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Havelland Wolfgang Gregor ist der Kunstgießer von Landin
Lokales Havelland Wolfgang Gregor ist der Kunstgießer von Landin
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12:40 27.02.2018
Wolfgang Gregor bei der Fertigung einer Negativform. Quelle: Markus Kniebeler
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Landin

Nicht immer ist es der gerade Weg, der zum Ziel führt. Bisweilen muss man Haken schlagen, die eingeschlagene Richtung ändern, Kehrtwenden vollziehen. Wolfgang Gregor hat etliche dieser Manöver hinter sich. Und ist sich dabei immer treu geblieben. „Nur der tote Fisch schwimmt mit dem Strom“, zitiert er ein asiatisches Sprichwort. Ein Motto, das seinen Lebensweg aufs Trefflichste beschreibt.

Türklinken, Metallgitter, Messingverzierungen. Skulpturen, Reliefs und jede Menge Werkzeug – dass es in der Kunstgießerei von Wolfgang Gregor geschäftig zugeht, daran besteht kein Zweifel. Der Mann hat gut zu tun. Und findet zwischen lauter Auftragsarbeiten Zeit für eigene Kunst.

Wobei das mit den Wendungen und Richtungsänderungen nachgelassen hat. Wer den 69-Jährigen nicht seit Ewigkeiten kennt, für den ist Gregor der Kunstgießer aus Landin. Seit 1993 betreibt er in einem alten Haus in der Steinstraße seine Werkstatt. 25 Jahre in ein und demselben Job – für einen Mann wie Wolfgang Gregor ist das eine Ewigkeit.

Lehre im Funkwerk Köpenick

Mit einer Lehre zum Stahlformbauer und Werkzeugmacher im Funkwerk Köpenick begann Ende der 1960er Jahre Gregors Berufskarriere. Schmieden, gießen, drehen; fräsen, bohren, schleifen. Von der Pike auf lernte Gregor das Handwerk – und kehrte diesem gleich nach der Ausbildung den Rücken.

Begann, weil er leidenschaftlich gern Gitarre spielte und voller kreativer Energie war, ein Studium an der Musikhochschule Hanns Eisler in Berlin. Und schmiss auch dieses schnell wieder. „Ich habe gesehen, dass andere viel talentierter waren.“

Mittelmaß wollte er nicht sein. Also lenkte Gregor sein künstlerisches Talent um – zur Fotografie. Und brachte es in diesem Metier nach einem Studium in Leipzig zu einigem Ruhm. Als klassischer Reportagefotograf belieferte Gregor Zeitschriften und Magazine.

Und wurde 1991, nach einigen weiteren Lebenswendungen, zum Hausfotografen der Berliner Volksbühne. Drei Jahre lang setzte er die längst Kultstatus genießenden Inszenierungen des Intendanten Frank Castorfs und anderer Theaterheroen der Ostbühne ins rechte Licht.

Und beendete auch dieses ruhmreiche Kapitel ohne Sentimentalität. „Es hat irgendwann einfach gereicht“, erinnert sich Gregor an die Zeit in einer Branche voller Eitelkeiten.

Rückbesinnung auf die beruflichen Wurzeln

So wurde für den gebürtigen Berliner plötzlich das Haus in Landin, das er zwei Jahre vor der Wende erworben hatte, zum Arbeits- und Lebensmittelpunkt. Platz war vorhanden in Hülle und Fülle.

Und also besann sich Gregor auf seine beruflichen Wurzeln und richtete sich eine Werkstatt sein. „Ich wollte wieder etwas mit den Händen machen“, sagt er. „Und nicht mehr abhängig sein von Leuten, die mir sagen, was ich zu tun und lassen habe.“ Seitdem gibt es die Kunstgießerei Gregor.

Impressionen aus der Kunstgießerei Gregor. Quelle: Markus Kniebeler

Abhängig ist der Mann, der vor Energie nur so sprüht, seitdem nicht mehr. Was nicht heißt, dass er sich nicht nach anderen richten muss. Ein Großteil der Stücke, die er in seiner Gießerei herstellt, sind Auftragsarbeiten.

Wenn er beispielsweise für die Potsdamer Schlösserstiftung tätig wird, steht das Handwerkliche im Vordergrund. Für die Alte Nationalgalerie hat er historische Handläufe gegossen, für das Marmorpalais Ziergitter gefertigt – und wer im Alten Museum in Berlin zu einem Türknauf greift, der könnte einen Nachguss aus der Gregor’schen Werkstatt in der Hand halten.

Zusammenarbeit mit bildenden Künstlern

Aufträge ganz anderer Art sind die von bildenden Künstlern. Wenn diese etwa einen klassischen Bronzeguss wollen, kommen sie mit der Skulptur in die Landiner Werkstatt.

Gregors Aufgabe ist es dann, eine Negativfom zu fertigen, diese im Ofen zu brennen, sie mit dem flüssigen Metall zu füllen und das erkaltete Werkstück dann nach den Wünschen des Künstlers nachzubearbeiten. Das ist die Kurzfassung der Arbeit eines Gießers. Wenn Gregor die Langfassung erzählt und auf die Kniffe und Komplikationen seines Metiers eingeht, vergeht die Zeit wie im Flug.

Auf die Zusammenarbeit mit Wieland Förster, dem aus Dresden stammenden Bildhauer, ist Gregor besonders stolz. Wenn Förster ihm vor einem Guss sagt „Du machst das schon, du weißt was Sache ist“, dann ist das für den 69-Jährigen das größte Kompliment.

Und tatsächlich ist es ja so, wie Gregor es ebenso flapsig wie selbstbewusst formuliert: „Der Bildhauer kann die tollste Skulptur bringen. Wenn der Gießer Scheiße baut, hilft alles nix.“

Trojanischer Hund auf der Fensterbank

Und dann kommt, neben den ganzen Auftragsarbeiten, die eigene Kunst. In Gregors Wohnstube steht ein trojanischer Hund auf der Fensterbank. Ein aus Bronze gegossener Hund auf roten Rädern. Einfach und zeitlos schön. Und innen hohl natürlich.

So wie das Pferd aus der Mythologie, das Gregor ironisch-verspielt in einen Hund transformiert hat. Um eigen Ideen umzusetzen, braucht Wolfgang Gregor Zeit und einen freien Kopf.

Den holt er sich beim Windsurfen oder Snowboarden. „Wenn ich auf dem Brett stehe, vergesse ich alles andere“, sagt er. Und danach sei der Kreativitäts-Akku wieder voll.

Impressionen aus der Kunstgießerei Gregor. Quelle: Markus Kniebeler

Der interessanteste Auftrag? „Da gab es eine Menge“, so Gregor. Gut erinnert er sich an einen Anruf aus Berlin. Etwas geheimnisvoll wurde er gefragt, ob er zur näheren Besprechung in die Hauptstadt kommen wolle.

Gregor fuhr hin, suchte die Adresse in der Hasenheide, und stand plötzlich er in der apostolischen Nuntiatur. Der Auftrag: Er sollte ein persönliches Wappen für Papst Benedikt gießen. Gregor tat, wie ihm geheißen. Das Wappen hängt heute noch in der diplomatischen Vertretung des Heiligen Stuhls.

Und das Wappen von Papst Franziskus daneben stammt auch aus der Landiner Gießerei. Offenbar hat die Arbeit den Abgesandten aus Rom sehr gefallen. Beim letzten Besuch wurde Gregor gefragt, wie alt er denn sei.

Als er die Antwort erfuhr, lächelte der Nuntius und sagte: „Na, dann bekommen wird von ihnen ja vielleicht noch ein Wappen.“

Kunstguss seit 25 Jahren

Seit dem Jahr 1993 betreibt Wolfgang Gregor in der Steinstraße 4A in Landin eine Kunstgießerei.

Die Liste seiner Auftraggeber ist lang. Auf ihr stehen unter anderem: Das Marmorpalais Potsdam, Schloss Rheinsberg, das Alte Museum Berlin, Schloss Paretz, das Museum für bildende Kunst Leipzig, Schloss Ribbeck, die Apostolische Nuntiatur Berlin, das Ozeaneum in Stralsund und die Stiftung Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg.

Wolfgang Gregor ist telefonisch zu erreichen unter 033874/60668 und per Mail unter mail@kunstgiesserei.de.

Von Markus Kniebeler

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