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Havelland Der Mais schreit nach Wasser
Lokales Havelland Der Mais schreit nach Wasser
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01:16 02.07.2018
Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger machte sich im Gespräch mit Stefanie Peters von der Agro Farm Nauen GmbH ein Bild von der Situation. Quelle: Tanja M. Marotzke
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Havelland

Für die Landwirte im Havelland folgt nach dem einen Extrem nun das nächste: Hatten im Vorjahr die starken Niederschläge die Ernte vermiest, so ist es diesmal die anhaltende Trockenheit. Um überhaupt noch etwas zu retten, müssen die Mähdrescher vorzeitig auf die Felder. So hat bei der Agro Farm in Nauen bereits am Donnerstag die Ernte der Wintergerste begonnen. „In meiner Karriere ist es der früheste Start, sonst fangen wir immer um den 10. Juli an“, sagt Geschäftsführer Dirk Peters, der auch Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Havelland ist.

Peters wusste schon vorher, dass er Verluste haben wird. „Die Körner sind deutlich kleiner als sonst. Schon am Freitag konnten wir die Ernte auf den 170 Hektar abschließen. Wir haben nur etwa 5,5 Tonnen pro Hektar erzielt, sonst haben wir acht bis neun.“ Anders sieht es hingegen bei ihm beim Weizen aus. „Da werden wir wohl eine durchschnittliche Ernte haben.“ Aber auch da geht es deutlich früher los, Mitte Juli.

Verluste auch im Westhavelland

Mit Verlusten muss ebenso die Agrargenossenschaft Böhne im Westhavelland rechnen, die mit der Ernte der Gerste vor einer Woche angefangen hat. „Wir werden etwa 30 Prozent weniger Ertrag haben“, schätzt Detlef Eichstädt. Von 350 Hektar ist das Getreide geborgen und damit etwa die Hälfte geschafft.

Bei Roggen und Weizen sieht es noch schlechter aus: Von mindestens 50 Prozent Ertragseinbußen geht Eichstädt derzeit aus. Er macht dafür zwar auch den ausbleibenden Regen, aber vor allem die hohen Temperaturen und den starken Ostwind verantwortlich. Die förderten nämlich die Verdunstung.

Raps von der Kohlfliege befallen

Beim Raps sieht es im Westhavelland ebenfalls nicht rosig aus, da liegt die Ernte deutlich unter dem Durchschnitt. Seit bei der Saat die Beizen gegen Insekten nicht mehr eingesetzt werden dürfen, fallen die Erträge ohnehin geringer aus. Dies und die Trockenheit führen auch bei der Agro Farm Nauen dazu, dass man von 50 Prozent Ausfällen ausgeht. „Wir haben keine Pflanze, die nicht von der Kohlfliege befallen ist“, so Peters. Die Bestände seien dadurch geschwächt.

Als katastrophal bezeichnet der Landwirt zudem die Situation beim Grünland. „Beim ersten Schnitt war das Heu noch akzeptabel“, sagt er. Den zweiten und dritten Schnitt wird er aber nicht mehr hinbekommen. „Die Flächen verbrennen jetzt wieder.“

Gute Qualität, aber die Menge zu gering

Davon kann auch Annette Brockmann, Geschäftsführerin der Agrargenossenschaft Wutzetz, ein Lied singen. „Einen Schnitt haben wir geschafft, der hat eine gute Qualität. Von der Menge sind wir aber enttäuscht, nur der halbe Silo ist voll“, sagt sie. Da zu wenig Futter auf den Weiden ist, wird sie eher ihre Rinder auf die Grünflächen schicken, statt zu schneiden.

Bei der Lupine muss sie mit 50 Prozent Ausfall rechnen. Hingegen ist die Situation beim Mais kritisch, aber nicht hoffnungslos. Der hat bei den Wutzetzern derzeit noch eine relativ gute Qualität, „aber die Pflanzen schreien nach Wasser“, sagt Annette Brockmann.

Dass jedoch in absehbarer Zeit ausreichend Regen fällt, da ist auch Peter Sanselzon, Vize-Amtsleiter im Amt für Landwirtschaft des Landkreises skeptisch. „Der Mais ist ein großer Unsicherheitsfaktor. Wie es sich dort entwickelt, hängt von den nächsten Wochen ab“, so Sanselzon.

Umfrage unter den Landwirten

Der Landkreis hat jetzt Umfragebögen an die 350 Landwirtschaftsbetriebe geschickt, um Daten zu erfassen und zu erfahren, wie man helfen kann. Die Informationen gehen dann ans Land, von dem sich die Landwirte Ausgleichszahlungen erwarten. „Nach den ersten Rückläufen haben wir den Eindruck, dass es keine Betriebe gibt, die nicht betroffen sind“, so Sanselzon. Die Bandbreite sei unterschiedlich. In der Regel lägen die Einbußen bei 25 bis 30 Prozent. Aber es gebe auch Meldungen von 50 bis 75 Prozent oder gar 100.

Von Andreas Kaatz

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