stress, aber positiver“

Interview mit dem Ketziner Pfarrer Thomas Zastrow „Das war Stress, aber positiver“

177 Tage war er der Pfarrer der Bundesgartenschau in der Havelregion. Jetzt kehrte Thomas Zastrow in die Kirchengemeinde Ketzin zurück und bekam gleich eine zusätzliche Aufgabe.

Ketzin/Havel 52.4809452 12.8459803
Google Map of 52.4809452,12.8459803
Ketzin/Havel Mehr Infos
Nächster Artikel
FourtyTwo rappt für mehr Weltoffenheit

Wieder zu Hause: Der Ketziner Pfarrer Thomas Zastrow.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Ketzin/Havel. Fast zweieinhalb Jahre war der Ketziner Thomas Zastrow im Außendienst als Pfarrer der Bundesgartenschau in der Havelregion (offiziell heißt das abgeordnet zum Dienst) und damit weg von seiner Heimatgemeinde Ketzin. Jetzt ist er zurück und hat auch eine neue Aufgabe bekommen.


MAZ:
Sie waren über einen Zeitraum von etwa 30 Monaten aus ihrer Kirchengemeinde verschwunden, sind jetzt seit 1. Januar offiziell wieder Pfarrer in Ketzin/Havel. Wie war die Rückkehr?

Thomas Zastrow: Schwierig, um ehrlich zu sein. Mein Vertreter Wilfried Neugebauer sagte mir, dass wir bei der Übergabe einigen Papierkram durchgehen müssen. Aber als er mit dann zehn Umzugskisten voll mit Akten und Briefen präsentierte, wusste ich, dass ich wieder zuhause bin. Und kam noch eine Überraschung dazu...

Welche?

Zastrow: Neben meiner Kirchengemeinde mit Ketzin, Paretz, Zachow, Gutenpaaren, Wachow, Niebede und Gohlitz bin ich zunächst erstmal auch für Klein Behnitz, Groß Behnitz, Etzin, Tremmen, Bredow, Markee und Markau in Vakanz verantwortlich. Die Pfarrstelle ist nach dem Weggang von Angelika Johannes schon zweimal ausgeschrieben worden. Noch hat sich niemand gefunden.

 Wie schaffen Sie es, einen so großen Bereich zu betreuen?

Zastrow: Das weiß ich noch gar nicht. Bis jetzt habe ich noch nicht einmal einen Gottesdienst in Ketzin abhalten können. Aber ich habe schon einige Mitglieder in den Gemeinden besucht, einfach mal Guten Tag gesagt.

Welche Akten müssen Sie denn abarbeiten?

Zastrow: Als ich vor den Kartons saß, bekam ich eine Kurzdepression. Dann habe ich mich zwölf Stunden hingesetzt und habe alles gesichtet, sortiert, archiviert und neue Akten angelegt. Es geht um anstehende Baumaßnahmen, es geht um den Betrieb des evangelischen Kindergartens, um Friedhöfe und eben um die Vakanzverwaltung.

Sie waren Buga-Pfarrer, haben viele Veranstaltungen organisiert sogar moderiert. Wie würden sie diese Zeit bewerten?

Zastrow: Die Vorbereitungszeit von August 2013 bis zum Start der eigentlichen Gartenschau nicht mitgerechnet, hatten wir mehr als 1000 kirchliche Veranstaltungen von Konzerten, über Diskussionsrunden bis zu Gottesdiensten. Das war Stress, aber positiver. Ich habe fröhliche Menschen getroffen, die Sonne schien, es war ein heller Sommer, alles hat geklappt. Obwohl ich manchmal nur vier Stunden Schlaf hatte.

 Apropos Schlaf. Sie wohnten auch während der Buga in Ketzin. Sind Sie jeden Tag von Rathenow oder vom kirchlichen Buga-Büro in Premnitz nach Hause gefahren?

Zastrow: Es gab Nächte, in denen habe ich in der Nähe Havelbergs im Zelt geschlafen, unmittelbar an der Havel. Bei den heißen Temperaturen konnte man sich gut abkühlen und den Schweiß des Tages abspülen.

 Bei fünf Buga-Standorten mussten Sie doch ständig unterwegs sein...

Zastrow: Während der 177 Tage Buga bin ich knapp 25000 Kilometer gefahren. Und einige mit dem Fahrrad oder zu Fuß als Pilger auf den „Kirchenwegen im Havelland“. Soetwas hatten wir auch – organisierte Pilgertouren. Wobei ich sagen muss, dass die Kirchengemeinden vor Ort für ihr Veranstaltungen selbst verantwortlich waren.

Konnten Sie die Buga überhaupt genießen, sich auch mal die Blumen und Pflanzen ansehen?

Zastrow: Ich bin kein Gartenfreak und kenne nicht viele Pflanzen und Blumen. Bis auf zwei, drei Namen habe ich nicht viel dazu gelernt. Das war ja auch nicht meine Aufgabe. Aber ja, ich habe mir auch die Blumenpracht angesehen.

Sie hatten vor der Buga zunächst gezögert, dort den Pfarrerposten zu übernehmen...

Zastrow: Das stimmt. Man musste mich zwingen, nein überzeugen. Heute bin ich froh, doch zugesagt zu haben. Ich bin jetzt mit einer großen Motivation zurückgekehrt. Ich habe viele Erfahrungen gesammelt, Menschen aus allen Teilen Deutschlands, darunter auch bekannte Leute, kennengelernt, was ich als Ketziner Pfarrer so nicht hätte machen können.

 Aus ihrer Sicht war die Buga ein Erfolg?

Zastrow: Für mich persönlich auf jeden Fall. Was mich wirklich ärgert ist, dass in Teilen der Öffentlichkeit die Meinung vorherrscht, die Buga sei ein finanzieller Flop gewesen. Nein. Die finanziellen Vorgaben wurde alle eingehalten. Was am Ende gefehlt hat, waren ausreichend Einnahmen aus Eintrittsgeldern.  Dabei muss aber berücksichtigt werden, dass die Rathenower Areale, bedingt durch Sturmschäden, mehrere Wochen geschlossen waren. Von den Gästen jedenfalls habe ich nur Gutes zur Buga gehört. Und die Havelregion ist jetzt überall bekannt.

 

 

 

Von Jens Wegener

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Havelland
57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg