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Der Hunger nach Liebe ist groß

Treffpunkt der Jugend Der Hunger nach Liebe ist groß

Das Jugendhaus „Oase“ in der Rathenower Bergstraße ist ein beliebter Treffpunkt der Jugend. Das wissen leider auch Drogendealer, die immer wieder versuchen ihre gefährliche Ware hier zu verkaufen. Carsten Schulz, der Leiter der Einrichtung, wehrt sich dagegen und versucht, junge Menschen auf den richtigen Weg zu bringen.

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Der wöchentliche Gitarrenkurs wird nicht nur von Oase-Besuchern sehr gut angenommen.

Quelle: Ch. Schmidt

Rathenow. „Hier sind meine Freunde und es ist nicht so langweilig wie zu Hause. Man kann Billard spielen und freitags gibt es immer etwas zu essen“, erzählt Gino, ein blonder Junge mit melancholischem Blick. Der 13-jährige ist einer von rund 40 Jugendlichen, die ihre Nachmittage im Evangelischen Jugendhaus „Oase“ verbringen. „Im Sommer kommen weniger, im Winter mehr“, erzählt Carsten Schulz. Er leitet die Einrichtung seit März 2012 und kümmert sich in Spitzenzeiten um bis zu 60 Jugendliche im Alter zwischen 12 und 26 Jahren. Seit September erhält er dabei Unterstützung von Maximilian Vogt. Der 25-Jährige ist Mitglied im Kinder- und Jugendparlament und ausgebildeter Erzieher. Außerdem helfen zurzeit Stefan Homann und David Wenzel als Praktikanten aus.

Leider ist das evangelische Jugendhaus nicht nur ein Treffpunkt der Jugend. Seit längerem stehen vor dem Haus Drogendealer und verkaufen ihre gefährliche Ware. Carsten Schulz macht daraus kein Geheimnis. „Es gibt Leute, die fahren hier vor und bedienen zum Teil Zwischenhändler. Sie wissen, dass es der einzige Ort in der Stadt ist, an dem sich Jugendliche aufhalten. Man muss aber keine Angst haben, in der Oase mit Drogen in Kontakt zu kommen“, betont Schulz. Natürlich ruft er die Polizei, wenn wieder mal ein Dealer draußen wartet. Leider sei es den Beamten aufgrund der dünnen personellen Besetzungen kaum möglich einzuschreiten.

Drogen sind in der Oase tabu

Kein Wunder, dass diese Arbeit an die Substanz geht, vor allem dann, wenn schlechte Stimmung herrscht und Carsten Schulz darauf pochen muss, dass die Regeln beachtet werden: Ordnung, Gewaltfreiheit, Akzeptanz und Toleranz, kein Alkohol, keine Zigaretten und natürlich auch keine anderen Drogen. „Mit Sicherheit kommen zu uns auch Jugendliche die Drogen nehmen, aber wie gesagt, das tun sie nicht in der Oase“, betont Schulz und fügt hinzu: „Wer bekifft oder betrunken ist, wird nach Hause geschickt.“ Eine Ausnahme macht er, wenn Jugendliche hilflos und berauscht vor der Tür stehen. Sie brauchen Schutz und Fürsorge, eine Schulter zum Anlehnen und Aufmerksamkeit – für sie ist Carsten Schulz der Fels in der Brandung. Wenn sie wieder nüchtern sind, folgt ein Gespräch unter vier Augen.

Billard spielen mit Freunden, eine beliebte Freizeitbeschäftigung in der Oase

Billard spielen mit Freunden, eine beliebte Freizeitbeschäftigung in der Oase.

Quelle: Ch. Schmidt

Geöffnet ist die Oase montags bis donnerstags von 14 bis 20 Uhr und freitags bis 22 Uhr. Die Wochenenden sollen für die Familie bleiben. „Wenn wir am Wochenende was machen, dann etwas, das die Familien stärkt“, sagt Carsten Schulz. Das erreiche er, in dem er zum Beispiel Eltern mit ihren Kindern in die Oase zum gemeinsamen Kochen und zu Gesprächen einlädt. Solche Angebote werden aber häufig nur spärlich angenommen, so Schulz. Hauptzielgruppe der Einrichtung sind 13- bis 17-Jährige. Es kommen aber auch viele Ältere. Wer über 26 ist, muss sich allerdings ehrenamtlich engagieren. Und was treibt die Jugend hier? Besonders beliebt sind die Klassiker wie Billard, Kicker und Tischtennis. Verschiedene Jugendbands proben in der Oase und mehrmals pro Woche wird gekocht. „Unser Schwerpunkt liegt auf Musik und Kochen“, erklärt Schulz.

„Die Armut ist deutlich zu spüren“

„Die Oase ist ein gewaltfreier, kirchlicher Raum, was nicht heißt, dass wir alle zu frommen Christen erziehen wollen. Es geht darum Kirche erfahrbar zu machen“, so Schulz. Dazu gehören verschiedene Workshops, der wöchentliche Gitarrenkurs, der offen für alle Rathenower ist und immer wieder Gespräche mit den Jugendlichen. Redebedarf besteht immer, mal ist es Frust und Ärger über Lehrer, die Schule im Allgemeinen oder Probleme zu Hause. „Die Armut ist deutlich zu spüren“, sagt Schulz und meint damit nicht nur die finanzielle Armut. Viele der Jugendlichen haben Hunger nach Liebe.

Treffpunkte für die Jugend

Das Evangelische Jugendhaus „Oase“ in der Bergstraße 6 ist montags bis donnerstags von 14 bis 20 Uhr geöffnet, freitags von 14 bis 22 Uhr.

Willkommen sind Jugendlich zwischen 12 und 26 Jahren, aber auch interessierten Gästen steht das Haus offen.

Für jüngere Rathenower bietet sich zum Beispiel der Kinder- und Jugend „Freizeittreff Mühle“ am Schwedendamm an.

 

Von Christin Schmidt

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