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Der Terror begann früh

KZ-Ausstellung in Hennigsdorf Der Terror begann früh

Eine Wanderausstellung über die frühen Konzentrationslager in Brandenburg wurde am Montag im Hennigsdorfer Bürgerhaus „Alte Feuerwache“ eröffnet. Die Tafeln sollen an die oft vergessenen Orte erinnern, an denen ab 1933 schätzungsweise bis zu 1000 Menschen starben. Die Geschichte dieser Lager ist heute weitgehend vergessen.

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Stiftungsleiter Günter Morsch diskutierte mit Martin Witt und Monika Krzyzynski-Voigt von der Hennigsdorfer Stadtverwaltung (v.l.).

Quelle: Foto: enrico Kugler

Hennigsdorf. Seine Schreie drangen bis in den Keller, wo bis zu 60 andere Gefangene kauerten. Oben, im Gebäude des KZ Meißnerhof, wurde Richard Ungermann von Lagerleiter Heinrich Krein verhört. SA-Männer aus Hennigsdorf und Eichstädt prügelten so lange auf den Stahlwerker ein, bis er dem Tode näher war als dem Leben. Richard Ungermann hatte am Streik der Veltener Ofenarbeiter mitgewirkt, Demonstrationen organisiert und war so ins Visier der Nazis geraten. Zwei Tage nach dem Verhör wurde er erschossen. „Seine Leiche wurde in einen Sack gesteckt und in die Havel geworfen“, erklärte Günter Morsch, Leiter der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten in Sachsenhausen.

Vor einem dutzend Gästen eröffnete er gestern im Hennigsdorfer Bürgerhaus alte Feuerwache die Wanderausstellung „Terror in der Provinz Brandenburg – Frühe Konzentrationslager 1933/34“. Auf Infotafeln werden die Geschichten der Häftlinge erzählt, die in den KZ umgekommen sind. Neun frühe Konzentrationslager entstanden bis zum Sommer 1933 in Brandenburg. In leerstehende Fabrikgebäuden, Garagen, Schulen oder Keller verschleppten SA-Standarten, SS-Männer oder Polizisten tausende politische Gegner der neuen Hitler-Regierung. „Die Opfer waren Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter, aber auch Juden oder Pfarrer“, erklärte Günter Morsch. Schätzungen zufolge seien in diesen frühen Lagern – von Senftenberg über Oranienburg bis Perleberg – zwischen 600 und 1000 Menschen gestorben, darunter auch Prominente wie der Schriftsteller Erich Mühsam. Viele der Lager seien heute fast vergessen, mahnte Günter Morsch. Dabei seien sie ein Mittel der Nazis gewesen, die Bevölkerung an Konzentrationslager, Folter und Mord der späteren Jahre zu gewöhnen.

Martin Witt, Hennigsdorfs stellvertretender Bürgermeister, pflichtete ihm bei. Lager wie Buchenwald, Dachau, Auschwitz oder Treblinka hätten einen grausamen Klang in der ganzen Welt. „Aber dass es hier, in unmittelbarer Nachbarschaft, in der ersten Zeit des blinden Terrors auch Stätten der Grausamkeit und Unterdrückung gab, das versucht diese Ausstellung zu transportieren.“

Vom KZ Meißnerhof seien heute keine Spuren mehr sichtbar, erklärte Antonius Teren, Vorsitzender des Geschichtsvereins Hennigsdorf, am Rande der Ausstellung. Es gebe nicht einmal eine Informationstafel, weil der genaue Standort des frühen Konzentrationslagers unbekannt sei. Überliefert ist nur, dass das KZ Anfang Mai 1933 in einem ehemaligen Naturfreundehaus zwischen Velten und Hennigsdorf im Forstbezirk Hohenschöpping entstanden war, betrieben wurde das Lager von der Nauener SA-Standarte 224. Im Juni 1933 wurde das KZ geschlossen, die Überlebenden kamen nach Sachsenhausen. Die Ausstellung sei ein Ansatz, darüber nachzudenken, dass man solche Zustände nie wieder haben wolle, sagte Teren. „Wenn wir die Presse aufschlagen, ist die Rechtsbewegung wieder verstärkt erkennbar.“

Von Marco Paetzel

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