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Den Fischen soll’s besser gehen

Konzept für bessere ökologische Qualität Den Fischen soll’s besser gehen

Mit Hilfe eines Entwicklungskonzeptes für Gewässer soll künftig die ökologische Qualität des Großen Havelländischen Hauptkanals auf seiner gesamten Länge verbessert werden. Doch das ist gar nicht so einfach. Es gibt kaum investive Maßnahmen, um nicht den Hochwasserschutz zu gefährden.

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Geht es nach dem Konzept, sollen an vielen Stellen entlang des Havelländischen Hauptkanals Gehölze gepflanzt werden.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Havelland. Das Jahr 2007 haben viele Landwirte und Hausbesitzer im Havelland in unguter Erinnerung. Damals standen Teile des havelländischen Luchs unter Wasser. Tiere befanden sich auf überfluteten Wiesen, Keller liefen voll, auch in Paulinenaue. Der Große Havelländische Hauptkanal konnte das viele Wasser nach überdurchschnittlichen Regenfällen nicht mehr aufnehmen und abführen. Die Experten sprechen heute von einem Ereignis, das in mehreren 100 Jahren nur einmal auftritt.

Nun wurde der 32 Kilometer lange Hauptkanal für eine besondere Untersuchung auserkoren. Im Rahmen eines Gewässerentwicklungskonzeptes (GEK) wurde geprüft, inwieweit sich die ökologische Gewässerqualität verbessern lässt, ohne dass beispielsweise die Gefahr von Überflutungen wie 2007 zunimmt. Anlass für das GEK ist die EU-Wasserrahmenrichtlinie. Die hat das Ziel, dass Fließgewässer und Seen bis 2027 wieder naturnäher, artenreicher und sauberer werden.

Günter Neumeister warnt vor zu hohen Erwartungen

Günter Neumeister warnt vor zu hohen Erwartungen.

Quelle: Kaatz

In Auftrag gegeben wurde das Konzept vom Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (LUGV). „Wir erarbeiten dazu Maßnahmevorschläge und gleichen diese mit dem Hochwasserschutz ab“, sagt Jutta Kallmann vom LUGV. Allerdings werde es im Ergebnis der Untersuchungen „praktisch keine investiven Maßnahmen geben“. Zu sehr muss beim Hauptkanal auf bestehende Nutzungen wie Landwirtschaft oder Siedlungen Rücksicht genommen werden. „Der Schwerpunkt liegt vielmehr auf der Gewässerunterhaltung, aber auch hier sind nur vorsichtige Änderungen geplant“, sagt Jutta Kallmann. Und vorläufig wird ohnehin nicht davon ausgegangen, dass die zwei bis drei Krautungen im Jahr reduziert werden können.

Beleuchtet wurde ein Gebiet von 857 Quadratkilometern. Darin befinden sich neben dem Großen Havelländischen Hauptkanal auch der Schlaggraben sowie der Witzker, Hohennauener und Kleßener See. Im Gegensatz zu den letzteren drei Gewässern wird beim Hauptkanal nicht damit gerechnet, dass aufgrund von Zwängen eine gute ökologische Qualität erreicht werden kann. So fließt das Wasser dort teilweise zu langsam.

Zu den größeren geplanten Maßnahmen gehört unter anderem zu prüfen, ob am Hauptkanal zwischen Witzker See und Rhinsmühlen die Deichanlagen abgerissen werden sollten, ob das Wehr bei Wagenitz verschwinden kann und ob – etwa bei Paulinenaue – das Ufer auf einer Seite abzuflachen ist, um künftig weitere Böschungsrutschungen zu verhindern. An vielen Stellen sollen zudem Bäume gepflanzt werden, so dass durch den späteren Schattenwurf die Pflanzen im Graben weniger stark wachsen und somit künftig weniger Krautungen notwendig sind.

Um Fischen, Wasserpflanzen und Kleintieren bessere Bedingungen zu bieten, sollen Schonstreifen ausgewiesen werden, in deren Bereich nicht komplett gemäht wird. Krautungen sollten am besten vom Boot aus erfolgen. Totholzelemente könnten an einigen Stellen ins Wasser kommen. Bei der Entscheidung, wann Pflegemaßnahmen erforderlich sind, soll möglicherweise auch bald ein System aus vielen Pegeln helfen.

Bei einem Bürgerforum, auf dem das GEK vorgestellt wurde, war auch Günter Neumeister, Gemeindevertreter aus Paulinenaue, dabei. Er kennt die Situation von 2007 aus eigenem Erleben. „Der Kanal ist von Zeestow bis zur Havel ein System, das im Zusammenhang zu betrachten ist. Eine Maßnahme wirkt sich aufs Ganze aus“, meinte er und warnte vor übertriebenen Erwartungen, was die ökologische Qualität betrifft.„Der Hauptkanal ist in erster Linie ein Bauwerk zur Ent- und auch zur Bewässerung. Das muss allen klar sein.“ Die Leute möchten keine nassen Keller mehr haben.

Von Andreas Kaatz

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