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Der Fotograf und die Füchsin

Tierische Bilder Der Fotograf und die Füchsin

Ein Brandenburger Fotograf hat 6 Monate lang eine Füchsin und ihre Welpen mit der Kamera begleitet. Nach einer ersten Begegnung im Winter duldete ihn die Fähe immer wieder in ihrer Nähe – ob beim Beutesuchen oder beim Mittagsschlaf. In der MAZ erzählt Fotograf Lothar Zühlke von magischen Momenten und stellt seine schönsten Bilder vor.

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Dankbares Fotomotiv: umhertollende Fuchswelpen.

Quelle: Lothar Zühlke

Ribbeck. Die erste Begegnung mit „seinen“ Füchsen an einem Wintertag in diesem Jahr wird Lothar Zühlke wohl nie vergessen. Der Ribbecker war mit der Fotokamera auf der Suche nach einer Gruppe Rehe, in der ihm ein Tier mit weißer Keule und weißer Brust aufgefallen war. Das wollte er unbedingt vor die Linse bekommen. Mehrfach hatte er es schon versucht, doch allzu nahe kam er nicht heran. Doch er gab die Hoffnung nicht auf. Als er dann an einer anderen Stelle bei Ribbeck suchte, sah er plötzlich eine Füchsin auf der Wiese. „Sie suchte da nach Beute, plötzlich raste sie los und verschwand im Gestrüpp“, sagt er. Zühlke hinterher, auf einem Weg sah er dann die Füchsin mit einem Rüden – 50 Meter entfernt, beide schauten zu ihm hin. Plötzlich bewegte sich die Fähe auf ihn zu, blieb 30 Meter entfernt stehen. „Das war schon ein magisches Erlebnis, mir blieb vor Freude fast das Herz stehen“, erinnert er sich.

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Was für ein schönes Fotoprojekt: Ein Brandenburger Fotograf hat 6 Monate lang eine Füchsin und ihre Welpen mit der Kamera begleitet. Nach einer ersten Begegnung im Winter duldete ihn die Fähe immer wieder in ihrer Nähe – ob beim Beutesuchen oder beim Mittagsschlaf. Wir zeigen die schönsten Fotos.

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Naturfotografie bislang nicht das Spezialgebiet von Zühlke

Zu dem Zeitpunkt ahnte der 60-Jährige noch nicht, dass er noch mehr solcher Erlebnisse und sogar einen tiefen Einblick ins Privatleben der Füchse erhalten sollte. Dabei war Naturfotografie bis dahin nicht unbedingt sein Spezialgebiet. Erst im vergangenen Jahr hatte er sich eine Kamera gekauft und zu Weihnachten ein Objektiv mit langer Brennweite von der Familie geschenkt bekommen. Mit dieser Technik zog er dann bald wieder los, wollte wissen, ob er die Füchse noch einmal entdeckt.

Der Rotfuchs und sein Nachwuchs

Der Rotfuchs ist die einzige Fuchsart in Mitteleuropa. Die Tiere werden im Durchschnitt sechs bis zehn Kilogramm schwer und 1,30 Meter lang.

Mit etwa zehn Monaten sind sie geschlechtsreif. Sie paaren sich nur einmal im Jahr in der Ranzzeit im Januar/Februar.

Vier bis sechs Junge werden nach einer Tragzeit von etwa 50 Tagen geboren, sind dann 80 bis 160 Gramm schwer.

„Ich hatte Blut geleckt“, sagt Lothar Zühlke. Drei Tage später sah er die Füchsin vom Auto aus auf der Landstraße, hielt an, stieg aus. „Da lief das Tier zwei Meter an mir vorbei.“ Immer wieder suchte er die Stelle auf, wo er die Füchsin das erste Mal gesehen hatte und die offenbar zu ihrem Revier gehörte. Zunehmend war ihm das Glück hold. Die Fähe akzeptierte den Zweibeiner mit dem komischen Ding um den Hals. Bald konnte der Ribbecker sie beim Beutesuchen begleiten und Bilderserien aus fünf Meter Entfernung schießen. „Sie hatte absolut keine Angst. Ich bin jeden Tag raus, aber nicht jedes Mal habe ich sie gefunden.“

Die Fähe vor dem versinkenden Feuerball

Nach jeder Fotopirsch waren die Speicherkarten gut gefüllt mit jeweils bis zu 1200 Bildern. Eines seiner schönsten entstand kurz vor Sonnenuntergang: Die Fähe vor dem versinkenden Feuerball, der gerade noch zwischen den Bäumen hindurch lugte. Eines seiner schönsten Erlebnisse war, als er das Tier auf der Wiese schlafend liegen sah und sich für eine halbe Stunde daneben setzte. „Sie blinzelte nur kurz mit einem Auge und schlief weiter.“

Der Fotograf Lothar Zühlke

Der Fotograf Lothar Zühlke

Quelle: MAZ

Doch Ende April kam die Wende, wie es der Naturfreund bezeichnet, der seine Bilder auch auf Facebook zeigt. Ogaleesha, wie Zühlkes Frau die Füchsin nannte (in der Indianersprache: „Trägt ein rotes Hemd“), hatte gerade eine Wanderratte gefangen und diesmal nicht eingebuddelt oder gefressen. Sie trug die Beute bis zu einem Bau, wo ihre Jungen warteten. „Nach diesem Tag war alles anders.“ Nie wieder kam Lothar Zühlke der Füchsin so nahe wie bisher, sah sie nur noch aus größerer Entfernung. „Ich kann bis heute nicht verstehen, warum“, meint er.

Sechs Monate lang haben die Füchse sein Leben bestimmt

Doch jetzt konnte er wenigstens „zur Entschädigung“ die Welpen aus der Nähe fotografieren, mindestens vier tollten am Bau umher. Bis auch dort irgendwann Schluss war. Er fand sie später auf einer Wiese in der Nähe, wo sie sich balgten oder wegen eines Käfers in die Wolle bekamen. Anfang Juli dann ließen auch sie ihn nicht mehr in ihre Nähe, verschwanden schnell. Trotzdem versuchte er es immer wieder. Dass er möglicherweise durch seine Nahfotografie die Tiere zu sehr an den Menschen gewöhnt, wie ihm auf Facebook auch geschrieben wurde, kann er nicht bestätigen. „Es sind wilde Tiere und es bleiben wilde Tiere“, sagt er.

Sechs Monate lang haben die Rotpelze sein Leben bestimmt. Und dabei konnte er auch manches von ihnen lernen. „Die Füchse haben mir die Augen für die Natur geöffnet“, sagt er. So fotografiert er jetzt auch Schmetterlinge, denen er sonst keine Beachtung geschenkt hatte. Aber auch schöne Pflanzen sowie Hermelin, Baummarder oder Rotmilan und Bussard bannt er auf die Speicherkarte. Doch immer wieder denkt er an seine Füchse. „Es ist ein riesengroßes Glück gewesen, dass sie mir so vertraut haben.“

 

Von Andreas Kaatz

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