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Havelland Der alte Bahnhof wird wohl kein Ort der Kunst
Lokales Havelland Der alte Bahnhof wird wohl kein Ort der Kunst
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02:15 27.10.2017
Der Bahnhof von Paulinenaue steht seit Jahren leer. Künstler werden hier wohl vorerst nicht einziehen. Quelle: Tanja M. Marotzke
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Paulinenaue

Den Bahnhof von Paulinenaue zu einem lebendigen Ort für Anwohner, Reisende und Künstler aus aller Welt umgestalten – das ist der lang gehegte Traum von Eleonore Straub. Seit inzwischen fast drei Jahren arbeitet die Künstlerin aus der Hauptstadt Berlin schon an ihrer Idee.

Unzählige Male stellte sie das Projekt der Gemeinde und potenziellen Unterstützern vor. Von der Idee waren viele begeistert, auch die Gemeindevertretung Paulinenaue, die im November 2015 einstimmig dafür votierte, das Gebäude an die Künstlerin zu veräußern, wenn sie ihr vorgestelltes Konzept umsetzt.

Projekt steht vor dem Aus

Doch nun scheint die Realisierung auf der Kippe zu stehen, das Projekt gar gestorben zu sein. „Ich habe das Kulturprojekt mit Fachleuten und hohem Aufwand erarbeitet und verstehe nicht, warum plötzlich die Gemeinde an der Realisierung des Projektes kein Interesse mehr zeigt“, sagt die engagierte Künstlerin.

Die Planungen seien an einem Punkt, an dem sie ohne die Unterstützung der Gemeinde nicht mehr weitermachen kann – und auch nicht will. „Ich mache das alles ja nicht für mich, sondern für den Ort Paulinenaue“, betont sie immer wieder.

Kosten für Umbau auf 3 Millionen Euro geschätzt

Hauptproblem ist aber die Finanzierung der geplanten Umbaumaßnahmen. Für die Sanierung des historischen Bahnhofsgebäudes, die Einrichtung von Künstlerwohnungen und Ateliers sowie eines Cafés und Dorfladens, rechnet die Künstlerin mit Kosten von rund drei Millionen Euro. Diese sollen zum größten Teil aus Fördermitteln finanziert werden. Und das ist auch schon das Problem.

„Als Verein können wir bestimmte Fördermittel jedoch gar nicht beantragen, das kann nur die Gemeinde“, so Straub weiter. Diese machte jedoch von Anfang an klar, dass sie bei der Umsetzung keine aktive Rolle einnehmen wird. „Die Gemeinde konnte sich den Verkauf des Bahnhofsgebäudes an Frau Straub durchaus vorstellen, auch mit dem Nutzungskonzept, allerdings wollten wir nie die Rolle des Antragsstellers für Fördermittel einnehmen“, sagt dazu der Amtsdirektor des Amtes Friesack, Christian Pust.

Das Bahnhofsgebäude

Im Jahr 1847 entstand der erste Teil des Bahnhofsgebäudes in Paulinenaue, der im Jahr 1884 schließlich um einen Anbau ergänzt wurde.

Die Gemeinde musste das Haus vor einigen Jahren miterwerben, als sie die Bahnhofsvorplätze gekauft hat, um sie

neu gestalten zu können.

Ein eigenes Konzept zur Nachnutzung, das 2008 vorlag, erwies sich als nicht tragfähig. Damals waren in Paulinenaue neben einem Veranstaltungssaal auch eine Fahrradwerkstatt mit Ausleihe, ein Café, ein Gemeindebüro und Räume für die Schulbibliothek geplant.

Mit dem Projekt Artist in Residence wollte Eleonore Straub Künstler aus aller Welt nach Paulinenaue holen. Sie sollten für mehrere Monate in dem alte Bahnhofsgebäude leben und dort auch künstlerisch arbeiten.

Dies werde auch künftig der Standpunkt der Gemeinde bleiben. Einen Umbau des Paulinenauer Bahnhofs sieht er nur noch dann als realistisch, wenn Eleonore Straub oder der Verein Nature-Art-Technology NAT, mit dem sie das Projekt gemeinsam seit einiger Zeit plant, das Gebäude kauft und dann mit eigenen Mitteln saniert. „Wenn die Gemeinde Geld beantragt, muss auch irgendjemand garantieren, dass es zweckgebunden verwendet wird, und wer haftet, falls dies nicht der Fall ist?“, fragt sich der Amtsdirektor.

Auch den Eigenanteil, der für die Sanierung notwendig ist, könne die Künstlerin nicht aufbringen. Doch auch dafür habe sie schon eine Idee. „Wir möchten das Projekt in einem kurzem Film vorstellen und das Geld über Crowdfunding einnehmen“, so Straub. Eine im Kern wunderbare Idee, die der Gemeinde jedoch ebenso wenig Sicherheit bietet.

Gemeinde sucht neue Ideen und Konzepte

Amtsdirektor Christian Pust macht sich derweil bereits Gedanken, ob es noch andere Nutzungsmöglichkeiten für den alten Bahnhof gibt. „Ich möchte jetzt mit professionellen Planern und Entwicklern Kontakt aufnehmen, die mir sagen sollen, ob die Entwicklung des Bahnhofes auch unter wirtschaftlichen Aspekten überhaupt eine realistische Chance hätte“, so der Amtsdirektor.

Er hat nach eigener Aussage bereits Gespräche mit der Wirtschaftsförderung des Kreises geführt, bei der sich bereits erste Ideen ergeben hätten. „So kam es auch zu der Überlegung, im Bahnhof Start-Ups anzusiedeln“, so Pust. Die Zugverbindung nach Berlin sei da ein echter Pluspunkt.

Klar ist jedoch, dass der Paulinenauer Bahnhof wohl erst einmal noch eine ganze Weile leer stehen wird, bis sich neue Ideen oder potenzielle Investoren gefunden haben. Klar ist aber auch, dass mit dem Gebäude auf lange Sicht etwas passieren muss. „Der Bahnhof ist enorm ortsprägend und gleichzeitig ein ziemlich großes Objekt für die Gemeinde, was eine Nachnutzung umso schwieriger macht“, sagt Amtsdirektor Pust.

Künstlerin hofft auf Umdenken der Gemeinde

Die Künstlerin Eleonore Straub hat indes die Hoffnung noch nicht gänzlich aufgegeben. Sie hofft immer noch auf ein Umdenken der Verwaltung. „Ich wünsche mir, dass die Gemeinde ihren Entschluss, keine Fördermittel für das gemeinnützige und für den Ort hervorragend geeignete Nachnutzungskonzept beantragen zu wollen, noch einmal überdenkt“, so Straub. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Von Danilo Hafer

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