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Der Urwald von Schönwalde

Winterwanderung durch den Erlenbruch Der Urwald von Schönwalde

„Es war eine wilde Urgegend, wie die Hand der Natur sie gebildet hatte, ein Seitenstück zu den Urwäldern Südamerikas, nur kleiner und nicht Wald, sondern Luch.“ So beschrieb der preußische Geograf Karl Friedrich von Klöden im 19. Jahrhunderts Gegenden wie das Schönwalder Teufelsbruch. Dann kam der Mensch. Inzwischen aber erobert sich die Natur ihren Lebensraum zurück.

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Bodo Oehme (l.) mit Zuhörern vor einem der Hangars, den die Natur langsam zurückerobert.

Quelle: Philip Häfner

Schönwalde-Glien. Der Wettergott muss ein Wandersmann sein. Für Sonntagmorgen war eigentlich Starkregen vorhergesagt worden, doch als sich die knapp 50 Teilnehmer der Winterwanderung der Schönwalder CDU auf den Weg machten, blieben sie bis auf einen kurzen Schauer von Niederschlägen verschont.

Das war auch gut so, denn auf ihrer Tour durch den Teufelsbruch und das Erlenbruchgelände hätten sie sich nirgendwo unterstellen können. Der alte Fliegerhorst verfällt, die Natur holt sich das Gelände nach und nach zurück. Inzwischen wachsen vielerorts Birken aus dem Mauerwerk, im Sommer sind einige Gebäude völlig zugewuchert. „Weil der Mensch nichts getan hat, konnten sich die Dinge hier so entwickeln“, so Bürgermeister Bodo Oehme (CDU), der die Wanderung leitete. Der Ortschef kam mit CDU-Schal um den Hals und Gamsbart auf dem Kopf. „Den haben mir meine Waldschrate verpasst“, sagte er scherzhaft und meinte damit seine beiden Kollegen aus der Verwaltung, die sich um das Wohl der Bäume in der Gemeinde kümmern.

Fast 60 Jahre, von 1935 bis 1994, diente das Areal als Militärstandort – erst unter den Nationalsozialisten, später unter den Sowjets, die von Schönwalde aus Westberlin abhörten und den Luftraum überwachten. Bis zu 8000 russische Soldaten waren dort untergebracht, ihre Kalaschnikows baumelten griffbereit am Bettpfosten.

Bis in die Fünfzigerjahre hinein hoben von der 1000 Meter langen Rollbahn noch regelmäßig Flugzeuge ab. Heute wächst wieder Gras auf dem Asphalt. Wegen des „bemerkenswerten Vorkommens hochgradig gefährdeter Pflanzenarten“ wurde der Teufelsbruch mit dem Muhrgraben auf einer Fläche von fast 700 Hektar zu einem europäischen Schutzgebiet „Natura 2000“ erklärt.

Fasane und Fischotter leben dort, Wildschweine, Waschbären und Wölfe. „Ein oder zwei von ihnen stromern hier durch die Gegend“, erzählte Bodo Oehme. Der Europäische Schlammpeitzger, eine in Deutschland stark gefährdete Fischart, ist in Schönwalde ebenso heimisch wie der Biber. Oehme sagte scherzhaft: „Ob er die Schutzbestimmungen kennt, wenn er die Bäume fällt?“

Kraniche rasten auf den Teufelsbruchwiesen, um sich für den weiteren Flug auszuruhen. Bei Vollmond soll manchmal auch ein Hund zu hören sein, dazu Glockengeläut aus dem versunkenen alten Dorf Schönwalde. Doch das ist wohl nur eine Sage.

„Es war eine wilde Urgegend, wie die Hand der Natur sie gebildet hatte, ein Seitenstück zu den Urwäldern Südamerikas, nur kleiner und nicht Wald, sondern Luch.“ So hatte der preußische Geograf und Historiker Karl Friedrich von Klöden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Brandenburger Gegenden wie das Teufelsbruch beschrieben. Dann aber kam der Mensch. „1994 hätten wir hier nicht entlangspazieren können“, sagte Bodo Oehme bei einem Zwischenstopp auf dem Rollfeld, weil überall Müll lagerte, darunter 400 abgewrackte Fahrzeuge und hunderte Autoreifen. Eines Tages gerieten diese in Brand – die Rauchwolken zogen hinüber bis Hennigsdorf und Velten. Jetzt wachsen dort wieder wilde Orchideen und Wacholder.

Von Philip Häfner

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