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Der erste Landrat des Osthavellands

Vor 200 Jahren Der erste Landrat des Osthavellands

Georg Karl Werner Friedrich von Plessen war vor 200 Jahren der erste Landrat des Osthavellandes. Ernannt wurde er 1816 durch den preußischen König Friedrich Wilhelm III. höchstpersönlich. Allzu viel ist über von Plessen nicht bekannt. Die MAZ hat sich auf Spurensuche begeben.

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Das heutige Landratsamt in Rathenow. Vor 200 Jahren residierte das Kreisoberhaupt des Osthavellands noch in Flatow im heutigen Landkreis Oberhavel.

Quelle: MAZ

Havelland. Da sein, wenn es brennt: Das erwarten die Bürger von ihrem Landrat. Der erste Landrat des Osthavellandes nahm das sogar wörtlich, denn Georg Karl Werner Friedrich von Plessen war nicht bloß Kreischef, sondern zugleich auch Direktor der Feuersozietät. Vor 200 Jahren, 1816, war von Plessen ins Amt gekommen, nicht etwa gewählt durch den Kreistag oder das Volk, sondern durch Ernennung durch den preußischen König Friedrich Wilhelm III.

Allzu viel ist über Georg von Plessen nicht bekannt, nicht einmal das genaue Datum seiner Ernennung zum Landrat. Eine Personalakte findet sich weder im Brandenburgischen Landeshauptarchiv in Potsdam noch im Geheimen Preußischen Staatsarchiv in Berlin, und auch das havelländische Kreisarchiv in Friesack hat keine Informationen über ihn.

Was wir wissen: Von Plessen wurde am 25. Juni 1773 im mecklenburgischen Klein Vielen geboren, übrigens nicht weit entfernt von der Havelquelle. Er stammt aus einem mecklenburgisch-holsteinischen Adelsgeschlecht, sein Vater Karl Hartwig von Plessen war herzoglich-mecklenburgischer Kammerherr und Reisestallmeister. Georg von Plessen hatte sieben Geschwister, drei Brüder und vier Schwestern.

Er war Ritter des St.-Johanniter-Ordens und diente ab 1787 im Infanterieregiment unter dem preußischen Prinzen Heinrich, erst als Regimentsadjutant, später sogar als Hauptmann.

Der Landkreis Osthavelland war einer von 14 im Regierungsbezirk Potsdam, einem von zwei Bezirken in der Provinz Brandenburg, die wiederum eine von insgesamt zehn Provinzen im Königreich Preußen war. Die Kreise dienten als Bindeglied zwischen der staatlichen Verwaltung und den Gemeinden. Ihre Größe sollte so bemessen sein, dass von jedem Dorf innerhalb eines Tages eine Reise mit der Kutsche zum Sitz der Kreisverwaltung, die Ausführung der geplanten Amtsgeschäfte und die Rückreise möglich sein sollte, oder umgekehrt der Landrat ein entlegenes Dorf besuchen konnte, ohne dort übernachten zu müssen.

Von Plessen residierte zunächst auf seinem Gut in Flatow, damals die flächenmäßig größte Landgemeinde im Osthavelland, heute ein Ortsteil von Kremmen (Oberhavel). Das Landratsamt befand sich allerdings in Nauen. 1826 zog von Plessen ebenfalls in die Ackerbürgerstadt um. Sein Landratssalär, so können wir den Akten entnehmen, betrug fortan 800 Taler. Der König höchstpersönlich hatte einer Gehaltserhöhung zugestimmt.

Es gab damals auch schon einen Kreistag, der laut Kreisordnung der Kur- und Neumark Brandenburg die Verwaltung „in Kommunalangelegenheiten zu begleiten und zu unterstützen“ hatte.

Als Landrat war von Plessen verpflichtet, mindestens einmal im Jahr einen Kreistag anzusetzen. Er führte die Versammlung und besaß auch das Recht, „wenn seine Erinnerungen kein Gehör finden [...] die ordnungsstörenden Mitglieder von der Versammlung auszuschließen.“ Zu dieser Maßnahme musste er aber offenbar nur selten greifen. Vier Jahre nach seinem Tod am 17. Mai 1828 im Alter von 54 Jahren erschien im „Nekrolog der Deutschen“ eine Lobeshymne auf sein Leben: „Er löste Verwicklungen mit Leichtigkeit, überwand die Schwierigkeiten durch ausdauernde Tätigkeit und verwaltete das landrätliche Amt bis zu seinem Ableben mit eben so viel Kraft wie Milde. Richtiger und schneller Blick, Entschlossenheit, gerechter Sinn und sein amtliches Ansehen, das er neben seiner liebenswürdigen Herzensgüte stets in einem hohen Grad sich zu erhalten wusste, setzten ihn und die Kreiseingesessenen in die glückliche Lage, seine Anordnungen ohne Reibung und Schwierigkeit ausgeführt zu sehen.“

Von Philip Häfner

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