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Demonstrationen in Rathenow bleiben friedlich

Asylgegner und Antifa Demonstrationen in Rathenow bleiben friedlich

Soviel Polizisten hat es in Rathenow (Havelland) schon lange nicht mehr gegeben. Mit einem Großaufgebot sicherte die Polizie am Dienstagabend Demos von Asylgegnern und linken Gegendemonstrationen. Wohl auch deswegen blieb es friedlich. Allerdings gab es von rechter Seite deutliche Aussagen.

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Die Polizei schickte ein Großaufgebot nach Rathenow.

Quelle: Kniebeler

Rathenow. „Lügenpresse“ – „Merkel muss weg“ – „Seeger muss weg“ – „Nazis raus aus Rathenow“: In der havelländischen Kreisstadt wurde am Dienstag die ganze Bandbreite geboten, die sich um den Zustrom von Flüchtlingen rankt. Auf dem Märkischen Platz trafen sich 500 Anhänger eines asylfeindlichen Bündnisses, das schnelle Abschiebungen fordert und sich gegen die „Islamisierung des Abendlandes“ ausspricht. Sie zogen im Laufe des Abends auch direkt an der Antifa-Kundgebung vorbei.

Seit Ende Oktober rufen die Asylkritiker regelmäßig zu Demonstrationen und jedes Mal beteiligen sich bis zu 600 Personen, einmal waren es über 800.

„Herz statt Hetze“ nennt sich eine Gruppe, die zum Gegenprotest aufruft. Am Dienstag auf dem Bebel-Platz. Etwa 150 Demonstranten, unter ihnen Bürgermeister Ronald Seeger (CDU), Stadtverordnete, Mitglieder der Kirchengemeinden und des Kinder- und Jugendparlamentes sowie Bundes- und Landtagsabgeordnete wollten dem Aufmarsch auf dem Märkischen Platz entgegentreten. Nicht unbedingt lautstark, aber mit Musik, Reden und Gebeten.

Landtagsabgeordnete meldet Demo an

Erstmals war eine weitere Gegendemonstration in Rathenow angemeldet. Die linke Landtagsabgeordnete Isabelle Vandré hatte sich bereit erklärt, für einige Antifa-Anhänger eine Versammlung anzumelden. Um 17.30 Uhr füllte sich der Platz vor dem Bahnhof. Zur Teilnahme an dieser Gegenveranstaltung hatte es auch Aufrufe über Facebook in Brandenburg an der Havel und anderen Städten gegeben.

Viele Deutschlandfahnen bei den Asylgegnern

Viele Deutschlandfahnen bei den Asylgegnern.

Quelle: Julian Stähle

Christian Kaiser, einer der Frontleute des asylfeindlichen Bündnisses, eröffnete die Versammlung und nahm sofort Bezug auf die Ereignisse in Köln. Hier gab es Übergriffe von Flüchtlingen auf Frauen. „Unsere Frauen sind heilig“, brüllte er. „Niemand darf sie anfassen.“ Und darum steht für Kaiser die Forderung: „Wir brauchen Bürgerwehren, damit so etwas in Rathenow nicht passiert.“ Darüber werde sein Bündnis, das sich auch „Bürgerbündnis“ nennt, demnächst ausführlicher informieren. „Wenn uns der Staat nicht hilft, dann helfen wir uns selbst.“

Bürgermeister kündigt langen Atem an

Ronald Seeger (CDU) hingegen forderte auf dem Bebel-Platz, nicht alle Flüchtlinge in Sippenhaft zu nehmen. „Wer Straftaten begeht, muss bestraft werden. Aber nicht alle sind Straftäter.“ Erschrocken zeigte sich Seeger über das, was ihm ein Versammlungsteilnehmer vom Märkischen Platz zurief. „Heute werden wir deine Stadt in Schutt und Asche legen.“ Der Bürgermeister machte deutlich, dass das Rathenower Bündnis „Herz statt Hetze“ bei jeder Versammlung der Asylgegner ebenfalls demonstrieren werde. „Wir haben einen langen Atem.“

Auf dem Märkischen Platz verurteilte Christian Kaiser derweil die „Asyl-Willkommens-Industrie“. Und er höhnte: „Zu denen kommt keiner. Weder zu dem Willkommensfest vor Weihnachten und am kommenden Sonnabend wird es wieder so sein.“ Am Sonnabend findet – veranstaltet von der Kirche – ein Neujahrsfest auf dem Märkischen Platz statt.

Mit der Kerze in der Hand

Nach der Rede des Bürgermeisters verharrten die Versammlungsteilnehmer auf dem Bebel-Platz schweigend mit einer Kerze in der Hand – bis die Antifa-Gruppen dazu kamen. Sie forderten lautstark: „Nazis raus aus Rathenow“. Und: „Refugees are welcome here“ („Flüchtlinge sind hier willkommen“). Mit dieser Demonstration wehren sich die Antifa-Gruppen lautstark gegen das „Bürgerbündnis“.

Ein Zeichen für ein weltoffenes Rathenow

Ein Zeichen für ein weltoffenes Rathenow: Viele kamen mit Kerze auf den Bebel-Platz.

Quelle: Julian Stähle

Mit einem Großaufgebot kam die Polizei ins Westhavelland. Übereinstimmenden Kommentaren zufolge hatte es in den vergangenen 20 Jahren selten mehr Polizisten in Rathenow gegeben. Sie bildeten einen Block zwischen dem Bebel-Platz und dem Märkischen Platz.

Von Joachim Wilisch

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