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Der Dorfschreiber von Strodehne

Schriftsteller Gregor Mirwa sammelt Geschichten Der Dorfschreiber von Strodehne

Der Berliner Schriftsteller Gregor Mirwa sammelt in Strodehne Geschichten, die er literarisch verarbeiten will. Beim Havelfest an diesem Wochenende hofft er auf reiche Beute. Das Ergebnis wird den Strodehnern im September vorgestellt. Wie Mirwa seine Erfahrungen verarbeiten wird, ist ein Geheimnis.

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Gregor Mirwa im Gespräch mit dem Strodehner Landwirt Willy Paproth.

Quelle: Birte Hoffmann/Atelier Havelblick

Strodehne. Das Leben ist, wenn man es ein bisschen philosophisch ausdrücken will, eine unendliche Abfolge von Geschichten. Ständig passiert irgendetwas. Das kann das ganz große Ereignis sein – Geburt, Krankheit, Tod oder ähnlich existenzielle Dinge. Aber vor allem sind es die vielen kleinen Geschichten – der erste Schultag, das Feuerwehrfest, die Einweihung des Dorfgemeinschaftshauses – die sich zu dem formieren, was man Leben nennt.

Alle diese Geschichten trägt jeder Mensch als Erinnerungen mit sich herum. Die wenigsten aber bringen sie zu Papier. Gregor Mirwa ist da eine Ausnahme. Der Mann schreibt nicht nur die eigenen Geschichten auf, er interessiert sich auch für die Geschichten anderer. Nun ist das so bemerkenswert auch wieder nicht. Gregor Mirwa ist nämlich Schriftsteller.

Exkursionen ins Geschichten-Sammelgebiet

Sein derzeitiges Geschichten-Sammelgebiet befindet sich in Strodehne. Seit einiger Zeit schon interessiert sich der Berliner für das Leben im Dorf. Dass die Wahl nun gerade auf Strodehne gefallen ist, hängt mit Gabriele Konsor und Roland Eckelt zusammen. Schon vor Jahren lernte Mirwa die beiden umtriebigen Künstler des Ateliers Havelblick kennen, und als diese mit anderen Mitstreitern im vergangenen Sommer ihr Kulturversorgungsraum-Projekt konzipierten, wollte Mirwa dabei sein.

Gesprächsrunde mit dem Schriftsteller Gregor Mirwa (Mitte) vor dem Atelier Havelblick

Gesprächsrunde mit dem Schriftsteller Gregor Mirwa (Mitte) vor dem Atelier Havelblick.

Quelle: Birte Hoffmann/Atelier Havelblick

Zuerst hat er sich aus der Distanz Gedanken über das ländliche Leben gemacht und mit diesen als Blog seinen Kulturversorgungs-Beitrag geleistet. Doch das war ihm nicht genug: Gregor Mirwa zieht für ein paar Tage als Dorfschreiber in den Kulturversorgungsraum ein, um Geschichten, die ihm erzählt werden, aufzuschreiben. Nach einem ersten Strodehne-Aufenthalt vor zwei Wochen ist Mirwa jetzt schon wieder da. Und eines ist klar: An Geschichten wird kein Mangel herrschen. Beim Havelfest, dem Strodehner Großereignis schlechthin, wird es Anekdoten hageln.

Beobachtung und Begegnung

Mirwa ist nicht der Typ rasender Reporter, der den Leuten hinterherhechelt, um an sein Material zu kommen. Er zieht es vor, zu beobachten und die Atmosphäre auf sich wirken zu lassen. Die Kontakte stellen sich dann ganz von selbst ein. Bei seinem ersten Aufenthalt hat er sich einfach mit einer Schreibmaschine auf die Terrasse vor dem Atelier Havelblick – den Kulturversorgungsengpass – gesetzt und abgewartet. Am Ende hatte er, nach etlichen Begegnungen und Gesprächen, jede Menge Erzählstoff zusammen. Vom Landwirt, vom Fischer, vom Paddler, von den Stammtischbrüdern der Kneipe „Stadt Berlin“ und von einem Mädchen, das ihm seine Erinnerung an einen „schwarzen Hund mit weisen Flecken“ gleich in die Schreibmaschine getippt hat.

Am Sonntagabend fährt Mirwa wieder zurück nach Berlin. Dort wird er dann die Strodehner Geschichten sichten und versuchen, in irgendeine Form zu bringen. Wie diese aussehen wird, weiß Mirwa selber noch nicht. „Von einem homogenen Bericht bis zur einer Textcollage ist alles möglich“, sagt er. In jedem Fall will er die vielen Stimmen, die zu ihm gesprochen haben, hör- und sichtbar machen. Um zu zeigen, wie reich und dicht und aufregend das Material ist, aus dem so ein Dorf besteht. Am 6. September will Mirwa nach Strodehne zurückkehren, um den Bewohnern das Ergebnis seiner Arbeit vorzustellen.

Biografie Gregor Mirwa

Gregor Mirwa wuerde 1963 geboren. In den späten 80er Jahren war er als Autor und Übersetzer u.a. in Brasilien und USA unterwegs und arbeitete in dieser Zeit als Mitherausgeber der Zeitschriften Minerva und The Operator.

Mitte der 90er Jahre zählte Mirwa zu den Begründern des Literarischen Salons MG (Mittwochsgesellschaft) in Berlin. 1998 hob er das Festival Le Weekend in der polnisch-deutschen Grenzstadt Gubin/Guben aus der Taufe.

Gregor Mirwa schreibt Texte für Zeitschriften, beteiligt sich an soziokulturellen Debatten, verfasst Texte für Ausstellungskataloge und schreibt Gedichte.

Mirwa lebt in Berlin und ist als Beobachter, Protokollant und Arbeitsmediziner tätig.

 

Von Markus Kniebeler

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